Zu viel Chaos? Das muss Kimmich im PSG-Rückspiel besser machen

Vjekoslav Keskic
Foto: IMAGO

Das 4:5-Spektakel zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain war ein Spiel der Extreme – und eines, das ungewöhnlicherweise an der Münchner Schaltzentrale vorbeilief. Joshua Kimmich und Aleksandar Pavlović, sonst die Taktgeber im Bayern-Spiel, fanden sich plötzlich in einer Nebenrolle wieder.

Vor allem die Zahlen von Joshua Kimmich sorgten während der Partie für Verwunderung. Mitte der ersten Halbzeit hatte ausgerechnet der DFB-Kapitän weniger Ballkontakte als nahezu jeder andere Bayern-Spieler – einzig Harry Kane war noch seltener am Ball.


Auch in den Zweikämpfen lief es nicht rund: Nur zwei von sieben Duellen konnte Kimmich für sich entscheiden – sein schwächster Wert in dieser Saison bei vergleichbarer Anzahl an Zweikämpfen.

Ein ungewohntes Bild für einen Spieler, der normalerweise das Tempo vorgibt und als strategischer Kopf fungiert.

Spiel verlagerte sich auf die Flügel

Die Erklärung liegt jedoch weniger in der individuellen Leistung, sondern vielmehr in der Spielanlage. Sowohl Bayern als auch PSG setzten auf ein extrem offensiv ausgerichtetes System, bei dem das Geschehen häufig über die Außenbahnen lief.

Die Folge: Kimmich und Pavlović wirkten phasenweise wie Zuschauer im Zentrum, weil sich das Spielgeschehen an ihnen vorbeiverlagerte. SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger brachte es im Podcast „Die Bayern-Woche“ auf den Punkt: Kimmich sei „nicht der große Dirigent oder das Metronom im Mittelfeld“ gewesen – allerdings ohne daraus eine Kritik abzuleiten.

Joshua Kimmich
Foto: Getty Images

Das Duell im Prinzenpark war geprägt von einem offenen Schlagabtausch mit enormem Tempo und vielen Umschaltsituationen. Klassische Mittelfeldstrukturen spielten dabei eine untergeordnete Rolle.

Genau dieser Aspekt sorgte auch für Kritik von außen. Experten wie Wayne Rooney oder Clarence Seedorf bemängelten die fehlende Kontrolle im Zentrum. Besonders drastisch formulierte es der ehemalige italienische Nationalspieler Alessandro Melli, der das Spiel als „neue NBA“ bezeichnete und die fehlende Balance kritisierte.

Trainer bleiben bei ihrer Linie

Weder Vincent Kompany noch PSG-Coach Luis Enrique sehen jedoch Anlass, ihre grundsätzliche Herangehensweise zu ändern. Während Kompany betonte, dass für ihn „nicht alles schwarz oder weiß“ sei, reagierte Enrique deutlich schärfer auf die Kritik und erklärte: „Wenn es eine beschissene Meinung ist, muss man sie nicht respektieren.“

Auch vor dem Rückspiel machten beide deutlich, dass man nicht gewillt sei, die eigene Spiel-DNA zu ändern bzw. anzupassen. Beide Trainer stehen für einen mutigen, offensiven Ansatz – und nehmen dabei bewusst in Kauf, dass das Mittelfeld nicht immer die zentrale Rolle spielt.

Kein Trend für die Zukunft

Für den FC Bayern dürfte dieses Spiel dennoch die Ausnahme bleiben. Im normalen Bundesliga-Alltag ist die Kontrolle durch das Mittelfeld ein zentraler Bestandteil des Systems – und damit auch die Rolle von Kimmich und Pavlovic.

„Es kann sein, dass das Mittelfeld gegen Top-Teams weniger Zugriff bekommt. Aber im Liga-Alltag wird weiterhin viel Dominanz von Kimmich & Co. ausgehen“, so Kumberger.

Im Endeffekt zeigt das PSG-Spiel vor allem eines: Selbst Schlüsselspieler wie Kimmich können in bestimmten Spielverläufen an Einfluss verlieren – ohne dass dies gleich ein strukturelles Problem darstellt.

Für den FC Bayern bleibt der DFB-Kapitän weiterhin das Herzstück im Spielaufbau. Gegen PSG war er Teil eines Ausnahme-Spiels – nicht Ausdruck einer grundsätzlichen Schwäche.

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