Wegen Posten im Bayern-Aufsichtsrat: Reiter gerät unter Druck

Sebastian Mittag

Dieter Reiter übernimmt beim FC Bayern eine einflussreiche Rolle – und sieht sich nun mit kritischen Nachfragen konfrontiert.

Seit Montag ist Münchens Oberbürgermeister Vorsitzender des Verwaltungsbeirats beim FC Bayern und damit automatisch Mitglied des mächtigen Aufsichtsrates. Als Nachfolger von Edmund Stoiber hat der 67-Jährige künftig ein gewichtiges Wort bei zentralen Entscheidungen des Klubs mitzureden.

Reiter selbst betont, dass er die Funktion als Privatperson ausübe und keine Vermischung mit seinem Amt als Oberbürgermeister sehe. Doch genau daran zweifelt die ÖDP. Die Partei veröffentlichte am Mittwoch einen offiziellen Stadtrats-Antrag mit einem umfangreichen Fragenkatalog.

Die ÖDP will unter anderem wissen, von welchem Klubvertreter Reiter kontaktiert wurde, wie viel Zeit seine Aufgaben beim FC Bayern in Anspruch nehmen, wie hoch die Aufwandsentschädigung ausfällt und ob er für Sitzungen seinen Dienstwagen nutzt. Insgesamt umfasst der Katalog zwölf Fragen.

In dem Antrag heißt es: „Der FC Bayern ist ein milliardenschweres Wirtschaftsunternehmen mit erheblichem Einfluss, engen Berührungspunkten zur Stadt und regelmäßigem Kontakt zu Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Wenn der FCB schnippt, fahren trotz Streik sogar U-Bahnen.“ Weiter heißt es: „Wenn ausgerechnet der amtierende Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München dort eine Spitzenfunktion übernimmt, kann nicht ernsthaft so getan werden, als geschehe dies losgelöst von seinem Amt.“

Vorwurf mangelnder Transparenz

Die Partei betont: „Es gehe dabei ‚nicht um Fußballbegeisterung, sondern um politische Integrität. Wenn wirtschaftlich bedeutende Akteure und das höchste kommunale Amt personell so eng verknüpft sind, ist Transparenz oberste Pflicht.“

Auch Tobias Ruff, Fraktionsvorsitzender und OB-Kandidat der ÖDP bei den kommenden Kommunalwahlen, äußerte sich kritisch: „Wenn der Oberbürgermeister einer Millionenstadt eine Spitzenfunktion bei einem wirtschaftlich mächtigen Akteur vor Ort übernimmt, dann ist das kein privates Hobby. Es geht nicht um Fußball und Fanherz. Es geht um politische Integrität und um die Glaubwürdigkeit unseres Rathauses.“

Dieter Reiter
Foto: IMAGO

Und weiter: „Für städtische Mitarbeiter gelten strenge Regeln. Diese müssen doch bitte schön erst recht für den Oberbürgermeister gelten. Transparenz ist keine Kür, sondern Pflicht. Die Münchnerinnen und Münchner haben ein Recht darauf zu erfahren, wie eng Amt und wirtschaftliche Interessen hier tatsächlich miteinander verknüpft sind.“

Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch die Diskussion um das Grünwalder Stadion. Reiter hatte mehrfach erklärt, er wolle die Spielstätte in Erbpacht an den TSV 1860 übergeben und von den Löwen sanieren lassen. Problematisch: Der Zweitligist lehnt es ab, die zweite Mannschaft des FC Bayern als Mieter zu behalten.

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