
„Ich verstehe es nicht!“: Klopp wundert sich über Bayern-Spielweise
Der FC Bayern hat sich im Champions-League-Kracher gegen den FC Arsenal mit einem 2:2 begnügen müssen. Trotz einer zwischenzeitlichen Führung reichte es für die Münchner am Ende nicht zum Sieg. Für Diskussionen sorgte allerdings nicht nur das Ergebnis, sondern auch die taktische Ausrichtung der Mannschaft von Vincent Kompany. Ausgerechnet Bundestrainer Jürgen Klopp zeigte sich von der Spielweise des deutschen Rekordmeisters irritiert.
Der 59-Jährige war am Mittwochabend als Experte bei DAZN im Einsatz und analysierte während der Halbzeitpause die erste Hälfte der Münchner. Dabei machte Klopp deutlich, dass er insbesondere das Defensivverhalten der Bayern nicht vollständig nachvollziehen kann.
„Ich habe bis heute nicht abschließend verstanden, was Bayern gegen den Ball macht. Aber ich will mich einfach weiterbilden“, erklärte der frühere Liverpool-Trainer.
Klopp kritisiert Bayerns Defensivverhalten
Vor allem die unterschiedlichen Zuordnungen im Pressing bereiten Klopp offenbar Kopfzerbrechen. „Mal ist es hybrid, dann Mann gegen Mann, dann nicht gegen den Mann. Ich lerne immer noch“, sagte der Bundestrainer mit einem Schmunzeln.
Konkreten Anlass für seine Analyse lieferte der Führungstreffer der Gäste. Eberechi Eze hatte Arsenal in der 25. Minute mit 1:0 in Führung gebracht. Bayern-Verteidiger Josip Stanisic hatte unmittelbar zuvor die Abseitsstellung aufgehoben.
Klopp wollte die Verantwortung für das Gegentor allerdings nicht allein beim kroatischen Nationalspieler suchen. „Beim Gegentor hebt einer das Abseits auf, aber vorher ist kein Druck auf den Ball. Das fehlt mir dann“, erklärte der 59-Jährige.
Damit sprach Klopp ein grundsätzliches Problem an: Wenn die Bayern hoch verteidigen, müssen sie gleichzeitig ausreichend Druck auf den ballführenden Gegenspieler ausüben. Andernfalls entstehen Räume, die ein Gegner wie Arsenal konsequent nutzen kann.
Kane-Rolle sorgt bei Klopp für Verwunderung

Besonders überrascht zeigte sich Klopp von der taktischen Rolle von Harry Kane.
Der englische Nationalspieler ließ sich gegen Arsenal immer wieder weit zurückfallen und unterstützte seine Mannschaft teilweise sogar in der eigenen Abwehrreihe.
„Harry Kane ist heute überall. Das finde ich mit Ball in Ordnung, aber gegen den Ball … Wenn ich Harry Kane in der letzten Linie sehe, und zwar nicht im tiefen Block, sondern im Mittelfeld-Pressing … Das ist einfach für mich …“, erklärte Klopp.
Anschließend schob er selbstironisch hinterher: „Und noch mal, ich bin nicht Papst des Fußballs, alle dürfen machen, was sie wollen, aber abschließend dahinter gestiegen bin ich auch nicht.“
Trotz seiner ungewöhnlichen Rolle war Kane auch offensiv entscheidend beteiligt.
Der 33-Jährige leitete in der 35. Minute den zwischenzeitlichen Ausgleich durch Alphonso Davies sehenswert ein. Nach dem Seitenwechsel brachte er die Münchner per Strafstoß sogar mit 2:1 in Führung.
Für den Sieg reichte es dennoch nicht. Declan Rice erzielte in der 82. Minute den Ausgleich zum 2:2-Endstand.
Die Aussagen von Klopp dürften dennoch für Gesprächsstoff sorgen. Schließlich hat Kompany den FC Bayern mit seiner offensiven und aggressiven Spielweise zu einer der stärksten Mannschaften Europas geformt.
Dass ausgerechnet der Bundestrainer öffentlich einräumt, die taktischen Abläufe der Münchner nicht vollständig zu verstehen, ist dabei durchaus bemerkenswert.
