Der FC Bayern kommt beim FC Augsburg nicht über ein 2:2 hinaus. Drei Erkenntnisse zum verpatzten Neustart nach der Länderspielpause.
Der FC Bayern ist mit einem Dämpfer aus der Länderspielpause zurückgekehrt. Beim FC Augsburg kam die Mannschaft von Vincent Kompany trotz zahlreicher Chancen nicht über ein 2:2 hinaus. Das Spiel lieferte diese Erkenntnisse:
1. Neuer brockt sich eine Torwartdebatte ein
Manuel Neuer erwischte in Augsburg einen ganz schwachen Nachmittag. Beim 0:1 nach nur acht Sekunden leistete sich der 40-Jährige einen kapitalen Fehler. Nach einem Rückpass bekam Neuer den Ball nicht sauber unter Kontrolle und spielte ihn anschließend genau in die Füße von Robin Fellhauer, der die frühe Führung erzielte.
Auch beim zweiten Gegentor machte der Bayern-Kapitän keine glückliche Figur. Den Schuss von Calvin Brackelmann wehrte Neuer so ab, dass Rodrigo Ribeiro zum 2:1 abstauben konnte. Neuer kassierte dafür die FCBinside-Note 6.
Max Eberl fand anschließend ebenfalls deutliche Worte. Das erste Gegentor sei „ein klarer Fehler“ gewesen und gehe auf Neuers Kappe. Der Torhüter selbst sprach später von einem „blöden Fehler“ und räumte ein, dass er eine andere Entscheidung hätte treffen müssen.
Natürlich macht ein schwacher Nachmittag Neuer natürlich nicht automatisch zur Nummer zwei. Dennoch kommt dieser Auftritt für ihn zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich war die Rollenverteilung für diese Saison klar: Neuer ist die Nummer eins, Jonas Urbig soll sich dahinter weiterentwickeln und perspektivisch übernehmen.
Diese Debatte könnte nun früher Fahrt aufnehmen als von den Bayern geplant. Urbig kommt mit Rückenwind aus der Nationalmannschaft zurück und hat dort zuletzt zweimal zu null gespielt. Zudem könnte der 23-Jährige bereits am Dienstag in der Champions League bei Viking Stavanger zum Einsatz kommen – unabhängig von Neuers Fehlern in Augsburg.
Sollte Urbig in Norwegen überzeugen, würde das die Diskussion weiter befeuern. Neuer hat sich mit seinem Auftritt in Augsburg zumindest selbst in eine Situation gebracht, in der seine nächsten Leistungen noch genauer beobachtet werden dürften.
2. Karl und Bischof bleiben bei Bayern weiter hintendran
Lennart Karl und Tom Bischof sorgten während der Länderspielpause bei der deutschen Nationalmannschaft für viel Aufmerksamkeit. Karl stand beim 0:0 gegen Griechenland sogar in der Startelf und spielte 63 Minuten. Bei Bischof entwickelte sich zuletzt eine Diskussion darüber, ob er perspektivisch sogar Druck auf Joshua Kimmich ausüben könnte.
Bei Bayern sieht die Hierarchie weiterhin deutlich anders aus.
Gerade das Spiel in Augsburg war dafür aufschlussreich. Nach einer schwachen ersten Hälfte benötigte der FCB dringend neue Impulse. Kompany reagierte in der 67. Minute zunächst mit Serge Gnabry für Ismael Saibari. Gleichzeitig kam Nathaniel Brown für Josip Stanisic.
Karl und Bischof mussten dagegen weiter warten. Erst in der 87. Minute brachte Kompany beide Youngster. Karl ersetzte Luis Díaz, Bischof kam für Aleksandar Pavlovic. Mehr als wenige Schlussminuten blieben beiden nicht.
Vor allem bei Karl ist das bemerkenswert. Um den 18-Jährigen ist in den vergangenen Wochen ein regelrechter Hype entstanden. Sein Marktwert ist stark gestiegen, internationale Topklubs haben ihn im Blick und selbst bei der Nationalmannschaft durfte er bereits von Beginn an ran. Wenn Bayern in einem engen Spiel aber offensiv nachlegen muss, gehört Karl derzeit offenbar noch nicht zu Kompanys ersten Optionen.
Ähnlich sieht es bei Bischof aus. Kompany hatte bereits vor dem Augsburg-Spiel deutlich gemacht, dass die Leistungen bei der Nationalmannschaft seine Hierarchie beim FC Bayern nicht verändern würden. In Augsburg folgte die Bestätigung: Kimmich und Pavlovic begannen erneut gemeinsam, Bischof musste bis kurz vor Schluss warten.
Karl und Bischof gehören zu den spannendsten Zukunftsspielern im Kader. Der aktuelle Stand zeigt jedoch: Bei Bayern müssen sich beide eine größere Rolle weiterhin erarbeiten.
3. Fehlstart in die heißen Wochen
Nach der langen Länderspielpause beginnt für den FC Bayern nun eine intensive Phase mit einem dicht getakteten Programm in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal. Genau in diesen Block wollte die Mannschaft mit Schwung starten. Stattdessen steht zum Auftakt ein 2:2 in Augsburg.
Das Remis ist vor allem deshalb ärgerlich, weil sich bereits vor dem Anpfiff eine große Gelegenheit ergeben hatte. Borussia Dortmund hatte gegen Werder Bremen ebenfalls Punkte liegen lassen. Mit einem Sieg beim FCA hätte Bayern die Tabellenführung übernehmen können. Diese Vorlage blieb ungenutzt.

Dabei hatte Kompany vor dem Spiel noch betont, dass sein Kader für das straffe Programm bereit sei. Der erste Auftritt nach der Pause passte dazu nur bedingt. Bayern erspielte sich zwar zahlreiche Möglichkeiten und kam auf 29 Abschlüsse, wirkte aber vor allem in der ersten Halbzeit fahrig und leistete sich ungewöhnlich viele technische Fehler. Hinzu kamen die vermeidbaren Gegentore.
Der Neustart in die kommenden wichtigen Wochen ist den Bayern misslungen. Viel Zeit zum Ärgern bleibt ohnehin nicht: Schon am Dienstag wartet in der Champions League Viking Stavanger. Dort müssen die Bayern zeigen, dass das 2:2 in Augsburg tatsächlich nur ein kleiner Dämpfer war.

