Der Rassismus-Skandal um Real Madrids Vinícius Júnior zieht immer weitere Kreise – und rückt nun auch José Mourinho ins Zentrum der Debatte. Nachdem Bayern-Trainer Vincent Kompany den Benfica-Coach öffentlich und ungewöhnlich deutlich kritisiert hatte, äußerte sich der 63-Jährige erstmals selbst. Eine echte Auseinandersetzung mit den Vorwürfen blieb jedoch aus.
Auslöser der Diskussion war das Champions-League-Play-off-Hinspiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid im Estádio da Luz. Benficas argentinischer Profi Gianluca Prestianni soll Vinícius laut dessen eigener Schilderung sowie Aussagen von Teamkollege Kylian Mbappé auf Spanisch als Affe bezeichnet haben. Prestianni weist die Vorwürfe zurück. Schiedsrichter François Letexier unterbrach die Partie daraufhin für mehrere Minuten, die UEFA leitete offizielle Ermittlungen ein.
Für zusätzliche Brisanz sorgten Mourinhos Aussagen nach dem Spiel. Der Benfica-Trainer hatte Vinícius indirekt eine Mitschuld gegeben und erklärt: „Es war ein großartiges Tor, aber sein Jubel war respektlos. Diese Dinge passieren immer in den Stadien, in denen Vinicius spielt.“ Worte, die international für Empörung sorgten.
Kompany spricht von „großem Führungsfehler“

Vincent Kompany reagierte auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt mit einer emotionalen und fast zwölfminütigen Brandrede gegen Rassismus im Fußball. Dabei nahm er Mourinho direkt in die Verantwortung. „Mourinho, der Anführer der Mannschaft, hat den Charakter von Vinícius attackiert, indem er die Art seines Torjubels thematisiert hat. In Bezug auf Führung ist das für mich ein großer Fehler“, sagte der Bayern-Coach.
Kompany erhielt für seine klaren Worte viel Zuspruch. Seine Botschaft war eindeutig: Gerade Führungspersönlichkeiten im Fußball müssten in solchen Momenten Haltung zeigen – und dürften Opfer nicht indirekt mitverantwortlich machen.
Mourinho blockt ab
Nach dem 3:0-Ligasieg von Benfica gegen AVS aus Vila das Aves hatte Mourinho am Samstagabend Gelegenheit zur Stellungnahme. Doch der Portugiese wich aus. Auf die Frage, ob die Kritik berechtigt sei, antwortete er knapp: „Ich möchte das nicht kommentieren.“ Benficas Pressesprecher verwies zusätzlich auf die laufenden UEFA-Ermittlungen.
Ganz ohne Wortmeldung blieb Mourinho dennoch nicht. „Ich wiederhole, dass es für alle schwierig war, aber ich werde jetzt nicht näher darauf eingehen, inwiefern es schwierig war. Es war für alle schwierig“, sagte er laut der portugiesischen Sportzeitung Record. Eine direkte Reaktion auf Kompanys Vorwurf eines „großen Führungsfehlers“ oder ein Eingeständnis blieb aus.
Damit steht Mourinho weiterhin unter Druck. Während die UEFA ermittelt, ist die moralische Debatte längst entbrannt – und Vincent Kompany hat sie mit klarer Haltung entscheidend geprägt.
