Uli Hoeneß spricht offen über seine Zeit im Gefängnis – und darüber, wie sehr ihn diese Phase persönlich und familiär geprägt hat.
Für Uli Hoeneß ist die Haftzeit längst nicht nur ein dunkles Kapitel, sondern ein Abschnitt, der sein Leben nachhaltig verändert hat. Der Ehrenpräsident des FC Bayern blickt heute mit Abstand auf die Monate im Gefängnis zurück und beschreibt sie als prägend. Im Interview mit der BILD sagte der 74-Jährige: „Ich habe in der damaligen – vor allem für meine Familie sehr schwierigen Zeit – einiges für mein Leben mitnehmen können und danach auch einiges anders gesehen.“ Besonders zwei Werte hätten sich für ihn noch einmal geschärft: „Demut. Soziale Verantwortung. Das war mir immer wichtig, aber es wurde noch verstärkt.“
Seine vorzeitige Entlassung am 29. Februar 2016 ist ihm bis heute lebhaft in Erinnerung geblieben. Während viele Medien mit einem Abgang am Mittag gerechnet hätten, kam es anders. „Ich werde die letzte Nacht im Gefängnis nicht vergessen. Alle Journalisten haben gedacht, dass ich an dem 29. Februar gegen Mittag aus der JVA aus dem Tor marschiere. Keiner hatte damit gerechnet, dass mich die Gefängnis-Leitung schon um kurz nach 0 Uhr entlassen würde. Meine Frau und mein Sohn haben mich abgeholt.“
„Unvergesslich“ – und zugleich verstörend
Nach der Heimkehr an den Tegernsee erwartete ihn ein besonderer Empfang. Freunde hätten bereits gewartet, „sogar eine Blaskapelle hat vier, fünf Lieder gespielt. Wir haben dann bis morgens um 5 Uhr Schafkopf gespielt. Unvergesslich.“

Gleichzeitig verschweigt Hoeneß nicht, dass die Zeit hinter Gittern auch belastende Eindrücke hinterlassen hat. Kontakte zu ehemaligen Mithäftlingen bestehen heute keine mehr. „Wenn man morgens aufwacht und ein Mörder sitzt vor deinem Bett und erzählt dir seine Lebensgeschichte, weiß man nicht, ob man das unbedingt erleben will“, sagte Hoeneß.
Große Bedeutung hatten für ihn die zahlreichen Zuschriften während der Haft. Rund 5.500 Briefe hätten ihn erreicht, viele davon hätten ihn „auch zu Tränen gerührt“. Noch immer bewahrt er sie auf: „Ich habe sie in einer großen Kiste und schaue ab und zu mal rein.“
