Champions-League-Ball
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Reden wir nicht drumherum: die Chancenberechnungen auf den Titel in der diesjährigen Champions League. Einerseits gilt: Beschäftigen Sie sich in diesen Tagen intensiv mit den Märkten oder auch nur mit einer fundierten Bundesliga Tipphilfe, merken Sie schnell, dass sich deren Signale inzwischen direkt in einer kontinentale Dominanz widerspiegeln lassen könnten. Und trotzdem quotieren die Wettanbieter und etwa Bet365 den FC Bayern München hinter Arsenal – vielleicht auch, weil die Gunners wiederum in England die Nase vorn haben.

Warum Arsenal in der Ligaphase unschlagbar zu sein scheint

Doch ein Blick auf die Tabelle der Premier League verrät, dass der Vorsprung der Gunners auf Manchester City mit sechs Punkten geringer ist als jener des FCB auf den BVB. Und Harry Kane & Co. netzten in der Bundesliga mehr als 60-mal – und damit um ein Drittel mehr als Arsenal in der EPL ein. Außerdem haben die Gunners keinen echten Goalgetter, ihr bester Schütze Bryan Mbeumo hält bei sechs Treffern aus 16 Partien. OK, das zeigt auch, dass sie weniger von einem einzigen Spieler abhängen. Denn fällt Kane aus, könnten angefangen bei Michael Olise auch andere treffen, aber Kane ist mit seinen 20 Toren eine Kategorie für sich.

Zudem wird Arsenal vor allem wegen einer makellosen Form in der Ligaphase mit sechs Dreiern aus ebenso vielen Auftritten mit einer Quote von plus minus 1,018 favorisiert. Das Team von Mikel Arteta kann sich also nur selbst schlagen und, ja, die Bayern unterlagen nur bei ihnen, am 26. November mit 1:3. Abseits davon haben sie fünf Dreier zu Buche stehen. In der Ligaphase kommen sonst nur PSG und Manchester City infrage, das mit den Skyblues punktgleiche Atalanta ist auf dem Papier ebenso aus dem Rennen wie Inter und Real Madrid.

Wie sich das plötzliche Real-Aus von Alonso niederschlagen könnte

Im Reiter für Langzeitwetten auf den Gesamtsieger listet Bet365 nach wie vor allem Teilnehmer, auch Kairat Almaty mit der 4501,00er-Quote. Auch dort rangieren die Bayern – diesmal mit der Quote von 5,50 – hinter Arsenal als der zweit-aussichtsreichste Konkurrent. Dahinter kommen Manchester City (7,00), PSG (8,00), Barcelona (10,00)… Und Real Madrid (11,00).

Es bleibt aber abzuwarten, ob sich bei der Quote auf den Triumph der Königlichen noch etwas tun wird. Denn sie trennten sich nach der Niederlage in der Supercopa, wenn auch als Zweiter in der LaLiga, Xabi Alonso. Die Ernennung von Álvaro Arbeloa als Interimslösung ohne jedelei Gerüchte auf die Nachfolge spricht für eine Art Schnellschuss. Es bleibt abzuwarten, wann und wie rasch sich auf der Trainerbank des Weißen Balletts etwas tun wird. Bis dahin wird mit Sicherheit eine ziemliche Unruhe herrschen, was, wenn auch gegen schlagbare Gegner wie Monaco und Benfica, Probleme bereiten könnte.

Warum der FC Bayern jetzt unaufhaltbar zu sein scheint

Bei den Bayern hingegen ist Vincent Kompany nicht wegzudenken und der sogenannte „Kompany-Ball“, der sich am besten als 2-2-6 im Ballbesitz beschrieben lässt, ist bei Weitem mehr als ein Pep-Guardiola-Remix, sondern viel mehr eine aggressive Weiterentwicklung gegen die Defensivblöcke im modernen Fußball. Das erklärt auch Kanes 20 Treffer in 16 Meisterschaftsspielen, agiert er doch ähnlich einer falschen Neun. Aber mit dem körperlichen Einsatz eines Zielspielers, während Michael Olise, der nun ins Training zurückgekehrte Jamal Musiala oder der ebenfalls stark performende Luis Díaz das letzte Drittel fluten. Dazu kommt die High-Line-Defense, welche aggressiv hochsteht, und deutlich weniger Großchancen-Konzessionen zulässt als in den vergangenen Saisons, mit deutlich mehr Umfallern als nur gegen Arsenal. In der Praxis sieht das Ganze so aus:

  • Kane bindet die Innenverteidiger logischerweise an sich und öffnet so die Räume für die nachstoßenden Läufer
  • Olise und bald auch Díaz besetzen das letzte Drittel gleichzeitig, das macht es schwer zu verteidigen
  • Das ganze System präsentiert sich damit einher weniger “Ein-Trick-Pony” als in der Vergangenheit

Trotzdem galt und gilt das 8:1 gegen den VfL Wolfsburg als eine Art Demonstration der Unabhängigkeit von Kane. Die Zeit wird zeigen, ob der FCB nur gegen die Wölfe nicht Kane-abhängig agierte. Es gab zwei Eigentore, davon spielte eines in der fünften Minute sicher in die Karten, dazu ein Doppelpack von Olise und die Treffer von Kane, Leon Goretzka, Raphaël Guerreiro und Díaz. Tritt der FCB so auf, verteilt sich die Gefahr, und das macht ihn speziell in K.-o.-Spielen schwer ausrechenbar. Was die Gegner zu konservativeren Plänen zwingt, und die Ballbesitzkontrolle von Kompanys Männern noch stärkt. Und ja, dieses Ergebnis direkt nach der Winterpause, während andere oft Trägheit nach den Feiertagen zeigen, könnte durchaus ein Beleg sein.

Eine ehrliche Einschätzung zum Weg nach Budapest

In der Ligaphase warten auf die Bayern noch das Heimspiel gegen Union Saint-Gilloise und die Partie bei PSV Eindhoven, bei denen alles auf eine Ausbeute von sechs Zählern spricht. Damit einher legen diese abschließenden Duelle ein Top-8-Finish und damit ein „Freilos“ für die Zwischenrunde nahe. Dazu kommt, dass bei einem ersten oder zweiten Platz der Zweite oder Sieger – also vermutlich Arsenal – erst im Finale von Budapest warten würde.

Zuvor wartet zumindest einmal im Achtelfinale ein schwächerer und logischerweise müderer Play-off-Teilnehmer. Trotzdem darf eine ehrliche Bilanz nicht fehlen. Kompanys hohe Linie lässt Räume hinter der Abwehr, und das könnte auch gegen Teams wie etwa Manchester City, PSG, Barcelona oder an sich auch gegen Real Madrid Probleme. Auch wenn die Bundesliga-Zahlen weniger einem Gegentor pro Spiel nahelegen, wird das Risiko gemanagt.