Bayern-Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge hat FIFA-Boss Gianni Infantino demonstrativ den Rücken gestärkt und lobt dessen „Fußball-Herz“ trotz der anhaltenden Kommerzialisierung der Fußball-Weltmeisterschaft.
Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird neue Maßstäbe setzen – sportlich wie wirtschaftlich. Mit rund drei Milliarden US-Dollar an Ticket-Einnahmen rechnet die FIFA für das erstmals mit 48 Mannschaften ausgetragene Turnier. Im Vergleich zur WM 2022 in Katar entspräche das einer Steigerung von annähernd 200 Prozent. Kritiker werfen FIFA-Präsident Gianni Infantino seit Jahren vor, vor allem die Einnahmenseite im Blick zu haben. Karl-Heinz Rummenigge widerspricht dieser Darstellung deutlich.
Im Interview mit der FIFA äußerte sich der Aufsichtsrat des FC Bayern wohlwollend über den Schweizer, der am Donnerstag sein zehnjähriges Amtsjubiläum feiert. „Ich glaube erst mal: Er hat ein Fußball-Herz! Das ist ja schon mal nicht bei jedem Fußball-Funktionär vorhanden – habe ich festgestellt aus eigener Erfahrung“, sagte Rummenigge. Infantino interessiere nicht nur das, „was ihm immer vorgeworfen wird: die Einnahmenseite. Sondern ihn interessiert Fußball wirklich.“
Gemeinsame Geschichte – auch mit Reibung

Rummenigge kennt Infantino seit mehr als zwei Jahrzehnten. Als dieser noch UEFA-Generalsekretär war, stand der frühere Weltklasse-Stürmer an der Spitze der European Club Association. In dieser Zeit kam es durchaus zu Meinungsverschiedenheiten. „Auch wenn er mal sauer auf mich war oder ich sauer war auf ihn: Wir haben am Ende immer zu einer fairen, seriösen Lösung gefunden“, betonte der 70-Jährige.
Eine besondere Verbindung besteht auch über Inter Mailand. Infantino ist bekennender Fan des italienischen Traditionsklubs, für den Rummenigge zwischen 1984 und 1987 spielte. „Wir hatten nur einmal Stress – Inter gegen Bayern“, erinnerte sich Rummenigge mit einem Augenzwinkern an das Champions-League-Finale 2010, das die Nerazzurri mit 2:0 gewannen.
Zehn Jahre im Amt
Infantino war am 26. Februar 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt worden. Er trat die Nachfolge von Sepp Blatter an, der im Zuge der Korruptionsskandale im Weltverband zurückgetreten war. Seitdem hat Infantino den Weltfußball wirtschaftlich weiter globalisiert und das Turnierformat der Weltmeisterschaft grundlegend reformiert.
Für Rummenigge steht dabei nicht nur das Finanzielle im Vordergrund. Seine Einschätzung fällt klar aus: Infantino sei kein reiner Zahlenmensch, sondern jemand, der den Fußball im Herzen trage. Gerade in Zeiten wachsender Kommerzialisierung ist das ein bemerkenswertes öffentliches Bekenntnis eines der einflussreichsten Funktionäre im deutschen Fußball.
