„Heilloser Populismus“: Berater schießt gegen Bayern-Patron Hoeneß

Sebastian Mittag

Die Debatte um die Macht der Spielerberater im Profifußball hält weiter an – und diesmal steht einmal der FC Bayern im Mittelpunkt. Ehrenpräsident Uli Hoeneß hatte sich zuletzt deutlich über die Beraterzunft geäußert und angekündigt, deren Einfluss künftig stärker begrenzen zu wollen. Nun kommt Gegenwind.

Im Gespräch mit der dpa reagierte der erfahrene Spielervermittler Jörg Neblung scharf auf die Aussagen des Bayern-Patrons. Er bezeichnete Hoeneß’ Kritik als „platt“ und sprach sogar von „heillosen Populismus“.

Hintergrund sind unter anderem die zähen Vertragsverhandlungen mit Dayot Upamecano. Der Innenverteidiger hatte in den vergangenen Monaten mit seinen Beratern intensiv über eine Verlängerung beim FC Bayern verhandelt. Dabei ging es nicht nur um ein Top-Gehalt, sondern auch um eine Signing Fee, die Berichten zufolge bei rund 20 Millionen Euro liegen soll. Zudem habe die Spielerseite darauf bestanden, das Handgeld nicht über die Vertragslaufzeit zu strecken, sondern garantiert zugesichert zu bekommen.

Hoeneß hatte sich bereits während des Vertragspokers „entsetzt“ über das Verhalten der Berater gezeigt, den Spieler selbst jedoch aus der Kritik herausgenommen. In der BILD kündigte er nun an, man werde es sich „nicht mehr gefallen lassen, dass Berater allein bestimmen, wie es läuft. Ihr Beitrag steht zunehmend in keinem Verhältnis mehr zur Honorierung, die aufgerufen und am Ende auch oft gezahlt wird“. Zudem stellte Hoeneß klar: „Wir werden verstärkt ‚Nein‘ sagen und diesen Wahnsinn nicht mitmachen.“

Antwort auf Hoeneß: „Es wird ja regelmäßig auf die Berater geschimpft“

Neblung widerspricht dieser Darstellung entschieden. „Die Bayern werden immer zornig, wenn sie ihren Willen nicht kriegen. Es wird ja regelmäßig auf die Berater geschimpft. Upamecano kriegt in diesem Fall aber gefühlt nichts ab, obwohl er letztendlich die Entscheidung trifft. Das ist das Lächerliche. Wir haben keine Prokura“, erklärte er.

Uli Hoeneß
Foto: IMAGO

Aus seiner Sicht liege die Entscheidungsgewalt am Ende immer beim Spieler. „Es ist immer der Spieler, der entscheidet, und die Vereine versuchen darüber hinaus auch immer wieder den Keil zwischen dem Spieler und den Agenten zu treiben“, so Neblung weiter. Berater hätten ihre Daseinsberechtigung, weil sie den Markt sondieren und Alternativen aufzeigen würden: „Es gibt einen Markt für jeden Spieler und diesen Markt bespielen Vereine und Berater. Wir zeigen dem Spieler auf, welche Alternativen es gibt.“

Auch an anderer Stelle kocht die Diskussion hoch. Matthias Sammer hatte zuletzt ebenfalls scharfe Kritik an Beratern geübt und sogar deren Abschaffung gefordert. Roger Wittmann, Geschäftsführer der Agentur Rogon, entgegnete bei Sky: „Wenn es keine Berater geben würde, würden die Klubs mit den Spielern machen, was sie wollen.“

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