Der FC Bayern setzt sich zuhause deutlich gegen Union Berlin durch. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Die Bayern ließen den Gästen beim 4:1-Sieg keine Chance. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Darum kann Gnabry noch eine wichtige Rolle für Bayern spielen
Serge Gnabry überzeugte gegen Union auf ganzer Linie: Der Nationalspieler schnürte einen Doppelpack, war für die Berliner Abwehr nie greifbar, gewann seine Zweikämpfe, brachte seine Pässe an den Mann und verdiente sich mit seinem Auftritt die FCBinside-Note 1. Die Nummer 7 des FC Bayern wurde zudem zum Man of the Match gewählt.
Nachher gab es viel Lob für Gnabry. Sein Kollege und Freund Joshua Kimmich schwärmte: „Serge ist Wahnsinn – überragend! Zum Glück haben wir den verlängert.“
Die Bayern-Bosse gaben dem 30-Jährigen im Februar einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag, für den Gnabry mit einer starken Saison bis dahin viele Argumente lieferte. Trotzdem wird Gnabry bei den Fans und in den Medien immer wieder kritisch gesehen.
Das griff Trainer Vincent Kompany in seinem Lob für den Offensiv-Star auf. Die Frage, ob er über Gnabrys Leistung gegen Union überrascht sei, beantwortete der Coach so: „Es überrascht mich überhaupt nicht, aber es freut mich immer. Serge ist vielleicht von all unseren Jungs derjenige, dessen Talent am meisten unterschätzt wird. Weil er manchmal verletzt ist und ausfällt. Deswegen freut es mich immer, wenn Serge zeigt, wie gut er ist.“
Das zeigte Gnabry in dieser Spielzeit tatsächlich schon oft. In 34 Einsätzen sammelte er bereits 20 Scorerpunkte: Zehn Tore und zehn Vorlagen stehen auf Gnabrys Konto. Er ist damit der viertbeste Scorer der Mannschaft nach Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz. Diese Bilanz kann sich sehen lassen.
Neben dem gesetzten Trio vor ihm in der Rangliste kann Gnabry in der entscheidenden Phase noch eine wichtige Rolle für die Bayern spielen.
Jamal Musiala, der nach seiner hochdotierten Vertragsverlängerung eigentlich der wichtigste Offensivspieler des Rekordmeisters sein sollte, fehlte einen Großteil der Saison verletzungsbedingt. Jetzt musste er wieder einen Rückschlag hinnehmen und fehlt aktuell wegen Sprunggelenksproblemen. Ob Musiala beim Kracher-Duell gegen Real Madrid in der Champions League oder im Pokalhalbfinale bei Bayer Leverkusen in Topform sein wird, ist unsicher.
Lennart Karl spielt zudem zuletzt unbeständig: Immer wieder zeigt der 18-Jährige auch schlechtere Spiele, wie gegen Union, wo Karl ziemlich blass blieb.
Auf Gnabry ist Verlass. Schon zu Beginn der Saison vertrat er Musiala im Offensivzentrum der Bayern gut. In den entscheidenden Saisonspielen wird Kompany auf einen Serge Gnabry in dieser Form wahrscheinlich noch öfter bauen.
2. Bayerns Talentstrom versiegt nicht
Im letzten Spiel gegen Atalanta Bergamo verhalf Kompany zwei Bayern-Talenten zu ihrem Profidebüt auf der ganz großen Bühne: Deniz Ofli und Filip Pavic standen erstmals in der ersten Mannschaft des FC Bayern auf dem Platz.
Gegen Union zauberte Kompany gleich den nächsten neuen Namen aus dem Hut: In der 87. Minute wechselte er den erst 16-jährigen Erblin Osmani für Leon Goretzka ein. Der defensive Mittelfeldspieler aus dem Bayern-Nachwuchsbereich durfte erstmals in der Allianz Arena bei den Profis ran.
Offensichtlich versiegt der Strom der Talente vom Campus zu den Profis aktuell einfach nicht. Osmani war in dieser Saison schon der elfte Debütant, dem Kompany eine Chance in der ersten Mannschaft gab.
Das ist vor allem auch ein Zeichen an die weiteren Talente, die am Campus an ihrer Zukunft im Profifußball arbeiten: Die Tür zu den Profis ist offen, man kann es schaffen.
Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl haben bewiesen, dass es danach noch weitergehen kann.
So wichtig wie Kompany und der Bayern-Führung mittlerweile die Durchlässigkeit zu den Profis ist, wird Osmani wohl nicht der letzte Debütant gewesen sein.
3. Pavlovic bereitet den Bayern Sorgen
Die Entwicklung von Aleksandar Pavlovic macht die Bayern stolz, aktuell bereitet der 21-Jährige aber Sorgen.
Pavlovic stand gegen Union überraschend nicht im Kader. Der Grund: Hüftprobleme.
Kompany wies auf die zuletzt hohe Belastung für Pavlovic hin: „Wir haben alles versucht, aber wenn die Spiele so schnell aufeinanderkommen, ist es nicht so einfach“, sagte er vor dem Spiel bei Sky.

Nach der Partie ließ Kompany offen, ob Pavlovic überhaupt zur Nationalmannschaft reisen kann: „Ich werde noch einmal mit Julian [Nagelsmann] sprechen. Wir stehen immer in engem Austausch. Es gibt keinen großen Unterschied zwischen den Wünschen der Nationalmannschaft und unseren. Sie haben zwei Freundschaftsspiele und wollen die Spieler für die Weltmeisterschaft fit halten. Das ist auch unser Ziel. Wir werden mit den Ärzten sprechen und dann die richtige Entscheidung treffen.“
Bei den Bayern will man vorsichtig handeln. Zu groß ist die Angst, dass sich in der Länderspielpause Stars verletzen könnten und damit im Duell mit Real Madrid fehlen oder angeschlagen sein könnten – oder auch in den wichtigen Spielen danach.
Genau das erlebten die Münchner vor einem Jahr. Damals verletzten sich Dayot Upamecano und Alphonso Davies und auch Manuel Neuer, Hiroki Ito, Pavlovic, Jamal Musiala und Kingsley Coman fielen im Viertelfinale gegen Inter Mailand aus.
Ein ähnliches Szenario wollen die Verantwortlichen diesmal vermeiden. Bei Pavlovic wird man sicher kein Risiko eingehen.

