Julian Nagelsmann
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In der Bundesliga Saison 2021/2022 steht am kommenden Wochenende der dritte Spieltag an. Bayern München wird am Samstag Hertha BSC Berlin begrüßen dürfen, die nach der noch kurzen Spielzeit auf dem letzten Tabellenplatz stehen. Eine Niederlage in Köln und der späte Doppelpack von Wolfsburg am vergangenen Samstag sorgten für bisher punktlose Hauptstädter. Für den FCB begann diese Saison ebenfalls nicht wie gewohnt souverän. Ein Unentschieden im ersten Spiel gegen Borussia Mönchengladbach, bei dem sich nach strittigen Elfmeterszenen auch über eine Niederlage nicht hätte beschwert werden können. Im Sonntagsspiel gegen den 1. FC Köln verspielte man erst eine 2:0 Führung, ehe Serge Gnabry den erlösenden Treffer, 20 Minuten vor Ende erzielte. Von einem Fehlstart kann man dabei gewiss nicht sprechen, denn lediglich der VfL Wolfsburg konnte bisher beide Partien gewinnen. Nichtsdestotrotz scheint es der Abwehr, wie auch in der vergangenen Spielzeit, noch an Stabilität zu fehlen, denn beide Gegentore gegen Köln fielen in unter 100 Sekunden. Am Schluss war es dennoch ein mehr oder weniger lässiger Sieg und dass die Münchner gewohnt souverän sein können, zeigte auch das Supercup-Finale gegen Borussia Dortmund. Zweimal Lewandowski und einmal Thomas Müller bescherten den ungefährdeten 3:1 Sieg, in einer hochklassigen Partie, in der Marco Reus lediglich der Anschlusstreffer gelang.

Für das Spiel gegen Hertha Berlin werden keine besonderen Überraschungen erwartet und zieht man den Sportwetten Test zu Rate und vergleicht die Quote der Buchmacher, geht der FCB als glasklarer Favorit in die Partie. Anschließend gibt es eine einwöchige Länderspielpause, ehe es am 11. September gegen den Ex-Club von Trainer Julian Nagelsmann und Verteidiger Dayot Upamecano, RB Leipzig, weitergeht. Auch dort wird der Rekordmeister aller Voraussicht nach als Favorit ins Spiel gehen, immerhin konnten sie gegen die Leipziger sieben der bisherigen zwölf Partien gewinnen. Nur einmal, Anfang 2018, konnte RB die Bayern bezwingen, viermal endete es in einem Unentschieden.

Kader fehlt die Tiefe

Dass die Münchner auch im europäischen Vergleich einen hervorragenden Kader haben, ist unbestritten. Doch vermehrt ist zu vernehmen, dass die Tiefe der Mannschaft selbst in der Bundesliga eventuell zu gering ist. Dabei geht es nicht um die Startelf, bei denen der FCB nach wie vor zur Weltspitze gehört, sondern viel mehr um die Ausgeglichenheit der Qualität aller Spieler des Vereins. Und dieser Aspekt ist zugegebenermaßen nicht allzu überzeugend bei den Münchnern. Bedenkt man also Sperren, Verletzungen und Überbelastung, sind es mit Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League drei Wettbewerbe, in denen der FCB hohe Ansprüche hat und für die man einen breiten Kader benötigt. Kürzlich äußerte sich Lothar Matthäus zu dem Thema und gibt an, dass er sowohl den BVB als auch RB Leipzig in der Breite besser aufgestellt sieht, um auf jegliche Eventualitäten zu reagieren.

Eine nicht ganz unbegründete These, denn die Bayern hatten den Abgang des ein oder anderen Qualitätsspielers zu verkraften. Allen voran Innenverteidiger David Alaba, den es zu den Königlichen nach Real Madrid verschlug. Javi Martínez wechselte nach fast neun Jahren in München nach Qatar, wo er seine Karriere ausklingen lassen möchte. Auch Jérôme Boateng steht nicht mehr in den Diensten des Rekordmeisters und ist aktuell noch ohne einen neuen Verein. Alle drei Spieler sind bereits im fortgeschrittenen Alter und der Abgang ist aus Sicht des Vereins durchaus verständlich. Die Frage nach adäquatem Ersatz stellt sich allerdings trotzdem. So wechselte Upamecano vom Ligakonkurrenten Leipzig an die Säbener Straße. Der Franzose ist aber erst 22 Jahre jung und hat somit vor allem auf der internationalen Bühne wenig Erfahrung. Ansonsten kamen viele junge Talente von Leihgeschäften zurück zu den Münchnern, deren Einsatzzeiten aber höchstwahrscheinlich relativ begrenzt bleiben, vor allem in der Champions League. Dazu kommen die aktuell angeschlagenen Spieler Benjamin Pavard und Lucas Hernández, die beiden des öfteren mit Blessuren zu kämpfen hatten. Wie fit sie zurückkehren, beziehungsweise wann sie der Mannschaft von Julian Nagelsmann wieder mit vollen Kräften zur Verfügung stehen, bleibt daher abzuwarten. Hinzu kommt außerdem die kleine Formkrise, in der sich Leroy Sané aktuell befindet. Den 25-Jährigen scheint momentan das Glück etwas verlassen zu haben, wofür er von Medien und Fans gleichermaßen Kritik erntet. Die Anhänger des FCB ließen sich sogar unnötigerweise dazu hinreißen, seine Auswechslung beim Heimspiel gegen Köln zu beklatschen. Eine Aktion die bei den Spielern und Verantwortlichen im Verein nicht gut ankam. Dass Sané seiner Form hinterherläuft, kann allerdings nicht bestritten werden, genauso wenig wie sein Talent und Potenzial. Doch auch der neue Bundestrainer Hansi Flick zieht seine Konsequenzen daraus. Für die anstehenden Länderspiele plant er aller Voraussicht nach ohne seinen ehemaligen Schützling.

Noch bestehen Transferoptionen

So wirklich aus dem Vollen schöpfen, kann Bayern München also nicht. Auch wenn Nagelsmann als herausragender Taktiker eventuell einige Mankos beheben kann, wird sich spätestens mit der Dreifachbelastung während der europäischen Wettbewerbe zeigen, wie gut die Bayern mit ihrem Kader haushalten können. Noch ist das Transferfenster in Deutschland geöffnet, ehe es am 31. August die Pforten schließt. Unter anderem sind in diesem Zusammenhang die Namen Marcel Sabitzer und Jonas Hofmann gefallen, konkrete Stellungnahmen gibt es dazu allerdings noch nicht. So bleibt vorerst zu hoffen, dass die angeschlagenen Spieler rasch zurückkommen und der FCB von Verletzungen verschont bleibt. Ansonsten wird Nagelsmann alles dafür tun, die zahlreichen Ergänzungsspieler im Kader zu einer echten Hilfe zu entwickeln. Funktioniert hat das bereits bei Rechtsverteidiger Josip Stanisic, der bislang durchaus positiv überraschen konnte.

Weitere positive Nachrichten kommen von den Stammkräften Joshua Kimmich und Leon Goretzka. Die beiden zentralen Mittelfeldspieler gehören zu den absoluten Leistungsträgern im Verein und sollen ihre Verträge nun verlängern. Kimmich setzte seine Unterschrift kürzlich unter den bis 2025 laufenden Vertrag, bei dem er sich ohne externen Berater selbst vertrat. Für Verein und Fans eine großartige Nachricht, denn kaum einer lebt das Motto des Clubs „Mia san mia“, so wie der ehrgeizige Sechser. Ihm soll sein Kollege und Freund Goretzka nun folgen und einen Vertrag bis voraussichtlich 2026 unterzeichnen. Damit bindet der FCB wichtige Spieler langfristig an den Verein und auch Coach Nagelsmann hat einen Kontrakt bis 2026. Die Weichen der Zukunft werden also langsam gestellt, ob sich der Kader allerdings noch verbreitert, bleibt in den nächsten Wochen abzuwarten.