Samuel Kuffour
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Der FC Bayern macht sich unsterblich

Bayern München hat eine lange Liste legendärer Spiele. National, europaweit und international hat sich die Mannschaft immer wieder gegen die stärksten Vereine durchgesetzt. Aber genauso glanzvoll, wie viele Siege des FCB sind, genauso blamabel und desaströs sind die peinlichsten Niederlagen der Bayern, oft gegen nahezu unbekannte Vereine.

Wir haben die Archive des FC Bayern durchforstet und Ihnen die spektakulärsten Siege und unglaublichsten Niederlagen zu präsentieren. Fangen wir an mit dem absolut größten Erfolg aller Zeiten für die Bayern.

Es war einmal das Jahr 2021…

Die Welt war ins Unglück gestürzt durch eine Pandemie ungeahnten Ausmaßes.

Die ganze Welt?

Nein, ein kleines Dorf in Gallien… ach nein, das ist eine andere Geschichte… Ein Verein in München, leistete erbitterten Widerstand gegen das Unglück. Und macht das weltweite Schreckensjahr 2021 zum größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte.

Der heilige Tag des FC Bayern München

Der 11. Februar 2021 wird wohl in Zukunft der heilige Tag für alle Fans des FC Bayern München sein. Der Tag, an dem sie den Fußball-Gott lobpreisen und Kränze vor dem Stadion des FCB niederlegen. Nachvollziehbar wäre es jedenfalls, denn das, was der Mannschaft um Trainer Hansi Flick in der Saison 2020/21 gelang, ist bisher nur dem finanziell um Längen besser ausgestatteten FC Barcelona (interessanterweise auch ein „FCB“ – ein gutes Omen?) gelungen.

Dass die Jungs aus München an diesem legendären 11. Februar das Sextuple perfekt machten, übersteigt jedes Vorstellungsvermögen. Bei so viel Glück hätten die Bayern nach dem Spiel wohl am besten noch einige Deutsche Online Casinos besuchen sollen, um diese Glückssträhne richtig auszuschöpfen. Und wer weiß, vielleicht haben sie das ja auch. Sei es drum, lassen Sie uns nun in jenen denkwürdigen Tag eintauchen.

Das Wunder geschah in Katar, genauer gesagt in Doha. Dort gelang den Bayern das alles entscheidende 1:0 gegen den UANL Tigres aus Mexiko. Damit dominierten die Bayern die Fußballwelt auf geradezu übermenschliche Weise. In einer Saison gewannen sie

  • Die Deutsche Meisterschaft
  • Den DFB-Pokal
  • Die Champions League
  • Den Supercup
  • Den europäischen Supercup
  • Und an jenem historischen Tag in Katar die Klub-WM

Der definitiv glorreichste Tag in der Vereinsgeschichte wird niemals vergessen werden. Aber es gab auch Tage, die aus einem anderen Grund unvergesslich geworden sind für die Bayern…

Dunkle Wolken ziehen auf über dem FC Bayern München

Spiele, die wie eine schwarze Gewitterwolke über den Erfolgen des FCB hängen. Düstere Tage voll Spott und Häme für den FCB. Und der wohl schrecklichste von allen ist der 14. August 1994. Ein Datum, das man fast gar nicht in den Mund nehmen darf… Es sei denn, man kommt aus dem beschaulichen Dörfchen Vestenbergsgreuth. Denn dort residiert der Dorfclub TSV Vestenbergsgreuth.

Und der traf im Jahre 1994 in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den Superclub FC Bayern München. Der Regionalligist gegen den König aller Bundesliga-Clubs. Das kleine Dorf, aus dem der Bayern-Killer kam, wurde von sage und schreibe gerade mal 350 Menschen bewohnt. Mehr ein Dörfchen als ein Dorf als. Und dieses Dorf trat den FCB in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal.

Die Schmach von Nürnberg

Schauplatz war das Nürnberger Frankenstadion. Zur Prime-Time, um 20:15, sahen 7,5 Millionen Menschen zu, wie Oliver Kahn, der Titan, das trockene 1:0 kassierte, das für immer in die Annalen der deutschen Fußballgeschichte einging. Neben Lothar Matthäus, Thomas Helmer, dem brasilianischen Weltmeister Jorginho, Markus Babbel, Mehmet Scholl und dem Super-Stürmer Papin fing sich der Titan die Klatsche seines Lebens.

Das Kopfballtor von Nürnberg ging nur Zentimeter an den Pranken des deutschen Hünen im Tor vorbei, in der 43. Minute. Zeit genug eigentlich, das Spiel noch zu drehen. Doch obwohl der FCB nach der Pause deutlich stärker wurde, wehrten sich die Underdogs aus Franken mit allem, was sie hatten. Und die Stimmung im Stadion kippte. Die Mannschaft aus dem 350-Seelen-Dorf beeindruckte die Zuschauer so, dass sogar ein stattlicher Teil der Bayern-Fans plötzlich den TSV Vestenbergsgreuth anfeuerten. Das machte die frustrierten Bayern-Profis aggressiv und das Spiel geriet zu einem Krimi.

In der Nachspielzeit hätten die Bayern dann fast noch den Ausgleich geschafft: Papin lupfte den Ball über den chancenlosen Torwart. Und der Ball senkte sich unaufhaltbar ins Tor – doch ein TSV-Spieler hechtete zum Ball und spitzelte ihn an den Pfosten. Nicht nur die Bayern, auch das Urgestein unter den Fußball-Kommentatoren, Bela Réthy, war fassungslos. Die Bayern flohen ohne Abklatschen in den Team-Bus, während der TSV seinen phänomenalen Sieg zelebrierte.

Die Schmach von Nürnberg ist seither tief in das Gedächtnis des FCB eingebrannt.

Ein Pokal, den sie alle begehren

Auch 2001 gab es einen Tag, der das Herz jedes Bayern-Fans höher schlagen ließ.

Keine Frage, die Rede ist vom 27. November 2001, dem Tag, an dem der FCB nach 25 Jahren wieder den Weltpokal gewann. Ottmar Hitzfeld war mit seiner Truppe nach Tokio gereist, um dort gegen den Südamerika-Meister Boca Juniors anzutreten.

Nach 1976, als Gerd Müller, Kaiser Franz Beckenbauer und Uli Hoeneß den Weltpokal für die Bayern holten, sollte es endlich wieder so weit sein. Verewigt haben sich an diesem Tag Größen wie Lizarazu, Willy Sagnol, Hargreaves, Nico Kovac, Giovane Elber, Claudio Pizarro, Titan Kahn und natürlich den Man of the Match und ewigen Pechvogel, Sammy Kuffour.

Doch der Sieg war hart umkämpft. Denn die beiden Mannschaften schenkten sich nichts und es hagelte Chancen – aber keine Tore. In der 45. Minute sprintete Marcelo Delgado auf den Kasten des Titan zu und ging zu Boden. Doch die Schiri-Legende aus Dänemark, Kim Milton Nielsen, erkannte korrekt auf Schwalbу und gab Delgado die zweite Gelbe Karte. Der musste vom Platz und so begann der FC Bayern die zweite Halbzeit in Überzahl.

Tokio war ein Schlachtfeld

Doch irgendwie wollte das Leder einfach nicht ins Tor gehen. Weder beim FCB noch bei den Boca Juniors. Es kam zur Verlängerung und das Spiel verlangte beiden Mannschaften alles ab unter der Sonne von Tokio. Fast sah es schon nach Elfmeterschießen aus, da schlug die Stunde des Sammy Kuffour. Denn in der 109. Minute holte Lizarazu eine Ecke heraus. Sforza führte aus, auf bugsierte das runde Leder in den Strafraum der Juniors. Der Keeper stürmte aus dem Tor – doch griff ins Leere. Und Torsten Fink nutzte das Durcheinander, um mit einem Kopfball ins Tor zu glänzen. Doch der Ball wurde in letzter Sekunde auf der Linie geklärt und fiel Sammy vor die Füße.

Der ewige Pechvogel donnerte den Ball aus einem Meter Entfernung trocken in den Kasten, sodass es schepperte. Es gab kein Halten mehr und Sammy riss sich das Trikot vom Leib. Der wichtigste Treffer im Leben des Sammy Kuffour besiegelte das Schicksal der Boca Juniors und machte die Mannschaft unter Ottmar Hitzfeld unsterblich und setzte den FCB nach 25 langen Jahren zurück an die Weltspitze.

Sie sehen, wir leben heute in einer gesegneten Zeit. Einen Sieg wie das Sextuple miterleben zu dürfen, dafür muss man wirklich dankbar sein. Wollen wir hoffen, dass der FCB uns noch viele solcher glamourösen Momente schenkt.