Nebenjob beim FC Bayern: OB Reiter droht Disziplinarverfahren

Felix Flechsig
Foto: IMAGO

Die Mitgliedschaft von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter im Umfeld des FC Bayern sorgt derzeit für politischen Wirbel. Dem SPD-Politiker droht sogar ein Disziplinarverfahren, nachdem seine Nebeneinkünfte aus einer Tätigkeit beim Rekordmeister öffentlich wurden.


Auslöser der Debatte ist ein Bericht der Partei „Die Linke“, die kürzlich aufdeckte, dass Reiter bereits seit mehreren Jahren eine Funktion beim FC Bayern innehat. Der Oberbürgermeister bestätigte am Donnerstag schließlich, dass er seit 2021 jährlich rund 20.000 Euro für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat des Vereins erhält.

Mit dieser Funktion ist laut Satzung des FC Bayern auch ein Sitz im Aufsichtsrat verbunden.

Nebentätigkeit hätte genehmigt werden müssen

Das Problem: Reiter hätte sich diese Nebentätigkeit offiziell genehmigen lassen müssen.

Bis 2025 galt sogar eine besonders strenge Regelung. Demnach mussten sämtliche Nebeneinnahmen – unabhängig von der Höhe – gemeldet und genehmigt werden. Seit einer Änderung greift diese Pflicht erst ab einer jährlichen Grenze von rund 10.000 Euro. Da Reiters Vergütung aus dem Bayern-Amt mit rund 20.000 Euro deutlich darüber liegt, hätte der Stadtrat informiert und eine Genehmigung eingeholt werden müssen.

Reiter selbst erklärte, ihm sei diese Genehmigungspflicht nicht bewusst gewesen. Gleichzeitig betonte er, dass er nicht davon ausgehe, dass der Stadtrat eine solche Tätigkeit untersagt hätte.

Neue Vorwürfe verschärfen die Situation

Die Affäre bekam jedoch eine neue Dynamik, nachdem weitere Details bekannt wurden.

Wie die Münchner Abendzeitung berichtet, existiert ein Schreiben von Reiter aus dem Februar dieses Jahres, in dem er seine Referenten auffordert, Nebeneinkünfte zu melden – allerdings nur dann, wenn sie über einer bestimmten Grenze liegen.

In dem Brief nennt er ausdrücklich den Betrag von 10.387,74 Euro pro Jahr. Das Schreiben wurde am 3. Februar datiert und von Reiter persönlich unterzeichnet.

Kritiker werfen ihm deshalb vor, dass er sehr wohl über die entsprechenden Regelungen informiert gewesen sein könnte.

Disziplinarverfahren wird geprüft

Die Partei Die Linke hat inzwischen offiziell Beschwerde bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Diese fungiert als Aufsichtsbehörde über das Münchner Rathaus.

Die Behörde prüft nun, ob ein Disziplinarverfahren gegen den Oberbürgermeister eingeleitet wird. Als mögliche Konsequenzen gelten laut Staatsrechtler Thomas Spitzlei etwa eine Geldbuße oder eine zeitweise Kürzung der Dienstbezüge.

Reiter selbst bemüht sich inzwischen um Schadensbegrenzung. In einer Stellungnahme erklärte er, er wolle vollständig zur Aufklärung beitragen. „Ich werde von meiner Seite alles dafür Notwendige tun, damit alle Fragen des Stadtrats und der Regierung von Oberbayern beantwortet und rechtlich bewertet werden können“, betonte der SPD-Politiker.

Bis zur Klärung der Vorwürfe will sich Reiter zudem aus allen Entscheidungen und Sitzungen im Zusammenhang mit seinen Funktionen beim FC Bayern heraushalten.

Die Affäre dürfte damit sowohl in der Münchner Stadtpolitik als auch rund um den FC Bayern noch für einige Diskussionen sorgen.

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