Harry Kane
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Wenn Sie Fußball regelmäßig mitverfolgen, haben Sie sicher häufig mitbekommen, dass manche Mannschaften früh ein Gegentor kassieren und dann auseinanderbrechen. Doch es gibt auch in der Bundesliga das eine oder andere Team, das doch hin und wieder einmal durchatmet und trotzdem die Partie dreht.

Hiervon bekommen Sie aber auch in den Bundesliga Tipps mit – und das ist auch wichtig so, weil das vieles über den Charakter der Mannschaft aussagt. Und ja, sogar mehr als Ballbesitzwerte oder die Expected-Goals-Statistik. Hierbei zeichnet sich nach dem Abschluss des 22. Spieltags ein klares Bild ab.

Weiter unten finden Sie die detaillierte Tabelle und wenn Sie dort mal durch die Zahlen scrollen, stolpern Sie unweigerlich über die Spalte mit den Punktanzahlen nach einem Rückstand. Dort haben der FC Bayern München und der SC Freiburg mit jeweils 15 Zählern die Nase vorn. Angesichts der sechs Punkte Vorsprung auf den BVB ist das beim FCB keine großartige Überraschung. Eindeutig mehr gilt das bei den achtplatzierten Breisgauern, und allein das erzählt schon eine Geschichte.

Von den Bayern nach Freiburg: unterschiedliche Wege zu einem gleichen Ergebnis

Der FC Bayern München und der SC Freiburg holten also in ihren bisherigen 22 Meisterschaftsspielen beide 15 Punkte nach Rückständen. Und das gelang ihnen nach jeweils vier Siegen und drei Unentschieden.

Doch darauf beschränken sich die Gemeinsamkeiten, weil die Art und Weise könnte unterschiedlicher nicht sein. Der Spitzenreiter besticht nun mal fast ausnahmslos mit ihrer Kombi aus Dominanz sowie individueller Klasse, die spätestens ab Minute 70 noch mal richtig Dampf macht. Der SC Freiburg dagegen punktet dank einer Disziplin, die auch dann wenn’s mal übel aussieht, nicht kippt.

Unmittelbar dahinter haben 1899 Hoffenheim und der VfB Stuttgart jeweils 13 Punkte zu Buche stehen. Das deckt sich mit den Platzierungen in der Tabelle, wobei die Kraichgauer und die Schwaben bei insgesamt 42 und 45 Punkten halten.

Überdies lag der VfB Stuttgart – damals wie von heute von Sebastian Hoeneß trainiert – bei Treffern nach der 76. Minute direkt hinter dem FC Bayern München. Auf den Plätzen fünf und sechs in der Comeback-Tabelle stehen Eintracht Frankfurt und der 1. FSV Mainz bei je neun Punkten. Und dahinter halten der 1. FC Köln, Werder Bremen und der 1. FC Heidenheim bei je sieben.

Doch auch das Schlusslicht ist mit RB Leipzig, das nach sieben Rückständen insgesamt einen Zähler mitnahm, überraschend. Viel mehr als einen Ausreißer stellt das ein echtes Problem dar.

Bundesliga-Statistik: Punkte nach Rückstand nach dem 22. Spieltag

VereinRückstände (Spiele)Siege nach RückstandRemis nach RückstandNiederlagenPunkte nach Rückstand
FC Bayern München843115
SC Freiburg1543815
TSG 1899 Hoffenheim1041513
VfB Stuttgart1141613
Eintracht Frankfurt141679
1. FSV Mainz 051623119
1. FC Köln1614117
Werder Bremen1614117
1. FC Heidenheim1821157
FC Augsburg1320116
FC St. Pauli1713136
Borussia Dortmund41215
Hamburger SV111285
Bayer 04 Leverkusen81164
1. FC Union Berlin130494
VfL Wolfsburg1402122
Borussia Mönchengladbach1201101
RB Leipzig70161

Bei den Bayern sind Rückstände keine Nebensächlichkeiten

Vincent Kompany installierte vor mittlerweile fast zwei Jahren ein auf extremer Ballkontrolle basierendes System. 57 Punkte nach 22 Spielen, 82 erzielte Tore würden ja schon ihre eigene Sprache sprechen, aber zudem kommt nach Gegentreffern nicht zu Hektik.

Wenn auch in der Champions League, und nicht in der Bundesliga, zählt die Begegnung gegen Sporting Lissabon im Dezember zu den Paradebeispielen. Nach einer torlosen ersten Spielhälfte köpfte Joshua Kimmich in Minute 54 ins eigene Tor. Doch dann drehten innerhalb von zwölf Minuten Serge Gnabry, Lennart Karl und Jonathan Tah das Spiel zu einem 3:1.

Vorne hängt natürlich viel an Harry Kane. 25 Saisontore allein in der Bundesliga sind schon jetzt eine Ansage. Michael Olise bringt die nötige Kreativität mit, Luis Diaz hat sich als Waffe gegen tief stehende Abwehrreihen etabliert. Wenn ein Gegner nach seinem Führungstreffer den Laden dichtmacht, brauchen Sie Typen, die trotzdem Lösungen finden. Der FCB hat davon gleich mehrere im Kader.

Borussia Dortmund zeigt sich stabil, Comeback-Könige sind sie noch nicht

Schon an den nackten Zahlen sieht man, dass Niko Kovac hat dem BVB Stabilität brachte. 51 Punkte, Platz zwei – und nur vier Rückstände untermauern nun mal eine solide Grundordnung. Doch es gibt eine Kehrseite der Medaille, dank danach holten sie ausschließlich von Zählern mit.

Die Belastung durch die Klub WM und der damit verbundenen kurzen Vorbereitung sowie die Champions League setzten Borussia Dortmund zu. Und das, obwohl Kovac oft hybrid arbeitet – soll heißen: im Aufbau dreierartig, gegen den Ball kann daraus eine Fünferkette werden. Damit verhindert der Kroate einerseits viele Tore, aber andererseits fehlt manchmal die letzte Konsequenz. Das 3:3 gegen den VfB Stuttgart am 22. November, bei dem der BVB nicht in Rückstand geriet, war so ein Spiel.