Der FC Bayern hat mit dem 6:1-Auswärtssieg bei Atalanta Bergamo einen großen Schritt Richtung Champions-League-Viertelfinale gemacht. Dennoch sorgt eine Szene aus der Schlussphase der Partie nun für Diskussionen: Joshua Kimmich und Michael Olise kassierten innerhalb weniger Minuten jeweils ihre dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb – und könnten dem Rekordmeister womöglich länger fehlen als nur im Rückspiel.
Beide Spieler werden das Achtelfinal-Rückspiel in München automatisch gesperrt verpassen. Doch es steht die Frage im Raum, ob die Verwarnungen möglicherweise bewusst provoziert wurden.
Die beiden Szenen ereigneten sich in der Schlussphase der Partie. Beim Stand von 6:0 ließ sich Michael Olise in der 77. Minute auffällig viel Zeit bei der Ausführung eines Eckballs und wurde dafür verwarnt.
Wenige Minuten später traf es auch Joshua Kimmich. Der Bayern-Mittelfeldspieler verzögerte die Ausführung eines Freistoßes so lange, bis Schiedsrichter Espen Eskås ebenfalls Gelb zeigte.
Da beide Spieler zuvor bereits zwei Verwarnungen gesammelt hatten, sind sie damit automatisch für das Rückspiel gesperrt.
Auf den ersten Blick könnte diese Situation sogar strategisch sinnvoll erscheinen. Schließlich wären Kimmich und Olise damit im möglichen Viertelfinale wieder ohne Gelbbelastung spielberechtigt.
Kimmich weist Absicht zurück

Kimmich selbst widersprach jedoch der Darstellung, dass die Verwarnung bewusst provoziert worden sei. Im Interview mit Prime Video erklärte der 31-Jährige seine Sicht der Situation. „An sich war es unnötig. Ich habe nach einer passenden Anspielstation gesucht. Man will da nicht ins Pressing hineinspielen“, sagte Kimmich.
Der Mittelfeldspieler schilderte, dass er die Situation im Spiel lediglich lösen wollte. „Der Gegner hat den Tom ein bisschen freigelassen. Ich hatte das Gefühl, sie lassen ihn nur frei, um dann zu pressen. Ich wollte dann gerade den Ball rausspielen, das war dann zu spät – ärgerlich.“
Ob die UEFA den Vorfall genauer untersucht, ist derzeit noch offen. Auf Anfrage der Deutschen Presseagentur wollte der europäische Fußballverband weder bestätigen noch dementieren, ob ein Verfahren eingeleitet wurde. „Sobald Vorfälle gemeldet werden, wird ein Verfahren eingeleitet. Sollten diese zu Disziplinarmaßnahmen führen, werden diese auf der Disziplinar-Website der UEFA veröffentlicht“, erklärte die UEFA.
Der Hintergrund: Laut Artikel 15 der UEFA-Disziplinarordnung kann ein Spieler zusätzlich bestraft werden, wenn er sich „offensichtlich absichtlich“ eine Gelbe oder Rote Karte einhandelt.
Ramos-Fall dient als Beispiel
Ein ähnlicher Fall sorgte bereits 2019 für Schlagzeilen. Damals hatte sich Sergio Ramos im Champions-League-Achtelfinale zwischen Real Madrid und Ajax Amsterdam bewusst eine Gelbe Karte eingehandelt.
Der Unterschied zu Kimmich und Olise ist allerdings: Der Spanier gab später selbst zu, die Verwarnung in Kauf genommen zu haben, um im Viertelfinale ohne Gelbbelastung spielen zu können. Die UEFA reagierte darauf mit einer zusätzlichen Strafe.
Neben der ohnehin fälligen Sperre für das Rückspiel musste Ramos auch die darauffolgende Champions-League-Partie aussetzen.
Sollte die UEFA bei Kimmich und Olise zu einer ähnlichen Einschätzung kommen, könnte auch dem Bayern-Duo eine zusätzliche Sperre von zwei Spielen drohen.
Noch ist jedoch unklar, ob der europäische Verband den Vorfall tatsächlich genauer untersuchen wird. Für den FC Bayern bleibt daher vorerst abzuwarten, ob die beiden Leistungsträger tatsächlich nur das Rückspiel gegen Atalanta verpassen – oder möglicherweise noch länger fehlen.

