Das 2:2 des FC Bayern beim FC Augsburg sorgt auch nach dem Abpfiff für Diskussionen. Neben den zahlreichen vergebenen Torchancen und dem frühen Patzer von Manuel Neuer steht vor allem eine umstrittene VAR-Entscheidung im Mittelpunkt. In der 51. Minute wurde ein Treffer von Luis Díaz wegen einer Abseitsstellung aberkannt. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich hält diese Entscheidung allerdings für falsch.
Die Szene ereignete sich kurz nach der Halbzeitpause. Joshua Kimmich brachte einen Freistoß in den Augsburger Strafraum, bei dem Josip Stanisic im Abseits stand. Die Gastgeber konnten den Ball anschließend klären, ehe die Bayern erneut in Ballbesitz kamen und einen neuen Angriff aufbauten.
Diesen schloss Díaz erfolgreich ab. Doch der Treffer wurde nach einer Überprüfung durch den Videoassistenten zurückgenommen. Ausschlaggebend war die vorausgegangene Abseitsstellung von Stanisic.
„Sehr, sehr strittige Entscheidung“
Für Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich war der Eingriff des Videoassistenten nicht nachvollziehbar. Der ehemalige Bundesliga-Referee erklärte bei Sky, warum er den Treffer hätte anerkennen lassen.
„Es liegt eine Abseitssituation vor und dann wird der Ball eigentlich vom Spieler völlig frei wieder rausgespielt. Das heißt, die Situation ist beendet und dann kommt der nächste Eingriff“, analysierte Ittrich.
Aus seiner Sicht war die ursprüngliche Abseitssituation durch die Klärungsaktion der Augsburger bereits abgeschlossen. Dass die Bayern anschließend erneut an den Ball kamen und einen weiteren Angriff starteten, sei deshalb entscheidend.
„Das ist diese klassische nächste Spielsituation und damit hätte für mich das Tor gelten müssen“, stellte der 47-Jährige klar.
An seiner Einschätzung ließ Ittrich keinen Zweifel: „Ich finde, das ist eine sehr, sehr strittige Entscheidung.“
Hätte der Díaz-Treffer zählen müssen?

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, ob die Augsburger Klärungsaktion tatsächlich eine neue Spielsituation eingeleitet hat.
Genau das ist nach Einschätzung von Ittrich der Fall. Der frühere Schiedsrichter argumentiert, dass der Ball zunächst aus der Gefahrenzone gespielt wurde und die Münchner anschließend einen neuen Angriff aufbauten.
„Dann entsteht eine neue Spielsituation und dementsprechend hätte das Tor eigentlich zählen müssen“, bekräftigte der Sky-Experte.
Damit widerspricht Ittrich der Bewertung des Schiedsrichterteams und des Videoassistenten. Seine Aussagen verdeutlichen, wie unterschiedlich solche Spielsituationen ausgelegt werden können.
Ob die Entscheidung tatsächlich regeltechnisch falsch war, hängt von der genauen Bewertung der ursprünglichen Abseitsstellung und der anschließenden Spielaktionen ab.
Bayern lässt wichtige Punkte liegen
Für die Münchner ist die Diskussion besonders ärgerlich. Schließlich hatte die Mannschaft von Vincent Kompany beim FC Augsburg ohnehin zahlreiche Möglichkeiten, die Partie für sich zu entscheiden.
Neben dem aberkannten Treffer von Díaz scheiterten die Bayern mehrfach am Aluminium oder an Augsburg-Torhüter Finn Dahmen. Auch weitere Treffer wurden wegen Abseitsstellungen nicht anerkannt.
Am Ende musste sich der Rekordmeister trotz seiner offensiven Überlegenheit mit einem 2:2 zufriedengeben.
Die umstrittene Entscheidung in der 51. Minute dürfte deshalb noch länger für Gesprächsstoff sorgen. Zumindest aus Sicht von Patrick Ittrich wurde den Bayern ein regulärer Treffer verwehrt.

