Drei Erkenntnisse: Das muss Bayern gegen PSG jetzt besser machen

Sebastian Mittag
Foto: Getty Images

Der FC Bayern verliert das Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Paris Saint-Germain mit 4:5. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.


In einem verrückten Spiel unterliegen die Bayern zwar mit 4:5, haben aber noch Hoffnung für das Rückspiel. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:

1. Die Bayern spielen historisch spektakulär

Das Duell dieser beiden europäischen Fußball-Giganten war unvergesslich, ein Spektakel, ein Spiel der Superlative. Die Protagonisten und Experten waren sich gleichermaßen einig: Ein solches Spiel hat es in der Geschichte dieses Sports noch nicht oft gegeben. 

Jeder Fan – auch jener, der es mit keiner der beiden Mannschaften hält – wird froh sein, dieses Spiel gesehen zu haben.

Aus reiner Bayern-Sicht ist diese Saison schon jetzt historisch. Zumindest historisch spektakulär. Egal, wie viele der möglichen Titel am Ende dieser Spielzeit in die Vitrine gestellt werden können: Man kann schon jetzt sagen, dass kein Team in der langen Geschichte des FC Bayern so rigorosen Offensiv- und Risiko-Fußball gespielt hat wie die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany in der Saison 2025/26. 

Der Action-Thriller im Prinzenpark war ja nicht das erste Feuerwerk. Allein in den letzten Wochen gab es das irre 4:3 zuhause gegen Real Madrid, das auch von vielen in den Olymp der Fußball-Unterhaltung gehoben wurde. Der 4:3-Sieg in Mainz nach 0:3-Rückstand wurde mal so eben drei Tage vor einem Champions-League-Halbfinale abgefeiert.

Bei diesen Bayern wird das Spektakel fast schon zur Normalität. Das zeigt auch der Torrekord in der Bundesliga, der immer weiter nach oben geschraubt wird. Fußball-Fans lieben Tore, offensives Spiel und Risiko.

All das gibt es beim FCB aktuell regelmäßig zu sehen. Mit diesem Fußball erspielen sich die Bayern gerade neue Fans auf der ganzen Welt.

2. Diaz ist der Bayern-Katalysator

Ein Katalysator beschleunigt per Definition bei reversiblen Prozessen die Hin- und Rückreaktion gleichermaßen und ändert somit die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen.

Luis Diaz ist der Katalysator im Spiel der Bayern. Als er dieser Bayern-Mannschaft hinzugefügt wurde, fing es gleich an zu brodeln. Diaz macht die Prozesse in der Vorwärts- und Rückwärtsbewegung schneller. Er macht die Bayern härter und giftiger.

Die Verpflichtung des Kolumbianers war ein genialer Schritt der sportlichen Führung um Max Eberl. Wie lange wurde über eine Vertragsverlängerung mit Leroy Sané diskutiert? Aus heutiger Perspektive muss man sagen: Mit Sané auf der linken Seite hätte das Spiel in Paris anders ausgesehen. Nicht so schnell, nicht so hart, nicht so giftig.

Das Offensivtrio, das Diaz zusammen mit Michael Olise und Harry Kane bildet, ist absolute Weltklasse. Dazu gehören aber eben drei – und die beiden anderen haben dank Katalysator Diaz ihr Spiel auch nochmal um eine Stufe nach oben gehoben.

3. Das müssen die Bayern jetzt besser machen

Nach einem solchen Fußball-Erlebnis ist es nicht schwer, lange zu schwärmen. Unterm Strich steht für die Bayern aber auch: Das Hinspiel im Halbfinale wurde mit einem Tor Unterschied verloren. Man hat fünf Gegentore kassiert, was normalerweise einem Todesurteil gleichkommt.

Am Ende bedeutet es für das Rückspiel mathematisch aber auch nichts anderes als ein 0:1 oder ein 1:2. Die Bayern müssen irgendwie gewinnen, um zumindest eine Verlängerung zu erreichen, oder mit zwei Toren Abstand, um direkt ins Finale von Budapest einzuziehen.

Bei all dem offensiven Glanz gibt es dafür aber schon Dinge, die die Bayern im Rückspiel gegen PSG besser machen müssen. 

Dass der Schlüssel nach fünf Gegentoren in der Defensive liegt, ist kein Geheimnis. Auch wenn Max Eberl nach dem Spiel analysierte: „Wir müssen im Rückspiel die Situationen, die wir vorne haben, und davon haben wir viele, viele, viele, sauberer zum Abschluss bringen.“ Dazu stellt sich die Frage: Wieviele Tore sollen die Bayern denn noch schießen?

Mehr defensive Stabilität würde den Bayern am kommenden Mittwoch schon guttun. In der Innenverteidigung machten Dayot Upamecano und Jonathan Tah eigentlich ein gutes Spiel. Was nach fünf Gegentoren doch irgendwie komisch klingt.

Aber die Bayern hatten ihre defensiven Probleme eher auf den Außenverteidiger-Positionen. Josip Stanisic hatte rechts einige Schwierigkeiten mit dem starken Khvicha Kvaratskhelia. Alphonso Davies in der ersten Halbzeit und der dann eingewechselte Konrad Laimer in der zweiten Hälfte waren links auch nicht sattelfest.

Das Hauptproblem: Im Kompany-System schieben die Außenverteidiger oft sehr weit nach vorne, sogar bis in die Mittelstürmer-Position. Das war auch immer ein Erfolgsrezept und entfaltet große Offensiv-Power. Doch gegen die Pariser Offensivstars steht man oft sehr blank, wenn die Außenverteidiger nicht schnell genug den Rückzug antreten. Dann ergeben sich zwangsläufig Räume, die Kvaratskhelia, Désiré Doué, Ousmane Dembélé und Co. mit ihrer Schnelligkeit und Klasse knallhart ausnutzen können.

Die Bayern können im Rückspiel natürlich nicht mauern. Erst recht nicht, wenn man ein Tor aufholen muss. Aber mehr Balance würde defensiv allen das Leben leichter machen.

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