Das 4:5 des FC Bayern bei Paris Saint-Germain hat ganz Europa elektrisiert – und auch Didi Hamann ins Schwärmen gebracht. In seiner Sky-Kolumne spricht der TV-Experte von „Fußball pur“ und einem Spiel, das eindrucksvoll gezeigt habe, was passiert, wenn absolute Weltklasse-Offensiven aufeinandertreffen. Gleichzeitig richtet er aber auch eine klare Warnung an den deutschen Rekordmeister.
Für Hamann war die Partie ein Paradebeispiel für modernen Hochgeschwindigkeitsfußball. „Man hat gesehen, was passieren kann, wenn sechs oder sieben der weltbesten Offensivspieler auf dem Feld stehen“, erklärte der 51-Jährige. Auffällig sei vor allem gewesen, dass keine der beiden Mannschaften Angst gehabt habe. Beide Teams hätten jederzeit daran geglaubt, noch mehr Tore erzielen zu können.
Kein Vorwurf an Neuer – Offensive überragt
Besonders bemerkenswert: PSG traf bei fünf Schüssen auf das Tor von Manuel Neuer gleich fünfmal. Für Hamann ein klarer Beleg für die außergewöhnliche Qualität der Pariser Abschlüsse – und kein Grund zur Kritik am Bayern-Kapitän oder der Defensive.
„Neuer ist kein Vorwurf zu machen“, stellte der ehemalige Nationalspieler klar. Auch Dayot Upamecano und Jonathan Tah nahm er ausdrücklich in Schutz. Gegen Spieler wie Ousmane Dembélé, Khvicha Kvaratskhelia oder Désiré Doué sei es nahezu unmöglich, über 90 Minuten fehlerfrei zu verteidigen.
Auf der anderen Seite hob Hamann vor allem Michael Olise und Luis Díaz hervor. Beide hätten ein herausragendes Spiel gezeigt. Besonders Olise habe selbst gegen Nuno Mendes, für Hamann einer der besten Linksverteidiger der Welt, kaum zu stoppen gewirkt.
PSG offensiv variabler – Bayern physisch stärker

Trotz der starken Bayern-Offensive sieht Hamann einen kleinen Vorteil bei PSG. Die Franzosen agierten im Angriff „mit mehr Fluss“ und seien dadurch schwerer auszurechnen. Bayern hingegen komme häufiger über Einzelaktionen.
Interessant ist auch seine Einschätzung zur körperlichen Verfassung: Über die gesamte Spielzeit hinweg hätten die Münchner sogar den fitteren Eindruck gemacht. Ein Faktor, der im Rückspiel in der Allianz Arena noch entscheidend werden könnte.
Klare Forderung für das Rückspiel
Für das zweite Duell zieht Hamann jedoch eine klare Linie. Ein erneuter offener Schlagabtausch wäre aus seiner Sicht der falsche Ansatz. „Die Bayern müssen versuchen, so ein Spiel im Rückspiel nicht zuzulassen“, warnte er deutlich.
Der Grund liegt auf der Hand: Wenn man PSG in ein wildes Offensivspiel verwickle, spiele man dem Gegner in die Karten. „Wenn du gegen PSG ihr Spiel spielst, sind sie offensiv einfach zu stark“, so Hamann.
Gleichzeitig stellt sich für ihn eine zentrale Frage: Ist der FC Bayern überhaupt in der Lage, seinen Stil anzupassen? Unter Vincent Kompany setzen die Münchner konsequent auf hohes Pressing und Mann-gegen-Mann-Verteidigung – ein Ansatz, der die gesamte Saison geprägt hat.
Ein defensiverer Ansatz scheint kaum realistisch, auch weil die Ausgangslage klar ist: Bayern muss gewinnen. Und das bedeutet zwangsläufig Risiko.
Genau darin liegt laut Hamann die größte Herausforderung. Oder anders gesagt: Die Bayern müssen die perfekte Balance finden – zwischen Mut und Kontrolle.

