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Foto: JOSEP LAGO/AFP via Getty Images

Der große FC Barcelona, der als Neymar-Alternative gerade eben noch anscheinend Bayerns Kingsley Coman ins Visier genommen hat, droht aktuell endgültig im Chaos zu versinken.

Die Spannungen im andauernden Wortkrieg zwischen dem aktuellen Präsidenten des FC Barcelona Josep Maria Bartomeu, der neben seiner Tätigkeit im Fußball auch noch geschäftsführendes Vorstandsmitglied der sogenannten ADELTE Group, einem Unternehmen für Hafen- und Flughafentechnik, sowie des Systemwartungsunternehmen EFS ist, und dem zurückgetretenen Ex-Vize-Präsidenten Emili Rousaud, seines Zeichens Gründer des unabhängigen spanischen Elektro-Riesen Factor Energía, nehmen von Tag zu Tag zu und haben aktuell einen neuen Höhepunkt erreicht.

Rousaud ist bereit, mit Bartomeu in einen Rechtskrieg zu ziehen. Der kürzlich zurückgetretene Ex-Vizepräsident ist der Ansicht, dass „Korruption im Camp Nou offensichtlich ist“ und dass die jüngste Reaktion des Clubs auf seine ursprünglichen Behauptungen lediglich ein Versuch war seine persönliche Ehre zu beschmutzen.

Rousaud trat kürzlich zusammen mit fünf anderen Vorstandsmitgliedern zurück, um dagegen zu protestieren, wie der FC Barcelona auf höchster Ebene geführt wird.

Die Rücktritte folgten unter anderem nach einem Social-Media-Skandal – dem sogenannten „BarcaGate“ – in dem angeblich Bartomeu ein Unternehmen engagiert hatte, um sein Image im letzten Jahr seiner Präsidentschaft zu verbessern, indem hochkarätige Persönlichkeiten innerhalb des Vereins diskreditiert wurden.

Im Februar gab der spanische Radiosender Cadena SER an, dass der FC Barcelona ein unabhängiges Social-Media-Unternehmen für Twitter, Facebook, Instagram und dergleichen unter Vertrag genommen habe, um die öffentlichen Profile des Präsidenten sowie seiner Vorstandsmitglieder zu stärken.

Es wurde jedoch auch behauptet, dass die I3 Unternehmen ebenfalls die Aufgabe hatten, Personen mit starken Verbindungen zum Verein zu untergraben, darunter Messi, Xavi, Verteidiger Gerard Pique sowie der frühere Trainer Pep Guardiola.

Bartomeu hingegen bestritt die Vorwürfe: „Zunächst muss ich sagen, dass Barcelona keinen Dienst eingestellt hat, um jemanden zu diskreditieren. Weder Spieler noch Führungskräfte oder Ex-Präsidenten. Das ist völlig falsch. Also werden wir uns in Bezug auf dieses Thema auf jeden Fall verteidigen, und zwar gegen all jene, die uns dies vorwerfen. Ich wiederhole noch einmal, es stimmt nicht, dass Barcelona jemanden angeheuert hat, um Menschen zu diskreditieren.“

Des Weiteren erklärte Bartomeu: „Es ist richtig, dass Barcelona Ende 2017 einen Dienst eingestellt hat, um verschiedene Bereiche des Clubs in den sozialen Medien zu überwachen, wie es auch die Mehrzahl anderer Clubs getan hat. Nach der Bestätigung, dass eines der mit einem Lieferanten dieses Unternehmens verknüpften Konten unangemessene Kommentare zu Personen abgegeben hat, die mit unserer Organisation in Verbindung stehen, habe ich persönlich Anweisungen gegeben, den Vertrag mit diesem Unternehmen zu kündigen. Und Ich möchte etwas klarstellen, und zwar In Bezug auf die Frage: ‚Haben wir jemandem befohlen, soziale Medien zu überwachen?‘. Hier lautet die Antwort definitiv ja – und wir würden dies wieder tun. Es liegt in der Verantwortung dieses Vereins, zu wissen, was auf der ganzen Welt los ist und was gesagt wird, um die Marke Barcelona zu schützen. In Bezug auf die Frage: ‚Haben wir befohlen, Menschen oder Institutionen über soziale Medien zu diskreditieren?‘ lautet die Antwort nein – und wir werden gegen jeden rechtliche Schritte einleiten, der das Gegenteil behauptet.“

Im Anschluss daran erklärte Rousaud weiter, dass jemand „seine Finger“ in der Schatzkammer des Vereins habe, dass Dienstleistungen zu einem Preis bezahlt worden sind, welcher weit über dem „normalen“ Marktwert liege, und dass die Vermittler die entsprechende Differenz einkassieren würden.

Eine laufende externe Prüfung sollt nachweisen, ob dies der Fall ist, mit dem Ziel, dass der Bericht innerhalb der nächsten zwei Wochen veröffentlicht werden kann.

In der Zwischenzeit bereitet sich Rousaud auf den bevorstehenden Rechtsstreit vor und besteht weiterhin darauf, dass illegale Zahlungen in kleinen Raten geleistet wurden, um die erforderliche Zustimmung der höheren Mitglieder der Clubhierarchie zu umgehen.

In einer Erklärung gegenüber der spanischen Sportzeitung Mundo Deportivo sagte Rousaud:

„Um auf die Ankündigung des Sprechers des FC Barcelona zu antworten, eine Strafanzeige gegen mich wegen der Aussagen zum sogenannten ‚BarcaGate‘-Fall einzureichen, möchte ich Folgendes festhalten:

1. Das Vorhandensein von Korruption innerhalb des Clubs zeigt sich darin, dass bereits nachgewiesen wurde, dass Verträge zwischen verbundenen Unternehmen (eines mit Sitz in einer Steueroase, was klar gegen das Gesetz zur Verhinderung von Geldwäsche verstößt) in Raten gezahlt wurden, um Interne Kontrollen zu umgehen.

2. Die Aussagen, die ich zu dieser Angelegenheit gemacht habe, sind absolut wahr und nachweisbar. Die von mir geäußerten Meinungen sind absolut begründet, so dass ich feststellen kann, dass die angekündigte Beschwerde überhaupt keine Grundlage hat.

3. Als ich den Club auf diese Unregelmäßigkeiten aufmerksam machte, wurde dies leider zur Ursache meines Rücktritts. Es ist jedoch nicht zu unterschätzen, dass eine moralische und rechtliche Verpflichtung besteht, irreguläre Handlungen, die Straftaten darstellen können, öffentlich zu melden.

4. In dieser Situation behalte ich mir das Recht vor, rechtliche Schritte zur Verteidigung meiner berechtigten Interessen und Rechte einzuleiten, insbesondere wenn ich bedenke, dass es sich bei der angekündigten Beschwerde angesichts ihres tatsächlichen Zwecks um eine Straftat falscher Anschuldigungen sowie eine Straftat der Beleidigung handelt – und das alles nur um meine persönliche Ehre zu beschmutzen. Diese Angelegenheit liegt in den Händen meines Anwalts, Herrn Diego Artacho.

5. Ich habe nie die Ehrbarkeit unseres geliebten Clubs und seiner Mitarbeiter in Frage gestellt – im Gegenteil. Ich fühle mich sehr geehrt, meinem geliebten FC Barcelona dienen zu können und die Gelegenheit gehabt zu haben, Leute zu treffen, die innerhalb des Vereins mit großem Aufwand arbeiten und sowohl berufliche als auch menschliche Qualitäten mitbringen.

6. Meine Absicht war es stets, dass meine Arbeit von Anfang an mit den Interessen des Vorstands übereinstimmen, bewerkstelligt durch Maßnahmen, die von Transparenz, Ehrlichkeit und Respekt geleitet werden, um das Vertrauen, das bei den vergangenen Wahlen in den Vorstand gesetzt wurde, nicht zu enttäuschen.“

Es sieht also danach aus, als hätte der große FC Barcelona nicht nur an der aktuell sowieso schon generell schwierigen Situation im Fußball ordentlich zu knabbern, sondern dass der Verein auch anderweitig in eine unsicher Zukunft steuert, zumal die Gerüchte lauter werden, dass der aktuelle Skandal dazu führen könnte, dass Superstar Lionel Messi (der erst vor kurzem die Bayern Stars Kimmich und Parvard explizit gelobt hat) diesmal wirklich LaLiga den Rücken kehrt, um im Herbst seiner Karriere eventuell nochmal eine neue Herausforderung zu suchen – vor allem im Anbetracht der bevorstehenden WM 2022 in Katar, bei welcher Argentinien laut Buchmachern dank einer Quote von 13.0 (Betway – Stand: 17.04.2020) sicher keine unrealistischen Chancen auf den WM-Titel hat … jener Titel, der dem Superstar noch fehlt, um seine sowieso schon außergewöhnliche Karriere endgültig zu vergolden.