Drei Erkenntnisse nach Bergamo: Bayern hat wieder einen Robben

Sebastian Mittag
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Der FC Bayern feiert im Achtelfinal-Hinspiel einen Kantersieg bei Atalanta Bergamo. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.


Die Bayern nahmen die Italiener beim 6:1 auseinander. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:

1. Es läuft sogar ohne Kane

Vor dem Spiel war die große Frage: Kann der angeschlagene Harry Kane wieder von Beginn an ran? Bayern-Trainer Vincent Kompany entschied sich gegen einen Startelfeinsatz des Top-Torjägers und brachte stattdessen Nicolas Jackson in der Sturmspitze.

Die Offensive der Bayern war auch ohne Kane von Atalanta nicht zu stoppen – die Münchner zerlegten die Italiener gnadenlos.

Das lag auch daran, dass Bergamos Trainer sich überraschend für eine taktische Umstellung entschied, die brutalstmöglich in die Hose ging. Statt wie sonst mit einer Dreierkette ließ Atalanta-Trainer Raffaele Palladino gegen die Bayern mit Viererkette und Mann-gegen-Mann verteidigen. Mit ständigen Positionswechseln verwirrten die FCB-Stars die italienische Defensive aber komplett.

Jackson wich öfter auf den Flügel aus, Olise, Gnabry und Diaz – sowie auch die Bayern-Spieler dahinter – rotierten ständig in ihren Positionen, was tiefe Löcher riss in der Hintermannschaft Bergamos.

Kane-Vertreter Jackson hatte zu Beginn nicht allzu viele Ballkontakte, verbuchte aber am Ende ein Tor und einen Assist. Kane lief sich in der zweiten Hälfte zwar warm, doch seine Kollegen trafen immer weiter. Kompany brauchte seinen Superstar also gar nicht mehr zu bringen und schonte ihn lieber weiter.

Wie seine Mannschaft auch ohne ihren Superstar zauberte, war beeindruckend. Was nicht nur an der unglaublichen fußballerischen Qualität der anderen Offensiv-Künstler liegt, sondern auch an der hervorragenden taktischen Einstellung durch Kompany.

2. Bayern hat wieder einen Robben

„Bayern hat wieder einen neuen König“: Mit diesem Slogan auf einem riesigen Werbeplakat in München hieß Sportartikel-Hersteller Nike im Sommer 2007 Bayerns neuen Superstar Franck Ribery willkommen.

Tatsächlich prägte Ribery danach eine Ära beim FC Bayern – zusammen mit seinem kongenialen Partner Arjen Robben. Seit die beiden in Fußball-Rente gingen, suchte man in München jahrelang nach einem neuen Ribery und einem neuen Robben.

Spätestens nach dem Auftritt von Michael Olise in Bergamo kann festgehalten werden: Bayern hat wieder einen Robben.

Das sahen nicht nur die mitgereisten Bayern-Fans in der Gästekurve so. Olise hatte zwei Tore genau im Stile des Niederländers geschossen: Von rechts auf Höhe der Strafraumlinie nach innen ziehen und dann mit links den Ball ins Netz jagen. Darauf sangen die FCB-Anhänger das Lied, das Robben nach dem Final-Triumph und seinem Siegtor im Champions-League-Finale 2013 gegen Borussia Dortmund gewidmet wurde: „Ich hab‘ geträumt von dir, von uns’rer Wembley-Nacht. Wir ham‘ den Cup gewonnen, den Thron erklommen, der Arjen hat’s gemacht!“ 

Auch dank des neuen Robbens Michael Olise können die Fans des deutschen Rekordmeisters jetzt vom Finale in Budapest träumen.

Was der französische Nationalspieler in Bergamo zeigte, war weltklasse: Nicht nur die zwei Traumtore. Dazu kam noch ein Assist und die ständige Gefahr, die von Olise ausgeht. Schon seit seiner Ankunft in München im Sommer 2024 hat er die Mannschaft auf ein neues Niveau gehoben.

Genauso war das auch 15 Jahre zuvor, als Arjen Robben von Real Madrid zum FC Bayern wechselte. Und in den Jahren danach so auftrumpfte, dass sogar ein Lied für ihn geschrieben wurde. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis in der Bayern-Kurve ein eigener Song für Michael Olise erklingt. 

3. Kimmich und Olise geschickt gesperrt

Olise holte sich mit einem Zeitspiel in der Schlussphase auch seine Gelbe Karte ab, die dafür sorgte, dass er im Rückspiel gegen Bergamo seine Sperre absitzen kann. Damit kann er dann unbelastet in das Viertelfinale gehen, das die Bayern durch den klaren Hinspiel-Sieg schon so gut wie erreicht haben. 

Joshua Kimmich war in derselben Situation wie Olise und holte sich ebenfalls bei einem Zeitspiel seine Verwarnung ab.

Der Bayern-Leader sorgte nach dem Spiel dann auch dafür, dass keiner ihm nachsagen kann, er habe sich die Karte absichtlich abgeholt. Dafür wurde nämlich einst Sergio Ramos nochmal für ein Spiel extra gesperrt. Der damalige Real-Star hatte es im Jahre 2019 in der Champions League gegen Ajax Amsterdam ähnlich gemacht wie Olise und Kimmich, hatte danach aber zugegeben: „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte sie nicht provoziert.“

Joshua Kimmich, Michael Olise
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Kimmich gab im Gegenteil dazu sehr, sehr glaubwürdig das Unschuldslamm. Mit komplett ernster Miene erklärte er: „An sich war es unnötig. Ich habe nach Anspielstationen gesucht, man will da aber nicht ins Pressing reinspielen.“ Kimmichs Fazit: „Ärgerlich, jetzt bin ich gesperrt.“

Der Ärger wird dann wohl doch schnell verflogen sein, die Schlüsselspieler Olise und Kimmich haben sich geschickt ihre Sperre abgeholt und sind dann wieder dabei, wenn es für die Bayern im Viertelfinale gegen Real Madrid oder Manchester City geht.

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