Selbstkritische Töne: Dreesen räumt Fehlentscheidungen beim FC Bayern ein

Vjekoslav Keskic
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Jan-Christian Dreesen hat sich im OMR-Podcast ungewöhnlich selbstkritisch gezeigt. Der Vorstandschef des FC Bayern sprach offen über Fehlentscheidungen in seiner Amtszeit – insbesondere im Transfergeschäft – und räumte ein, dass der Klub auch strategische Chancen ungenutzt gelassen hat.


Der 58-Jährige ist seit vielen Jahren Teil der Führungsetage des deutschen Rekordmeisters und gilt als einer der wichtigsten Architekten der wirtschaftlichen Stabilität des Klubs. Doch auch beim FC Bayern läuft nicht immer alles perfekt – das machte Dreesen im Gespräch deutlich.

Vor allem im Bereich der Spielertransfers sieht Dreesen rückblickend Entscheidungen, die sich als falsch herausgestellt haben. Dabei betonte er jedoch, dass Transfers beim FC Bayern grundsätzlich gemeinschaftlich entschieden werden. „Bei Transfers haben wir ein paar Sachen gemacht. Das ist immer schwierig, wenn du dann über die Namen redest“, erklärte Dreesen im Podcast. Der Bayern-Boss wollte zwar keine konkreten Spieler nennen, machte aber deutlich, dass nicht jede Verpflichtung funktioniert habe. „Das sind dann echte Fehler gewesen“, räumte er offen ein.

Gleichzeitig stellte der Vorstandschef klar, dass solche Entscheidungen nie von einer einzelnen Person getroffen würden. Transfers würden im Klub gemeinsam abgestimmt – sowohl im Vorstand als auch mit dem Aufsichtsrat. Deshalb müsse man auch Verantwortung gemeinsam tragen. „Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen“, betonte Dreesen.

Gerade im modernen Transfergeschäft, in dem häufig dreistellige Millionenbeträge im Umlauf sind, kann eine Fehlentscheidung schnell enorme Folgen haben – sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Funktioniert ein Spieler nicht, leidet nicht nur der Kader, sondern auch die finanzielle Planung des Klubs.

Verpasste Chance bei der internationalen Vermarktung?

Jan-Christian Dreesen
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Neben sportlichen Entscheidungen sieht Dreesen auch strategische Möglichkeiten, die der FC Bayern bislang nicht genutzt hat. Besonders ein Punkt beschäftigt ihn rückblickend: die internationale Medienvermarktung.

Der Klub habe mehrfach darüber nachgedacht, seine TV-Rechte in einzelnen Auslandsmärkten selbst zu vermarkten, anstatt sich ausschließlich auf die zentrale Vermarktung der Bundesliga zu verlassen. „Ob es richtig war, dass wir das nicht mal ausprobiert haben – das frage ich mich manchmal“, erklärte Dreesen.

Der FC Bayern habe entsprechende Modelle immer wieder geprüft, sich am Ende aber dagegen entschieden. Aus heutiger Sicht sieht der Vorstandschef darin zumindest eine verpasste Gelegenheit. „Diesen Proof of Concept – funktioniert es oder nicht –, den haben wir nie gemacht“, so Dreesen.

Ein solcher Test hätte zeigen können, ob sich der FC Bayern in einzelnen Märkten noch stärker unabhängig von der zentralen Vermarktung positionieren kann.

Bayern denkt langfristig über neue Geschäftsmodelle nach

Trotz dieser verpassten Chance betonte Dreesen, dass der FC Bayern weiterhin intensiv an seiner internationalen Strategie arbeite. Der Klub versuche zunehmend, eine direkte Beziehung zu seinen Fans weltweit aufzubauen – etwa über eigene digitale Plattformen, Apps oder Newsletter.

Langfristig könnte genau dieser direkte Zugang zu Fans eine wichtige Rolle spielen, um zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Klubs aus der Premier League zu sichern.

Dreesens Fazit fällt deshalb trotz selbstkritischer Töne positiv aus: Fehler gehörten im Spitzenfußball dazu. Entscheidend sei, aus ihnen zu lernen und den Klub kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Oder wie der Bayern-Boss es selbst formuliert: Fehler passieren – wichtig ist nur, dass man sie gemeinsam trägt und daraus die richtigen Schlüsse zieht.

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