Der FC Bayern hat mit dem 1:0-Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg zwar die nächsten drei Punkte eingefahren, wirklich zufrieden wirkte nach dem Spiel allerdings niemand. Besonders Tom Bischof sprach die Probleme der Münchner überraschend offen an – und kassierte dafür prompt einen öffentlichen Rüffel von Vincent Kompany.
Vor allem die erste Halbzeit gefiel dem 20-Jährigen überhaupt nicht. Im Interview bei Sky fand Bischof deutliche Worte für den Auftritt des Rekordmeisters.
„Ich glaube, die hätten fünf Tore machen können. Das war gar nicht gut von uns“, erklärte der Mittelfeldspieler nach der Partie. Zwar habe Bayern die ersten Minuten ordentlich gespielt, danach jedoch komplett den Zugriff verloren: „Die Abstände waren zu groß.“
Auch die defensive Anfälligkeit der vergangenen Wochen sprach Bischof offen an. Besonders das Gegenpressing funktioniere nicht mehr so konsequent wie noch zu Saisonbeginn: „Wir machen einfach nicht mehr die kleinen Basics und dieses Gegenpressing direkt nach dem Ballverlust. Das fehlte uns in letzter Zeit.“
Kompany reagiert ungewöhnlich deutlich
Die Aussagen seines Youngsters kamen bei Vincent Kompany allerdings überhaupt nicht gut an. Der Bayern-Coach widersprach Bischof öffentlich – und zwar ungewöhnlich scharf.
„Natürlich stimme ich ihm nicht zu. Der junge Spieler hat einen Fehler gemacht in diesem Interview“, stellte der Belgier klar.
Kompany wollte die Probleme nicht auf fehlendes Gegenpressing reduzieren. Vielmehr sah er das Hauptproblem in der fehlenden Geduld seiner Mannschaft: „Es geht darum, dass man nicht immer das Gefühl haben muss, in den ersten zehn, 15 Minuten schon drei, vier Tore machen zu müssen.“
Kompany verteidigt seinen Ansatz

Der Bayern-Trainer machte deutlich, dass die Intensität im Pressing aus seiner Sicht weiterhin stimme. Würde die Mannschaft die Abläufe nicht mehr umsetzen wollen, hätte er das längst im Training erkannt.
„Dann kannst du kein Spiel gewinnen“, betonte Kompany.
Nach seiner Einschätzung verlor Bayern nach dem ordentlichen Beginn die Kontrolle, weil man zu hektisch agierte und dadurch unnötige Ballverluste produzierte. Erst nach der Pause habe das Team wieder die richtige Balance gefunden.
Bayern-Defensive bleibt ein Thema
Trotz des Erfolgs in Wolfsburg bleibt die Defensivproblematik beim Rekordmeister ein großes Thema. In den vergangenen Wochen kassierten die Münchner auffällig viele Gegentore – unter anderem beim spektakulären 4:5 gegen Paris Saint-Germain oder beim wilden 3:3 gegen Heidenheim.
Dass nun selbst junge Spieler wie Bischof die Probleme öffentlich ansprechen, zeigt, wie präsent das Thema intern offenbar ist.
Kompany dürfte dennoch wenig begeistert darüber gewesen sein, dass die Kritik direkt nach außen getragen wurde – erst recht unmittelbar vor den entscheidenden Wochen der Saison.


