Drei Bayern-Erkenntnisse: Das war Kompanys wichtigste Entscheidung

Sebastian Mittag

Der FC Bayern feiert gegen Royale Saint-Gilloise einen Arbeitssieg in der Champions League. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zur Partie.

Am vorletzten Spieltag der Ligaphase gewannen die Bayern gegen die Belgier mit 2:0 und machten damit den Einzug ins Achtelfinale klar. Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:

1. Bayern haben einen riesigen Sprung gemacht

Durch den Sieg gegen die Belgier sind die Bayern nicht mehr aus den Top Acht zu verdrängen, damit ist der direkte Einzug ins Achtelfinale schon sicher. Der deutsche Rekordmeister umgeht so die Playoffs, die letztes Jahr so viel Kraft kosteten.

Am letzten Spieltag bei der PSV Eindhoven kann die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany sogar auf Platz eins oder zwei landen. Das würde bedeuten, dass man bis zu einem möglichen Halbfinale im Rückspiel immer zuhause spielen kann, was bei der Heimstärke der Bayern ein zusätzlicher, großer Vorteil wäre.

Insgesamt zeichnet sich in der Champions League ein komplett anderes Bild als vor einem Jahr. Die Tabelle der Ligaphase in der Königsklasse beweist, was für einen riesigen Sprung die Mannschaft unter Kompany gemacht hat.

Letztes Jahr konnte man Leverkusen zwar auf nationaler Ebene die Vorherrschaft entreißen, aber der damals neue Liga-Modus in der Champions League zeigte deutlich, dass die Bayern in Europa ins Mittelmaß abzurutschen drohten. Jetzt zeigen die Münchner wieder ein anderes Gesicht und gehören zu den klaren Titelfavoriten. Niederlagen wie letztes Jahr in der Ligaphase gegen Barcelona, Aston Villa und Feyenoord wären so in der aktuellen Form schwer vorstellbar. 

Das Spiel gegen Saint-Gilloise war zweifellos ein Arbeitssieg und ziemlich schmucklos. Aber andere Spitzenteams leisten sich gegen Underdogs wie die Belgier auch mal Patzer – die Bayern sicherten sich auch hier drei Punkte. Auch das zeigt eine positive Entwicklung unter Kompany.

2. Geduld ist eine große Stärke der Bayern

Die Bayern entschieden das Spiel erst in der zweiten Hälfte, zur Pause stand es noch 0:0. Das ist ein Trend, der sich seit der Winterpause abzeichnet: Der FCB gewinnt seine Spiele spät.

Gegen Wolfsburg führten Bayern zur Pause knapp mit 2:1, dann schenkte man den Wölfen in der zweiten Hälfte noch sechs weitere Tore ein. In Köln gerieten die Münchner sogar in Rückstand, glichen erst kurz vor der Halbzeit aus und gewannen am Ende doch mit 3:1. Bei RB Leipzig lag man sogar zur Pause mit 0:1 zurück und siegte am Ende noch deutlich mit 5:1.

Nach dem Spiel gegen Saint-Gilloise gingen viele Fragen an die Protagonisten in die Richtung, warum die Bayern nicht mehr ganz so dominant wie zu Beginn der Saison seien oder warum man die Spiele immer erst so spät entscheide. Joshua Kimmich sprach die schwache erste Hälfte gegen die Belgier zwar deutlich an, warnte aber auch davor, „das Haar in der Suppe“ zu suchen.

Damit hat er auch recht. Die Bayern haben nach der Winterpause eine starke Serie hingelegt, auch wenn streckenweise die spielerische Leichtigkeit fehlt. Was zählt, sind aber die Ergebnisse. Und dass die Bayern es immer wieder schaffen, auf ihre Chancen zu warten und zurückzuschlagen ist ein Zeichen von Geduld. Diese Geduld ist aktuell eine große Stärke der Bayern.

3. Das war Kompanys wichtigste Entscheidung

Im Vergleich zum Spiel in Leipzig nahm Kompany in der Startaufstellung eine entscheidende Veränderung vor: Tom Bischof wechselte von der rechten auf die linke Abwehrseite, Raphael Guerreiro spielte gegen Saint-Gilloise rechts. Joshua Kimmich begann gleich im zentralen Mittelfeld, obwohl er auch rechts hinten hätte aushelfen können, wo die Bayern nach den Verletzungen von Konrad Laimer und Josip Stanisic gerade akuten Personalmangel haben.

Bischof hatte in Leipzig insbesondere in der ersten Hälfte auf dieser Position keine gute Figur abgegeben. Die Leipziger hatten sich die rechte Abwehrseite als Schwachpunkt ausgeschaut und Bischof dort immer wieder unter Druck gesetzt. Dazu kam, dass vor Bischof in Leipzig Lennart Karl auf der rechten Offensivseite spielte und seine Defensivaufgaben teilweise sträflich vernachlässigte.

Gegen Saint-Gilloise setzte Kompany Bischof also auf der linken Seite ein, wo er im Gegensatz zu rechts schon mehrmals in dieser Saison aushalf. Dort machte Bischof einen viel sichereren Eindruck. Ein großer Vorteil: Vor ihm rackerte Luis Diaz, der sich für Defensivaufgaben nie zu schade ist. Bischof hatte so defensiv viel mehr Unterstützung.

Bayern vs. Saint-Gilloise
Foto: Getty Images

Grundsätzlich hat der Youngster eine ähnliche Geschichte wie Konrad Laimer. Auch der Österreicher kam eigentlich als zentraler Mittelfeldspieler und musste so oft als Rechtsverteidiger aushelfen, bis er auf dieser Position zum absoluten Topmann wurde. Was Bischof im Vergleich zu Laimer in der Abwehrarbeit allerdings noch fehlt, ist die Bissigkeit in den Zweikämpfen. Der frühere Hoffenheimer hat seine Stärken zweifellos am Ball, manchmal ist er allerdings noch zu weit weg vom Gegenspieler und kommt nicht in die Defensivduelle.

Das Spiel gegen Saint-Gilloise war für Bischof allerdings ein klarer Schritt nach vorn. Auf der rechten Seite machte es Guerreiro derweil gewohnt routiniert. Mit seiner Stärke am Ball ist der portugiesische Nationalspieler eine verlässliche Wahl, sofern er nicht allzu viel unter Druck gesetzt wird.

Kimmich brauchen die Bayern einfach weiter im Mittelfeld, hier ist er als Taktgeber viel wichtiger als in der Rolle als Aushilfs-Rechtsverteidiger. Durch die Besetzung mit Bischof links, Guerreiro rechts und Kimmich im Zentrum standen die Bayern hinten sicher. Kompany hat mit dieser Besetzung die wichtigste Entscheidung des Spiels getroffen.

Teile diesen Artikel