Der Transfer von Harry Kane im Sommer 2023 war einer der spektakulärsten Deals der jüngeren Bayern-Geschichte. Im OMR-Podcast hat Vorstandschef Jan-Christian Dreesen nun seltene Einblicke in die Abläufe hinter solchen Mega-Transfers gegeben – und erklärt, warum Spielertransfers für den Klub das größte wirtschaftliche Risiko darstellen.
Der Kapitän der englischen Nationalmannschaft wechselte damals für eine Ablöse von knapp 100 Millionen Euro von Tottenham Hotspur nach München. Für den FC Bayern war es einer der teuersten Transfers der Vereinsgeschichte – entsprechend komplex gestalteten sich die Verhandlungen.
Dreesen machte im Podcast deutlich, dass Transfers nicht nur sportliche Entscheidungen sind, sondern auch enorme wirtschaftliche Risiken bergen. „Unser Transfergeschäft ist sicherlich das größte Risiko, das wir im Klub beherrschen müssen“, erklärte der Bayern-Boss.
Der Grund liegt auf der Hand: Wenn ein Spieler für hohe Summen verpflichtet wird und sportlich nicht funktioniert, kann der Schaden schnell enorm werden – sowohl finanziell als auch sportlich. „Wenn ein Transfer nicht funktioniert, vernichtet man damit definitiv Geld. Aber mindestens genauso vernichtet man auch sportliche Exzellenz“, so Dreesen.
Denn mehrere Fehlentscheidungen auf dem Transfermarkt können sich langfristig auch direkt auf den sportlichen Erfolg auswirken.
Der Kane-Transfer war ein Marathon

Besonders eindrucksvoll schilderte Dreesen die Verhandlungen mit Tottenham-Boss Daniel Levy beim Kane-Transfer. Der Präsident der Spurs gilt seit Jahren als einer der härtesten Verhandler im internationalen Fußball. „Wir haben Dutzende Telefonate geführt“, erinnerte sich Dreesen.
Einige Gespräche fanden sogar spät in der Nacht statt, weil Levy sich während der Verhandlungen zeitweise in den USA aufhielt. Zusätzlich flog Dreesen mehrfach nach London, um persönlich mit Tottenham zu verhandeln. „Wir wollten ja etwas von ihm. Also ist es üblich, dass derjenige, der etwas möchte, auch zu dem anderen hinfährt“, erklärte der Bayern-Vorstand.
Trotz intensiver Gespräche blieb Levy lange hart – schließlich wollte Tottenham seinen Superstar ursprünglich gar nicht verkaufen. Am Ende spielte vor allem eine Partei eine entscheidende Rolle: Harry Kane selbst.
Kane wollte unbedingt zum FC Bayern
Der englische Nationalspieler wollte unbedingt zum FC Bayern wechseln, um eine neue sportliche Herausforderung anzunehmen. Auch seine Berater – in Kanes Fall sein Vater und sein Bruder – unterstützten den Wechsel aktiv. „Nur wenn der Spieler und seine Berater mithelfen, hast du überhaupt eine Chance, so einen Transfer zu realisieren“, erklärte Dreesen.
Gerade bei Topspielern sei ein Transfer immer ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Parteien. „Ein Transfer funktioniert nur, wenn drei Seiten zusammenarbeiten“, so Dreesen. Der abgebende Klub, der kaufende Klub und die Spielerseite müssen am Ende alle zustimmen. „Am Ende ist ein Transfer immer ein Drei-Parteien-Geschäft“, so der Bayern-Boss.
Beim Kane-Deal passten schließlich alle Faktoren zusammen – auch wenn der Weg dorthin deutlich länger und komplizierter war als bei vielen anderen Transfers.
Rückblickend hat sich das Risiko für den FC Bayern gelohnt. Kane entwickelte sich sofort zum zentralen Offensivspieler der Münchner – und bestätigte damit die enorme Investition.

