Der FC Bayern holt am 32. Bundesliga-Spieltag ein Last-Minute-Remis gegen den 1. FC Heidenheim. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Die Bayern schafften in letzter Sekunde den Ausgleich, der Endstand lautete 3:3. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Kompany hat sein Ziel erreicht
Die Bayern sahen gegen den Tabellenletzten lange gar nicht gut aus. Fast hätte man das Spiel schon als Heimpleite verbuchen müssen, dann versuchte es Michael Olise in allerletzter Sekunde mit einem Weitschuss, der vom Rücken des Heidenheim-Torwarts Diant Ramaj ins Tor kullerte.
Klar, für die Bayern geht es in der Bundesliga um nichts mehr, die Meisterschaft ist schon eingefahren. Trotzdem ist es zumindest besser fürs Gefühl, nicht mit einer Niederlage im Rücken in das Rückspiel des Champions-League-Halbfinals gegen Paris Saint-Germain zu gehen.
Der Kracher gegen die Franzosen überstrahlt natürlich alles und direkt nach Abpfiff gab Trainer Vincent Kompany den Kurs vor: „Nun können wir uns auf Mittwoch fokussieren“, war die Botschaft. Auch wenn man nicht zu 100 Prozent von einer gelungenen Generalprobe sprechen kann, hat Kompany sein Ziel erreicht. Er erklärte: „Nun ist dieses Spiel vorbei, alle sind fit. Das ist es, was wir wollten.“
Die Topstars Harry Kane, Michael Olise, Luis Diaz und Joshua Kimmich wurden erst nach der Pause eingewechselt und niemand verletzte sich. Später kam auch noch Alphonso Davies, der sich im Viertelfinale gegen Real Madrid verletzt hatte. Der Linksverteidiger ist auch einsatzbereit für Paris.
Im Kader stand erstmals nach seiner Verletzungspause auch wieder Tom Bischof, der eine wertvolle Alternative im Kader sein kann für das Spiel gegen PSG. Zum Duell am kommenden Mittwoch könnte dann auch noch Lennart Karl zurückkehren. Der Youngster könnte zumindest als Joker wichtig werden gegen den amtierenden Champions-League-Sieger.
Bei Bayern sind also soweit alle an Bord. Das war in den vergangenen Jahren in den großen K.o.-Spielen nicht immer so. Für die Bayern ist das die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel gegen Heidenheim.
2. Das muss den Bayern vor PSG Sorgen machen
Bei allen drei Gegentreffern gegen Heidenheim – nochmal: der Tabellenletzte der Bundesliga – sah die Abwehr der Bayern nicht gut aus.
Beim ersten Gegentreffer war Minjae Kim weit weg vom Torschützen Budu Zivzivadze. Das lag daran, dass er eigentlich richtigerweise eine Abseitsfalle stellen wollte, doch Hiroki Ito machte nicht mit und hob so das Abseits auf.
Beim zweiten Gegentreffer war Abwehrchef Jonathan Tah nicht gut positioniert und verlor Eren Dinkci aus den Augen. Der lief in der Folge alleine auf Bayern-Keeper Jonas Urbig zu, welcher nicht schnell genug aus seinem Kasten kommen konnte und so vom Heidenheimer umkurvt wurde.
Bei Gegentor Nummer drei war die ganze Bayern-Defensive so weit aufgerückt, dass nach einem weiten Abwurf von Heidenheims Torwart Ramaj am Ende Offensiv-Star Michael Olise am eigenen Strafraum in den entscheidenden Zweikampf gehen musste – und diesen gegen den Traumtorschützen Zivzivadze verlor.
Nach dem Spiel gaben sich die Spieler und Verantwortlichen wie Sportvorstand Max Eberl betont gelassen. Tenor: Die Stärken der Bayern liegen nun mal in der Offensive, man kann sich jetzt auch nicht verbiegen. Aber: Die Gegentor-Flut der letzten Spiele sollte den Bayern schon Sorgen machen.
Das Heidenheim-Spiel war ja kein singulärer Ausrutscher. In den letzten drei Partien kassierten die Münchner elf Gegentreffer. Im Hinspiel gegen Paris alleine fünf. Im Rückspiel braucht es einen Sieg mit einem Tor Abstand, um eine Verlängerung zu erreichen. Paris ist mit seinen Offensiv-Stars brandgefährlich. Eine unkonzentrierte Abwehrleistung kann gegen die Mannschaft von Trainer Luis Enrique schnell das Aus bedeuten.
Nach dem Heidenheim-Spiel war Sportdirektor Christoph Freund am kritischsten mit der Abwehrleistung der FCB-Mannschaft. „Natürlich kassieren wir momentan zu viele Gegentore, auch zu leicht teilweise. Das wird natürlich angesprochen und analysiert“, sagte der Österreicher: „Mittwoch wird jeder mit 100 Prozent in jeden Zweikampf gehen und wir werden konzentriert sein. Aber wir wissen natürlich, dass uns eine hohe Qualität erwartet.“ Und zwar eine deutlich höhere als gegen Heidenheim.
3. Goretzka startet die Abschiedstournee
Mann des Spiels gegen Heidenheim war für die Bayern Leon Goretzka. Der Nationalspieler traf mit einem wunderbaren Freistoß und schnürte mit seinem Treffer nach einer Ecke sogar den Doppelpack. Goretzka hat mit dieser starken Leistung, die ihm die FCBinside-Note 1 einbrachte, jetzt endgültig seine Abschiedstournee eingeläutet.
Die Bayern wollten seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern, nach der Saison verlässt Goretzka den deutschen Rekordmeister ablösefrei. Der 31-Jährige hat potenziell nur noch zwei weitere Heimspiele in der Allianz Arena vor sich. Ob er im Rückspiel gegen PSG überhaupt nochmal aufläuft, ist fraglich, und dann bleibt nur noch das letzte Bundesligaspiel gegen Köln, um sich von den Fans im heimischen Stadion zu verabschieden.
Dass die Bayern in der Zukunft keine Verwendung mehr für den Mittelfeldspieler haben, lag auch an vielen uninspirierten Auftritten von Goretzka, die er in den letzten Jahren gezeigt hatte. Oft spielte er sehr risikoscheu und wählte immer den sichersten und einfachsten nächsten Pass. Dann tauchte er streckenweise komplett unter.

Gegen Heidenheim zeigte Goretzka jedoch nochmal, warum die Bayern ihn mit einem hochdotierten Vertrag ausgestattet hatten. Goretzka kämpfte hinten und schaltete sich trotzdem immer wieder in die Offensive ein. Goretzka übernahm Verantwortung wie bei seinem Freistoß und suchte mehrfach den Torabschluss.
Im Winter entschied er sich bewusst gegen einen frühzeitigen Abschied aus München. Goretzka wollte noch einmal Titel mit den Bayern gewinnen. Das ist weiter möglich. Für Goretzka könnte es einen mehr als versöhnlichen Bayern-Abschied geben.


