Künstliche Intelligenz verändert immer mehr Branchen – auch den Profifußball. Im OMR-Podcast hat Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen erklärt, welche Rolle KI bereits heute beim deutschen Rekordmeister spielt und in welchen Bereichen sie künftig noch wichtiger werden könnte.
Dabei machte der 58-Jährige deutlich: Der FC Bayern nutzt bereits heute datenbasierte Analysen, sieht KI aber vor allem als Unterstützung und nicht als Ersatz für menschliche Entscheidungen.
Besonders im Bereich der Spieleranalyse und des Scoutings hat künstliche Intelligenz laut Dreesen bereits Einzug gehalten. Moderne Datenmodelle ermöglichen es mittlerweile, riesige Mengen an Spielerdaten auszuwerten.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Statistiken wie Tore, Vorlagen oder Einsatzminuten. „Heute gibt es Modelle, bei denen Millionen Datenpunkte analysiert werden“, erklärte Dreesen.
So können Analysten beispielsweise berechnen, wie gut ein Spieler zu einer bestimmten Mannschaft passt. Dabei wird nicht nur die individuelle Qualität bewertet, sondern auch, wie ein Spieler mit anderen Spielertypen innerhalb eines Teams harmoniert.
„Es wird berechnet, ob Spieler A besser mit Spieler C und D funktioniert oder eben nicht“, so der Bayern-Boss. Solche Analysen wären ohne moderne Datenverarbeitung und KI kaum möglich.
Menschliche Entscheidungen bleiben wichtig
Trotz aller technologischen Fortschritte betonte Dreesen jedoch, dass künstliche Intelligenz nicht über Transfers entscheidet. Auch wenn datenbasierte Modelle immer wichtiger werden, bleibt das klassische Scouting ein zentraler Bestandteil der Entscheidungsprozesse beim FC Bayern. „Natürlich ersetzt das nicht, dass man sich einen Spieler auch selbst anschaut“, erklärte Dreesen.
Die Münchner setzen deshalb auf eine Kombination aus Datenanalyse und persönlicher Beobachtung. Dieses hybride Modell soll sicherstellen, dass sportliche Entscheidungen nicht ausschließlich auf Algorithmen basieren.
Neben dem Scouting sieht Dreesen auch in anderen Bereichen des Klubs großes Potenzial für den Einsatz von KI. Vor allem bei organisatorischen und administrativen Aufgaben könnten Prozesse künftig stärker automatisiert werden.
Ein Beispiel sind Übersetzungen oder Content-Produktion. Der FC Bayern veröffentlicht täglich eine enorme Menge an Inhalten für seine internationalen Fans. „Wir produzieren jeden Tag rund 250 Inhalte in 13 Sprachen“, erklärte Dreesen.
Viele dieser Übersetzungen werden bereits heute teilweise automatisiert erstellt – und künftig dürfte dieser Anteil weiter steigen.
Auch Standardtexte in Verträgen oder im Sponsoring könnten laut Dreesen zunehmend von KI-Systemen erstellt werden. Für den Bayern-Vorstandschef ist deshalb klar: Die Entwicklung hat gerade erst begonnen.
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz werde den Profifußball in den kommenden Jahren deutlich verändern – sowohl auf als auch neben dem Platz. „Wir sind da erst am Anfang“, betonte Dreesen.

