Die Kritik an Manuel Neuer wird nach dem 2:2 des FC Bayern gegen den FC Augsburg immer lauter. Der 40-Jährige verschuldete mit einem folgenschweren Patzer den frühen Rückstand und sah auch beim zweiten Gegentreffer nicht besonders glücklich aus. Während viele Fans inzwischen einen Wechsel im Bayern-Tor fordern, erhält Neuer prominente Rückendeckung. Ehrenpräsident Uli Hoeneß hält die Diskussion um ein mögliches Karriereende des Torhüters für völlig überzogen.
Ausgerechnet im Bundesliga-Derby gegen Augsburg erwischte Neuer einen denkbar schlechten Start. Bereits nach acht Sekunden brachte Robin Fellhauer die Gastgeber in Führung, nachdem der Bayern-Kapitän bei einem Klärungsversuch einen folgenschweren Fehler begangen hatte.
Der Treffer stellte einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Noch nie zuvor war in der Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse ein Tor so früh gefallen.
Nach dem Abpfiff entbrannte in den sozialen Netzwerken eine intensive Diskussion über Neuers Zukunft. Zahlreiche Anhänger forderten, dass Jonas Urbig künftig mehr Einsatzzeiten erhalten und perspektivisch die Rolle als Nummer eins übernehmen sollte.
Hoeneß verteidigt Neuer: „Jeder darf sich einen Fehler erlauben“
Am Rande der Verleihung des Bayerischen Sportpreises wurde Hoeneß von der BILD auf die anhaltende Torwart-Diskussion angesprochen.
Auf die Frage, ob sich Neuers Zeit beim FC Bayern langsam dem Ende nähere, reagierte der 74-Jährige unmissverständlich. „Nein, überhaupt nicht. Jeder darf sich ab und zu einen Fehler erlauben. Und ich finde die gleiche Diskussion um Joshua Kimmich total lächerlich“, erklärte Hoeneß.
Damit stellte sich der Bayern-Ehrenpräsident demonstrativ hinter zwei seiner wichtigsten Führungsspieler.
Auch Kimmich war zuletzt nach seinen Auftritten in der deutschen Nationalmannschaft öffentlich kritisiert worden. Für Hoeneß sind beide Debatten offensichtlich überzogen.
Seine Botschaft ist klar: Einzelne schwächere Leistungen ändern nichts an der grundsätzlichen Wertschätzung für langjährige Leistungsträger.
Neuer räumt eigenen Fehler ein

Neuer selbst versuchte nach dem Augsburg-Spiel gar nicht erst, seinen Patzer schönzureden. Der Weltmeister von 2014 zeigte sich selbstkritisch und übernahm die Verantwortung für den frühen Gegentreffer.
„Es war ein blöder Fehler von mir. Ich musste mir den Ball auf links legen, weil ich von rechts von zwei Leuten angelaufen wurde“, erklärte der Bayern-Kapitän.
Anschließend räumte er ein, dass er die Situation anders hätte lösen müssen.
„Dann habe ich versucht, eine Lösung zu finden. Aber ich hätte einfach eine andere Entscheidung treffen müssen.“
Allerdings war Neuers Fehler nicht der einzige Grund für den Punktverlust. Die Mannschaft von Vincent Kompany ließ im weiteren Spielverlauf zahlreiche hochkarätige Möglichkeiten ungenutzt.
Urbig wartet auf seine nächste Chance
Unabhängig von der Rückendeckung durch Hoeneß dürfte die Diskussion um die Zukunft im Bayern-Tor weitergehen.
Mit Jonas Urbig steht bereits ein möglicher Nachfolger bereit. Der 23-Jährige überzeugte zuletzt bei seinen Einsätzen für die deutsche Nationalmannschaft und hofft auf weitere Spielpraxis beim Rekordmeister.
Schon beim kommenden Champions-League-Spiel gegen Viking Stavanger könnte Urbig eine Chance erhalten. Eine mögliche Rotation soll allerdings bereits vor Neuers schwachem Auftritt gegen Augsburg diskutiert worden sein.
Von einer dauerhaften Wachablösung kann deshalb derzeit keine Rede sein. Zumindest Uli Hoeneß sieht keinen Anlass, die Ära Neuer beim FC Bayern vorzeitig für beendet zu erklären.

