Der FC Bayern holt im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Paris Saint-Germain nur ein 1:1‑Unentschieden und scheidet aus. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.
Die Bayern konnten das Duell nach der Niederlage im Hinspiel nicht mehr drehen und verpassten durch das 1:1 in der Allianz Arena den Finaleinzug. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Die Bayern sollten gelernt haben, was ihnen noch fehlt
Die Analyse von FCB-Sportvorstand Max Eberl nach dem wilden 4:5 der Bayern im Hinspiel ist eine Woche später immer noch genauso bemerkenswert – weil sie ein großes Problem der Münchner unterstreicht. Damals sagte Eberl in der französischen Hauptstadt mit Blick auf das Rückspiel: „Wir müssen im Rückspiel die Situationen, die wir vorne haben, und davon haben wir viele, viele, viele, sauberer zum Abschluss bringen.“ Auch nach fünf Gegentoren sah der Bayern-Boss den Schlüssel nicht in der Verstärkung der defensiven Bemühungen, sondern in noch mehr Angriff und noch mehr Toren.
Als wollte er den Gegner in seinem Harakiri-Kurs noch bestärken, sagte Paris-Trainer Luis Enrique vor dem Spiel sinngemäß, man sei nicht gekommen, um zu verteidigen. Nach der frühen Führung machte sein Weltklasse-Team aber genau das: konsequent und gut verteidigen.
In der Analyse des Rückspiels verfielen die Bayern dann wieder in die alten Muster: „Wir waren heute keine Killer in der Offensive“, war die Einschätzung von Manuel Neuer, der selbst stark hielt und Schlimmeres verhinderte.
Über die zwei Duelle mit PSG war aber nicht die Offensive das Problem: Mit Harry Kane, Michael Olise und Luis Diaz gehören die Bayern hier zur Crème de la Crème Europas. Die Bayern sollten jetzt gelernt haben, was ihnen noch zum ganz großen Triumph in der Champions League fehlt: Eine stabile und verlässliche Defensive.
Nach dem Hinspiel wurde von allen Verantwortlichen die Kulisse in der Allianz Arena beschworen: Die Fans sollten – alle in Rot – die Mannschaft zum Sieg peitschen. Doch das Gegentor in der 3. Minute war erst einmal der größtmögliche Stimmungskiller.
Ein 1:0 hätte für die Verlängerung gereicht, aber in München ging keiner davon aus, dass man gegen den Titelverteidiger den Kasten sauber halten könnte. Die Bayern wollen auch im nächsten Jahr wieder den Titel in der Königsklasse. Spätestens gegen die absoluten Topteams braucht es dazu aber eben auch eine Weltklasse-Defensive.
2. Die Enttäuschung würde auch das Double überschatten
Die Bayern träumten in dieser Saison berechtigterweise vom ganz großen Wurf in der Champions League. Über weite Strecken spielte die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany begeisternden Fußball, in ganz Europa feierte man den deutschen Rekordmeister für den spektakulären Offensivfußball und der Verein gewann viele neue Fans.
In der Mannschaft war der Glaube groß, dass dieses Jahr sogar das Triple drin sei. Umso enttäuschter wirken die Spieler nach Abpfiff. Harry Kane, sonst in Interviews immer nüchtern, professionell und abgeklärt, war die Enttäuschung förmlich anzusehen. „Es ist hart“, gab der Engländer zu, dessen größter Traum der Champions-League-Sieg ist.
Auch Joshua Kimmich sah eine verpasste Titelchance: „In elf Jahren Bayern war das bisher die stärkste Saison, die wir gespielt haben“, erklärte er: „Stärker als die Triple-Saison damals. Da haben wir eigentlich ein halbes Jahr gar nicht gut Fußball gespielt und haben dann das zweite, halbe, dreiviertel Jahr sehr guten Fußball gespielt.“
Die Bayern-Stars verließen mit hängenden Köpfen das Stadion. Diese Niederlage schmerzte ganz besonders. Jetzt steht noch das DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart an. Mit einem Sieg in Berlin kann das Team das Double klarmachen und mit zwei großen Titeln eine starke Saison krönen. Doch man merkte den Spielern an: Das Halbfinal-Aus in der Champions League nach dieser Saison wird noch länger schmerzen. Die Enttäuschung darüber würde auch das Double überschatten.
3. Hier müssen die Bayern den Kader jetzt verbessern
Das Aus gegen PSG machte deutlich, wo die Bayern ihren Kader vor der neuen Saison verstärken müssen. Die Defensive wird ein Thema sein, obwohl man mit Dayot Upamecano und Jonathan Tah ein starkes Innenverteidiger-Duo gefunden hat. Auf den Außenverteidiger-Positionen müssen die Bosse um Eberl sicher etwas tun.
Alleine schon, weil die Zukunft von Konrad Laimer unklar ist. Der Österreicher fordert dem Vernehmen nach ein absolutes Spitzengehalt. Ein Spiel wie gegen PSG rechtfertigt das aber nicht. Beim 0:1 war Laimer früh schon viel zu weit vorgerückt und ließ seine Seite sträflich offen. Laimer zeigte schon sehr gute Spiele als Rechtsverteidiger, aber zuletzt kam ihm die Konstanz abhanden. Josip Stanisic ist ein Eigengewächs, auf das man stolz sein kann, aber in der absoluten Weltklasse ist er noch nicht angekommen.
Im zentralen Mittelfeld kam Aleksandar Pavlovic an seine Grenzen. Ihm gehört sicher die Zukunft im Bayern-Mittelfeld, aber Konkurrenz belebt das Geschäft und mit dem Abgang von Leon Goretzka wird eine Planstelle frei.
In der Offensive sind die Bayern in der ersten Reihe top besetzt, aber gegen PSG fehlte es Kompany verletzungsbedingt an Alternativen. Dass er beim Stand von 0:1 in der 68. Minute mit Alphonso Davies und Minjae Kim zwei Verteidiger einwechseln musste, spricht Bände. Ein Topspieler, der die Sahne-Offensive der Bayern ergänzt und nicht nur Luis Diaz, sondern auch Jamal Musiala Druck macht, könnte die Bayern in der Champions League noch titelreifer machen.



