Das Champions-League-Aus gegen Paris Saint-Germain wirkt beim FC Bayern weiter nach. Nachdem Oliver Kahn zuletzt deutliche Zweifel an der riskanten Spielweise von Vincent Kompany geäußert hatte, schlägt nun auch Thomas Helmer in eine ähnliche Kerbe.
Der frühere Bayern-Profi äußerte sich bei BILD kritisch zur defensiven Herangehensweise der Münchner in den beiden Halbfinal-Duellen gegen PSG. „Ich habe meinem lieben Oli ja nicht immer recht gegeben, ehrlich gesagt eher selten. Aber in diesem Fall hat er mir schon ein bisschen aus der Seele gesprochen“, erklärte Helmer.
Besonders störte den ehemaligen Nationalspieler, wie offen die Bayern gegen die offensivstarken Pariser verteidigten. Vor allem im Eins-gegen-eins gegen die schnellen PSG-Angreifer habe München aus seiner Sicht zu wenig Lösungen gefunden. „Trotzdem habe ich mich gefragt, warum man nicht versucht hat, diese Spieler konsequenter zu doppeln. Alleine schafft man das im Eins-gegen-eins heutzutage kaum noch“, sagte Helmer.
Dabei verwies der 60-Jährige auch auf die enorme Qualität im Offensivspiel beider Teams. Spieler wie Ousmane Dembélé, Bradley Barcola oder Désiré Doué seien kaum dauerhaft individuell zu kontrollieren. „Gegen solche Spieler muss man sich etwas einfallen lassen“, betonte Helmer.
Besonders kritisch sieht der ehemalige Bayern-Verteidiger die fehlenden taktischen Anpassungen im Rückspiel in München. „Das habe ich nicht ganz verstanden. Paris hat aus dem Hinspiel gelernt und es im Rückspiel viel besser gemacht. Sie haben defensiv deutlich besser gearbeitet“, erklärte Helmer.
Der FC Bayern hingegen habe seinen Ansatz nahezu unverändert beibehalten. „Die Bayern dagegen haben weitergespielt wie zuvor“, stellte der frühere Abwehrspieler fest.
Helmer warnt vor trügerischer Sicherheit

Damit unterstützt Helmer indirekt auch die Kritik von Oliver Kahn, der zuletzt bei Sky erklärt hatte, dass das System von Vincent Kompany „sehr viel Risiko beinhaltet“.
Kahn hatte zudem davor gewarnt, sich dauerhaft auf die enorme Offensivkraft der Münchner zu verlassen: „Du kannst nicht immer, wenn du zwei, drei Tore bekommst, auch vier schießen.“
Helmer sieht genau darin aktuell eines der größten Probleme des Rekordmeisters. „Sie haben wohl gedacht, dass es funktionieren wird, weil es in der Bundesliga auch oft gut gegangen ist: nach einem 0:3 noch ein 4:3, nach einem 0:2 in Freiburg noch ein 3:2. Das kann trügerisch sein“, warnte er.
Trotz der öffentlichen Kritik deutet aktuell wenig darauf hin, dass Vincent Kompany seine Spielidee grundlegend verändern wird. Der Belgier hatte zuletzt mehrfach betont, dass Bayern seine offensive DNA nicht aufgeben wolle.
Intern wird der mutige Ansatz weiterhin ausdrücklich unterstützt. Gleichzeitig wächst jedoch die Erkenntnis, dass die Münchner auf absolutem Topniveau defensiv stabiler werden müssen, wenn der große Wurf in der Champions League gelingen soll.
Helmer formulierte es abschließend deutlich: „Ich glaube, daran müssen sie arbeiten. Und der Trainer eben auch.“


