Erkenntnisse: Kompanys Rotation ist eine Chance für den ganzen FC Bayern

Sebastian Mittag
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Der FC Bayern siegt am 25. Bundesliga-Spieltag deutlich gegen Borussia Mönchengladbach. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.


Die Bayern hatten keine Probleme mit Gladbach und siegten mit 4:1. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse.

1. Kompany rotiert meisterhaft

Die Meisterschaft ist den Bayern nicht mehr zu nehmen, jetzt stehen die entscheidenden Duelle in der Champions League und im DFB-Pokal an. Deshalb ist Trainer Vincent Kompany gut beraten, den Spielern seiner ersten Elf immer wieder Pausen zu gönnen und so auch den Wettbewerb im ganzen Kader lebendig zu halten. Aktuell bewältigt Kompany diese Aufgabe meisterhaft.

Gegen Gladbach veränderte der 39-Jährige seine Startelf im Vergleich zum Sieg in Dortmund gleich auf sieben Positionen. Und die Rechnung ging auf: Die Spieler, die neu reinkamen, enttäuschten Kompany, die Mannschaft und die Fans nicht. Minjae Kim machte in der Innenverteidigung ein gutes Spiel, Tom Bischof ließ als Linksverteidiger nichts anbrennen. Im zentralen Mittelfeld kam Leon Goretzka für Aleksandar Pavlovic und trumpfte auf. Den Treffer zum 1:0 von Luis Diaz bereitete der deutsche Nationalspieler traumhaft vor. Jamal Musiala brauchte etwas Anlaufzeit, verwandelte dann aber cool den Elfmeter zum 3:0. Lennart Karl überzeugte nach zwei Spielen auf der Bank gegen die Gladbacher auf der rechten Offensivseite.

Vor dem Spiel war die Frage, wer den angeschlagenen Harry Kane ersetzen könnte. Viele hatten mit Serge Gnabry in der Sturmspitze gerechnet, doch Kompany schenkte Nicolas Jackson das Vertrauen. Der Senegalese zahlte es zurück: Den Elfmeter von Musiala holte er raus, das 4:0 schoss er selbst und das 2:0 durch Laimer leitete er bei einem Konter ein.

Nach dem Spiel wurde Kompany sogar mit einem alten Meister verglichen. Sportvorstand Max Eberl sieht Parallelen zu Ottmar Hitzfeld, der die Bayern mit geschickter Rotation im Jahr 2001 am Ende auch zum Champions-League-Triumph coachte. Für die Bayern von heute steht am Dienstag erst einmal das Hinspiel im Achtelfinale der Königsklasse bei Atalanta Bergamo. Dann wohl mit einigen erholten Stammspielern – dank Kompanys kluger Rotation.

2. Eine Chance für den ganzen FC Bayern

Die Rotation des Belgiers hat nicht nur kurzfristig positive Effekte. Sie ist sogar eine Chance für den gesamten FC Bayern.

Beim Rekordmeister hat man einen neuen Jugendstil als Antwort auf den Transfer- und Beraterwahnsinn der letzten Jahre ausgemacht. Für Talente aus dem eigenen Campus soll mehr Durchlässigkeit bis in die Profimannschaft geschaffen werden.

Bei Pavlovic und Karl hat man gesehen, dass das funktionieren kann. Die Youngster brauchen aber Spielpraxis auf hohem Niveau und müssen auch mal die Luft auf der ganz großen Bühne schnuppern.

So wie Maycon Cardozo gegen Gladbach. Dass der 17-Jährige, der diese Woche gerade einen neuen Bayern-Vertrag unterschrieben hatte, gegen die Borussia überhaupt schon im Kader stand, war eine große Überraschung. Dass der Brasilianer, der in Thailand aufwuchs, bereits in der 61. Minute von Kompany eingewechselt wurde, war eine echte Sensation. Für Cardozo muss sich sein Einsatz in der ausverkauften Allianz Arena wie ein Märchen vorgekommen sein.

Solche Geschichten sind nur möglich, wenn sich ein Bayern-Trainer traut, junge Talente auch mal ins kalte Wasser zu werfen. Und natürlich, wenn die Lage in der Liga es ermöglicht. Beide Voraussetzungen sind aktuell gegeben und die Bayern können so auf neue Top-Talente hoffen.

Gegen Ende des Spiels wurde auch der 19-jährige David Santos Daiber eingewechselt. Noch so ein Talent, auf das man große Stücke hält in München.

Kompanys Rotation könnte in der näheren Zukunft noch mehr solcher Geschichten hervorbringen.

3. Fragezeichen hinter Neuer

Ein Wermutstropfen war gegen Gladbach die Situation um Manuel Neuer. Der Torwart war in der ersten Halbzeit gegen die harmlosen Borussen beschäftigungslos und wurde dann in der Pause überraschend ausgewechselt. Für ihn kam Jonas Urbig.

Neuer fiel zuletzt wegen Problemen in der Wade aus. Jetzt hat es wohl wieder gezwickt. Kompany erklärte nach dem Spiel dazu: „Er hat ein bisschen was gespürt an der Wade. Das ist natürlich sehr kurzfristig bis zum nächsten Spiel“. Ob Neuer am Dienstag in Bergamo spielen kann, ist damit höchst fraglich.

Manuel Neuer
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„Ich kann es nicht sagen. Ich habe kein frisches Update. Vielleicht ist es auch nur eine Verhärtung“, sagte Eberl, gefragt nach der Schwere von Neuers Verletzung.

Für die Bayern wäre es bitter, wenn sie im Duell mit Atalanta auf ihren Stammkeeper und Kapitän verzichten müssten. Auf Vertreter Urbig war allerdings meist Verlass, der Youngster hat das Vertrauen des Trainers und der Verantwortlichen.Wegen Neuers Problemen ist es gut möglich, dass Kompany im Tor dieses Mal ungewollt rotieren muss.

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