„Hätte mir die Hand brechen können“: Bayern-Legende rechnet mit Guardiola ab

Sebastian Mittag
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Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt blickt auf seinen großen Streit mit Pep Guardiola beim FC Bayern zurück – und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Spanier.

Mehr als ein Jahrzehnt nach seinem spektakulären Rücktritt beim FC Bayern hat Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt noch einmal ausführlich über seinen Konflikt mit Pep Guardiola gesprochen. Der langjährige Mannschaftsarzt der Münchner macht deutlich, wie tief die Differenzen zwischen ihm und dem damaligen Bayern-Trainer tatsächlich waren.


Müller-Wohlfahrt hatte 2015 nach 38 Jahren beim FC Bayern gemeinsam mit seiner medizinischen Abteilung sein Amt niedergelegt. Auslöser waren massive Meinungsverschiedenheiten über die medizinische Betreuung der Spieler. Im Gespräch mit der BILD schildert der heute 84-Jährige nun, wie emotional die Auseinandersetzungen damals teilweise verliefen.

„Wir hatten Aussprachen, ich kann nur sagen: Es waren manchmal heftige Dispute. Ich habe einmal auf den Frühstückstisch gehauen, da war das Geschirr von den Spielern noch draufgestanden. Das hat nur so gescheppert. Ich hätte mir die Hand brechen können. Aber es hat nichts genutzt.“

Müller-Wohlfahrt kritisiert Guardiolas Umgang mit der Medizin

Besonders schwer wog für Müller-Wohlfahrt offenbar das Gefühl, dass Guardiola seine medizinische Arbeit grundsätzlich infrage stellte. Der langjährige Bayern-Arzt verweist darauf, dass seine Abteilung zuvor sogar internationale Anerkennung erhalten habe.

„Die medizinische Abteilung hat zu meiner Zeit hervorragende Arbeit geleistet. Sie wurde damals von der UEFA als vorbildliche medizinische Abteilung bei Kongressen dargestellt. Ich war immer um Gewissenhaftigkeit und Seriosität bemüht. Ich habe nie, nie, nie irgendeinen Kompromiss gemacht. Ich war immer straight, immer seriös. Und mich konnte keiner aus der Bahn werfen.“

Pep Guardiola
Foto: IMAGO

Als zentralen Streitpunkt nennt Müller-Wohlfahrt den Umgang mit Thiago. Nach seiner Darstellung hielt Guardiola die von der medizinischen Abteilung prognostizierte Ausfallzeit für zu lang und ließ den Mittelfeldspieler in Spanien behandeln.

„Uli war immer korrekt und hat den Doktor gewähren lassen. Und dann kommt ein spanischer Trainer und sagt, Spanien ist in allem viel besser. Was ihr hier macht, das ist ja nichts wert. Sechs Wochen Pause waren ihm zu lang, er schickte den Spieler nach Spanien. Und dann wurde aus meinen sechs Wochen ein Jahr Pause. Ich war sauer, dass wir so kompromittiert wurden. Das konnte ich nicht akzeptieren“, so Müller-Wohlfahrt.

Auch heute scheint das Verhältnis zwischen den beiden belastet zu sein. Eine Aussprache mit Guardiola hält Müller-Wohlfahrt für wenig sinnvoll.

„Er ist nicht belehrbar“

„Nein. Es macht keinen Sinn. Man spricht von einem Alphatier. Er ist nicht belehrbar. Glaube ich jedenfalls. Er ist sauer auf mich. Auch wenn wir uns irgendwo über den Weg laufen. Paul Breitner hat mich jetzt aufgeklärt, dass in Spanien der Trainer als Mister über allem steht, auch über der Medizin. Wenn ich das damals gewusst hätte, dass ein spanischer Trainer so ein Übermensch ist, hätte ich vielleicht anders mit ihm umgehen können.“

Nach Guardiolas Abschied kehrte Müller-Wohlfahrt 2017 unter Jupp Heynckes zum FC Bayern zurück. Die Zusammenarbeit beschreibt er rückblickend als komplettes Gegenmodell zur Guardiola-Zeit. Besonders die Einbindung der medizinischen Abteilung in die tägliche Trainingssteuerung sei deutlich enger gewesen.

Auch dabei teilt Müller-Wohlfahrt noch einmal gegen den früheren Bayern-Coach aus: „Guardiola hatte nicht mal das Aufwärmtraining nach meiner Empfehlung machen wollen.“

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