Vincent Kompany hat auf der Pressekonferenz des FC Bayern ein deutliches Zeichen gesetzt. Der Trainer sprach fast zwölf Minuten über den mutmaßlichen Rassismus-Vorfall um Vinicius Junior – und übte scharfe Kritik an José Mourinho.
Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt zeigte sich Vincent Kompany ungewöhnlich emotional. Der 39-Jährige äußerte sich ausführlich zum mutmaßlichen Rassismus-Vorfall im Champions-League-Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid, bei dem Vinícius Júnior offenbar wegen seiner Hautfarbe beleidigt worden sein soll.
Als er auf die Szene angesprochen wurde, machte der Bayern-Coach deutlich, dass er nach diesem Thema keine sportlichen Fragen mehr beantworten werde. Zu ernst sei ihm die Angelegenheit. Seine Antwort dauerte knapp zwölf Minuten – ein eindringlicher Monolog über Verantwortung, Führung und den Umgang mit Rassismus.
Kompany stellt sich klar hinter Vinícius
Kompany stellte sich ohne Einschränkung hinter den Real-Profi: „Ich habe es live gesehen. Wenn man die Aktion sieht, kann die Reaktion von Vinicius Junior nicht gefaked sein. Seine Reaktion ist emotional. Ich sehe keinen einzigen Vorteil für ihn, zum Schiedsrichter zu gehen, und dieses ganze Elend auf seine eigenen Schultern zu laden. Für Vinicius gäbe es überhaupt keinen Grund, so etwas zu tun. Auch Kylian Mbappé war dabei. Er ist ein Spieler, der normalerweise immer ruhig und diplomatisch bleibt. Aber auch er wurde sehr deutlich darüber, was er gehört und gesehen hat. Darüber hat er auch nach dem Spiel gesprochen.“
Im Anschluss richtete er den Blick auf die Reaktionen nach Abpfiff – und kritisierte insbesondere Benfica-Trainer José Mourinho deutlich: „Was nach dem Spiel passiert ist, ist sogar noch schlimmer gewesen. José Mourinho, der Anführer der Mannschaft, hat den Charakter von Vinicius Junior attackiert, indem er die Art seines Torjubels thematisiert hat. In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler. Und das ist etwas, was wir nicht akzeptieren sollten. Obendrein nennt er den Namen von Eusébio. Er sagt, dass Benfica nicht rassistisch sein kann, weil der beste Spieler der Klubgeschichte Eusébio ist. Aber weiß er, was schwarze Spieler in den 60er Jahren durchmachen mussten? War er da, um mit Eusébio zu jedem Auswärtsspiel zu reisen? Mein Vater ist eine schwarze Person aus den 1960ern, der damals seinen Weg gegangen ist. Damals war ihre einzige Option, still zu sein, nichts zu sagen, darüberzustehen und zehnmal besser zu sein, um ein bisschen Anerkennung zu bekommen. Das ist wahrscheinlich Eusébios Leben.“
„Er ist eine gute Person – aber er hat einen Fehler gemacht“
Gleichzeitig stellte Kompany klar, dass sich seine Kritik auf das Verhalten in dieser Situation beziehe – nicht auf Mourinhos Charakter: „Ich habe 100 Menschen getroffen, die mit José Mourinho gearbeitet haben und ich habe nie jemanden etwas Schlechtes über ihn sagen hören. Alle Spieler, die unter ihm gespielt haben, lieben ihn. Du kannst kein schlechter Mensch sein, wenn all deine Ex-Spieler so positiv über dich sprechen. Ich weiß also, dass er eine gute Person ist. Ich verstehe, was er da getan hat, dass er für seinen Klub und seine Mannschaft kämpft – aber er hat einen Fehler gemacht. Das ist etwas, das in der Zukunft hoffentlich nicht noch einmal passieren wird, sodass wir nach vorn schauen und wachsen können. Dass wir darauf schauen können, was wir gemeinsam machen können und nicht auf die Dinge, die uns spalten.“

Abschließend weitete Kompany den Blick auf das grundsätzliche Problem im Fußball: „Vinicius ist in der Lage, etwas sagen zu können. Es gibt auch heutzutage noch viele Spieler in verschiedenen Ligen – auch in Europa – die keine Stimme haben. Es gibt Spieler in Ungarn, in Bulgarien und Serbien, die keine Chance haben, irgendeine Unterstützung zu bekommen, wenn ihnen etwas passiert und sie schwarz sind. Vini ist zumindest in einer Situation, in der er sich diesen Moment nehmen und protestieren kann – weil es vor ihm viele Leute möglich gemacht haben.“
