
„Das ärgert mich!“ Hoeneß kritisiert Triple-Forderungen beim FC Bayern
Der FC Bayern gehört auch in dieser Saison zu den Anwärtern auf den Champions-League-Titel. Nach den starken Auftritten unter Vincent Kompany träumen viele Fans vom nächsten Triumph in der Königsklasse. Doch Ehrenpräsident Uli Hoeneß warnt davor, den Erfolg des deutschen Rekordmeisters ausschließlich an Titeln zu messen. Vor allem die Forderung nach dem Triple stößt dem 74-Jährigen sauer auf.
Im Interview mit der WELT am Sonntag machte Hoeneß deutlich, dass für ihn nicht allein die Anzahl der gewonnenen Pokale über eine erfolgreiche Saison entscheidet. Vielmehr müsse man auch die wirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen berücksichtigen, unter denen die Münchner arbeiten.
Dabei verwies der langjährige Bayern-Macher auf die besonderen Herausforderungen im internationalen Spitzenfußball. Anders als einige europäische Konkurrenten müsse der FC Bayern seinen sportlichen Erfolg mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Ausrichtung verbinden.
Hoeneß genervt von Triple-Forderungen
Besonders deutlich wurde Hoeneß bei der Frage nach einem möglichen Champions-League-Triumph. Für ihn ist es falsch, den Erfolg einer Mannschaft ausschließlich am Gewinn großer Titel festzumachen.
„Man sollte nicht alles auf den Gewinn eines Pokals reduzieren. Es kann so viel passieren – Sperren, Verletzungen. Wenn ich höre, wie Leute sagen: ‚Das Triple ist das einzige Ziel‘, dann ärgert mich das.“
Damit richtet sich Hoeneß gegen überzogene Erwartungen, die beim FC Bayern angesichts der sportlichen Erfolge regelmäßig entstehen.
Zwar gehören die Münchner traditionell zum Kreis der Titelkandidaten. Gerade in der Champions League können allerdings einzelne Spielsituationen, Verletzungen oder Sperren entscheidenden Einfluss auf den Ausgang eines Wettbewerbs haben.
Für Hoeneß ist deshalb nicht nur das Ergebnis entscheidend, sondern auch die Art und Weise, wie ein Verein langfristig erfolgreich arbeitet.
„Wir haben eine andere Philosophie…“

In diesem Zusammenhang grenzte der Ehrenpräsident den FC Bayern deutlich von finanzstarken Konkurrenten im europäischen Fußball ab. „Wir haben eine andere Philosophie als Vereine, bei denen Geld keine Rolle spielt, bei denen Hedgefonds oder ganze Länder den Verein finanzieren.“
Als Beleg für die erfolgreiche Entwicklung der Münchner führte Hoeneß insbesondere das enorme Wachstum der Mitgliederzahlen an. „Wir haben mittlerweile mehr als 450.000 Mitglieder. Als ich 1979 zum FC Bayern kam, waren es 8.000.“
Diese Entwicklung ist für den 74-Jährigen mindestens ebenso bemerkenswert wie sportliche Titel. Besonders beeindruckt zeigt er sich davon, dass die Nachfrage nach einer Mitgliedschaft trotz der begrenzten Stadionkapazität weiter wächst.
„Ein Drittel unserer Mitglieder konnte noch nie ein Spiel von uns im Stadion sehen, weil es immer ausverkauft ist, und dennoch wächst unsere Mitgliederzahl unaufhaltsam weiter. Das ist ein enormer Erfolg.“
Für Hoeneß steht damit fest: Der FC Bayern soll weiterhin um die größten Titel kämpfen. Die Entwicklung des Vereins darf seiner Ansicht nach aber nicht ausschließlich daran gemessen werden, ob am Saisonende die Champions-League-Trophäe oder sogar das Triple gewonnen wird.
