Wie lange bleibt Manuel Neuer noch die Nummer eins beim FC Bayern? Nach dem folgenschweren Patzer des 40-Jährigen beim 2:2 gegen den FC Augsburg ist die Diskussion um die Torwart-Zukunft des Rekordmeisters erneut entbrannt. Der frühere Nationalspieler Steffen Freund fordert nun einen klaren Kurswechsel: Jonas Urbig soll noch in der laufenden Saison zur neuen Nummer eins aufgebaut werden.
Neuer hatte am vergangenen Samstag bereits nach acht Sekunden einen folgenschweren Fehler begangen und damit das schnellste Gegentor der Bundesliga-Geschichte ermöglicht. Auch beim zweiten Treffer der Augsburger sah der Bayern-Kapitän nicht besonders glücklich aus.
Obwohl die Verantwortlichen dem Routinier weiterhin demonstrativ den Rücken stärken, werden die Forderungen nach einem Generationswechsel lauter. Besonders Urbig rückt dabei zunehmend in den Mittelpunkt.
Wachablösung im Bayern-Tor noch in dieser Saison
In der Sky-Sendung „Sky90“ sprach sich Europameister Steffen Freund dafür aus, den 23-jährigen Urbig bereits in den kommenden Monaten zur neuen Nummer eins zu machen.
Dabei betonte der 56-Jährige, dass es ihm keineswegs darum gehe, die Verdienste von Neuer infrage zu stellen. Vielmehr müsse der FC Bayern rechtzeitig die Weichen für die Zukunft stellen. „Wir schützen zurecht Manuel Neuer um seine Verdienste und wir wissen alle, schon gegen Leipzig kann er wieder eine Riesenleistung abrufen, aber: Es ist Manuels letztes Jahr und danach muss Urbig bereit sein“, erklärte Freund.
Der ehemalige Nationalspieler geht somit davon aus, dass Neuer seine Karriere nach der laufenden Saison beenden wird. Eine offizielle Entscheidung über die Zukunft des Bayern-Kapitäns gibt es bislang allerdings nicht.
Für Freund steht dennoch fest, dass die Münchner mit dem Generationswechsel nicht bis zum kommenden Sommer warten sollten.
„Aus meiner Sicht muss das im Laufe der Saison passieren, weil danach ist es zu spät. Er hat in allen Wettbewerben gezeigt, dass er die Forderungen danach stellen kann“, betonte der Sky-Experte.
Urbig soll mehr Verantwortung übernehmen

Urbig gilt beim FC Bayern seit seiner Verpflichtung als designierter Nachfolger von Manuel Neuer. Der junge Torhüter soll in dieser Saison deutlich mehr Spielpraxis sammeln und schrittweise an die Rolle als Stammtorwart herangeführt werden.
Für das Champions-League-Spiel gegen Viking Stavanger am Dienstag deutet sich bereits ein Wechsel zwischen den Pfosten an. Nach Informationen der Abendzeitung soll Urbig in Norwegen von Beginn an spielen.
Freund sieht in einer frühzeitigen Wachablösung auch eine Möglichkeit, das Risiko für die Münchner zu reduzieren. „Sollte es nicht mit Urbig funktionieren, wäre ein Neuer dann noch da“, erklärte der Europameister von 1996.
Sein Gedanke dahinter: Sollte Urbig den hohen Erwartungen zunächst nicht gerecht werden, könnten die Bayern während der laufenden Saison noch einmal auf ihren erfahrenen Kapitän zurückgreifen.
Eberl hält weiterhin an Neuer fest
Die Verantwortlichen an der Säbener Straße vertreten derzeit allerdings eine andere Position. Sportvorstand Max Eberl hatte nach dem Augsburg-Spiel ausdrücklich betont, dass Neuers Fehler keinen Einfluss auf die grundsätzliche Torwart-Hierarchie habe.
„Es gibt absolut keinen Grund, irgendetwas infrage zu stellen, nur weil Manuel jetzt einen Fehler gemacht hat“, stellte Eberl gegenüber der BILD klar.
Zugleich lobte der 52-Jährige die Entwicklung von Urbig, an der Neuer selbst einen großen Anteil habe. „Jonas entwickelt sich außerordentlich gut, und Manu hat dabei eine sehr, sehr große Rolle gespielt. Er ist nach wie vor unsere Nummer eins“, betonte der Sportvorstand.
Damit bleibt Neuer vorerst die erste Wahl von Trainer Vincent Kompany. Die Diskussion über den richtigen Zeitpunkt für den Generationswechsel dürfte die Bayern dennoch weiter begleiten.

