Am Bayern-Campus läuft es sportlich besser denn je – und dennoch steht Markus Weinzierl vor einer ungewissen Zukunft. Die Nachwuchsabteilung des FC Bayern wird neu strukturiert, was direkte Auswirkungen auf seine Rolle hat.
Seit August 2024 ist Markus Weinzierl Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des FC Bayern. In dieser Zeit hat sich der Campus zu einer echten Talentschmiede entwickelt, deren Produkte inzwischen regelmäßig in der Allianz Arena auflaufen. Namen wie Lennart Karl, Wisdom Mike, Cassiano Kiala oder David Santos stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die intern wie extern für viel Anerkennung sorgt. Umso überraschender ist es, dass Weinzierls Vertrag, der im Sommer ausläuft, bislang nicht verlängert wurde.
Erfolge am Campus – aber neue Pläne an der Säbener Straße
Gerade Lennart Karl ist das Gesicht dieser Entwicklung. Der 17-Jährige hat sich unter Vincent Kompany vom Campus-Spieler zum Profi entwickelt und verkörpert genau das, wofür die Nachwuchsarbeit des Rekordmeisters stehen soll. Auch weitere Talente drängen nach oben, was den Eindruck verstärkt, dass die Arbeit am Campus aktuell Früchte trägt.
Doch parallel dazu plant der FC Bayern offenbar eine strukturelle Neuausrichtung. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll Michael Wiesinger als neuer Sportlicher Leiter installiert werden. Der frühere Bayern-Profi, aktuell hauptverantwortlich für die Nachwuchsarbeit beim 1. FC Nürnberg, soll demnach ab dem 1. Juli eine zentrale Rolle am Campus übernehmen. Wiesinger gilt als Wunschkandidat, Details eines möglichen Wechsels sind allerdings noch zu klären.
Mit dieser Personalie würde sich auch die interne Zuständigkeit verschieben. Der Verantwortungsbereich für den Campus soll künftig nicht mehr bei Sportvorstand Max Eberl liegen, sondern an Sportdirektor Christoph Freund übergehen. In Zusammenarbeit mit Campus-Leiter Jochen Sauer und Wiesinger soll Freund die strategische Ausrichtung der Nachwuchsarbeit verantworten. Sauer wiederum soll entlastet werden, da er stark in das internationale Projekt „Red and Gold“ eingebunden ist.
Weinzierl zwischen Trainer-DNA und Manager-Profil

Für Markus Weinzierl stellt sich damit die grundsätzliche Frage nach seiner zukünftigen Rolle. Der gebürtige Straubinger, der beim FC Bayern einst seinen Ex-Spieler Halil Altintop ablöste, ist klar als Fußballpraktiker zu sehen. Genau hier liegt offenbar der Knackpunkt. Weinzierl bestätigte gegenüber der Augsburger Allgemeinen Gespräche über eine Neuausrichtung seiner Tätigkeit und machte dabei deutlich, dass sich das Profil des Sportlichen Leiters künftig stärker in Richtung Management, Verträge und Beraterkontakte verschieben werde.
„Das ist sicher weniger meins“, erklärte Weinzierl offen. Sein Wunsch sei es, nah am sportlichen Tagesgeschäft zu bleiben – entweder als Trainer oder als Sportdirektor. Idealerweise weiterhin am Bayern-Campus, aber nicht um jeden Preis.
Dass Weinzierl sportliche Kompetenz mitbringt, ist unbestritten. Als Trainer führte er den FC Augsburg 2014/15 auf Platz fünf und damit in die Europa League, gewann mit dem FCA sogar in München – ein bis heute historischer Moment. Diese Erfahrung floss auch in seine Arbeit beim FC Bayern ein.
Ob das mögliche Kommen Wiesingers automatisch Weinzierls Abschied bedeutet, ist derzeit offen. Intern wird betont, dass mehrere Lösungen denkbar seien. Klar ist jedoch: Der FC Bayern steht vor einer strategischen Entscheidung. Will man Weinzierls Trainer-DNA weiter nutzen, braucht es ein passendes Profil. Andernfalls könnte ein neues Kapitel beginnen – für beide Seiten
