Der Spannungsabfall ist gefährlich: Drei Bayern-Erkenntnisse nach Frankfurt

Manuel Behlert

Am 23. Spieltag bekam es der FC Bayern zu Hause mit Eintracht Frankfurt zu tun. Nach einer dominanten ersten Halbzeit und einer zwischenzeitlichen 3:0-Führung in Halbzeit zwei wurde es noch einmal eng.

Der Rekordmeister feierte aber dennoch einen Dreier und gewann mit 3:2. Das Spiel gegen die Hessen lieferte für die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany einige Erkenntnisse.

1. Die Vielfalt bei Standards nimmt zu

Standards sind im Fußball momentan so wichtig wie nie zuvor. Der FC Arsenal ist eines der Teams, die ruhende Bälle nahezu perfektioniert haben. Es gibt diverse Varianten. Oftmals wird der Torhüter zugestellt, ein gewolltes Chaos kreiert und die Ecke oder der Freistoß wird perfekt platziert auf einen bestimmten Punkt gespielt. Der FC Brentford hat Einwürfe perfektioniert und hat dort mehrere Möglichkeiten, um zum Torerfolg zu kommen. Und auch beim FC Bayern nehmen ruhende Bälle immer mehr Einfluss. Das ist schon in der Rückrunde der letzten Saison spürbar gewesen.

In der laufenden Saison wurde das noch einmal deutlicher. Bayern arbeitete mehr an den Standards und schoss auch mehr Tore nach ruhenden Bällen. Dabei wurden zunächst einige Basisvarianten perfektioniert, ehe eine Weiterentwicklung in Angriff genommen wurde. Diese war auch gegen Frankfurt spürbar. Vielleicht lag es daran, dass Trainer Kompany und sein Team zuletzt mehrere Trainingswochen hatten, in denen man auf der inhaltlichen Ebene arbeiten konnte und sich nicht nur um Be- und Entlastung kümmern musste.

Kane gegen Frankfurt
Foto: IMAGO

Gegen Eintracht Frankfurt war genau das wieder sichtbar. Es wurden nicht nur zwei Tore nach Eckbällen erzielt, der FC Bayern hatte auch diverse Varianten in petto. Flach in Richtung kurzer Pfosten, direkt auf den Torhüter, dann wiederum auf den langen Pfosten mit einem Kopfball zurück in die Mitte. Ein Tor entstand nach einem kurzen, ruhenden Ball mit anschließender Flanke, ein Treffer fiel nach einem mit dem Kopf verlängerten Eckball. Das ist in jedem Fall eine Entwicklung, die sehr positiv ist.

2. Musiala macht enorm wichtigen Schritt

Jamal Musiala
Foto: IMAGO

Eine weitere Erkenntnis betrifft einen Spieler, der 2025 extrem lange pausieren musste. Die Rede ist von Jamal Musiala. Er feierte Anfang des Jahres sein Comeback. Traf gegen die PSV aus Eindhoven in der Champions League auch schon. Aber man erkannte neben all den positiven Ansätzen auch typische Mechanismen nach einer langen Verletzung. Er ging noch nicht in jeden Zweikampf mit der letzten Überzeugung. Bei manch einem intensiven Lauf schreckte er am Ende ein wenig zurück. Das ist normal, das ist keine Kritik und das hat ihm auch niemand übel genommen.

Gegen Frankfurt stand Musiala mal wieder in der Startelf und machte einen völlig anderen Eindruck als zuletzt. Spielerisch funktionierte weiterhin nicht alles, aber er war besser eingebunden als zuletzt. Die Spritzigkeit kommt langsam wieder. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Der Spielmacher hetzte die Hessen, war im Gegenpressing der Aktivposten in der ersten Halbzeit. Es war mehr Engagement zu sehen als in den letzten Wochen, noch mehr Selbstsicherheit, und dadurch zog er auch die Mitspieler mit.

Dieser Schritt war essenziell wichtig, um in den kommenden Wochen sukzessive wieder mehr Einfluss nehmen zu können. Musiala fehlt nicht viele Scorerpunkte, auch gegen Frankfurt hätte er gut und gerne einen Treffer erzielen können. Mit noch mehr Rhythmus und noch mehr Vertrauen in die eigenen Leistungen wird das auch zeitnah noch besser.

3. Gefährlicher Spannungsabfall nach dem 3:1

Über weite Strecken bestimmte der FC Bayern das Spiel gegen Eintracht Frankfurt. In der ersten Halbzeit war die Arbeit gegen den Ball sehr gut, das Gegenpressing funktionierte, die Abstimmung war top. Im Offensivspiel wurde eine gute Kombinationsfreude gezeigt, es gab einige Chancen für den Rekordmeister. Und eine 2‑Tore-Führung schon zur Pause. Hier gab es wirklich wenig zu meckern. Im zweiten Spielabschnitt ließ Bayern dann die ein oder andere große Chance liegen, Frankfurt wechselte offensiv und fand langsam in das Spiel.

Als die Kompany-Elf in genau dieser Phase das 3:0 durch Harry Kane erzielte, wirkte es wie eine Entscheidung. Frankfurts Engagement wurde gebremst, der Gastgeber führte jetzt komfortabel. Doch eine Szene sorgte dann doch für einen Umschwung. Dabei handelt es sich um den für Bayern unglücklichen, aber berechtigten Elfmeter, den die Hessen nach einem Kane-Foul zugesprochen bekamen. Das Burkardt-Tor zum 3:1 sorgte für neue Spannung. Vor allem, weil dem Tabellenführer der Bundesliga jetzt die Souveränität verloren ging.

Man war nicht mehr so griffig gegen den Ball, die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen waren zu groß. Und mit dem Ball wurde man fahrig. Sinnbildlich für den Spannungsabfall stand das Gegentor zum 3:2, als man schon in der Entstehung zweimal unsauber war und den Ball vertändelte. Ein aus der Bedrängnis gespielter Querpass durch den eigenen Strafraum von Joshua Kimmich auf Minjae Kim, der auch nicht ausreichend entgegenkam, sorgte dann für den Anschluss. Und dafür, dass Bayern zittern musste. Etwas, das man eigentlich verhindern wollte. Das muss intern klar angesprochen und verbessert werden.

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