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Vom Saulus zum Paulus: Die wundersame Entwicklung von Thiago

Thiago und Davies
Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Unter Niko Kovac schienen einige Bayern-Spieler ihr eigentliches Potenzial nicht abrufen zu können. Man denke in diesem Zusammenhang an Thomas Müller, der unter dem Regime des Kroaten selten berücksichtigt wurde, nun unter Flick wieder als Motor in der Offensive fungiert und Vorlage um Vorlage liefert. Aber auch Thiago Alcántara ist ein echter Flick-Gewinner. Dabei genoss der Spanier zwar das Vertrauen von Kovac, seine Leistungen überzeugten aber nicht oft.

Thiago galt als Zauberer, als Streichler und Techniker in der Offensive, der für die Kunststücke verantwortlich war. Schließlich hat der Spanier auch brasilianische Wurzeln und ließ sein Talent auch gerne durchschimmern. Unter Niko Kovac wirkte Thiago allerdings oft fahrig, unkonzentriert, fehleranfällig. Mit der Übernahme von Hansi Flick ging ein Ruck durch die Mannschaft und Thiago musste sein Spiel hinterfragen. Sowohl beim 4:0-Erfolg des FCB über Borussia Dortmund als auch beim 2:0-Sieg gegen Piräus saß Thiago auf der Bank. Es war ein Denkzettel, den der Spanier offenbar verstanden hat.

Der spanische Nationalspieler passte sein Spiel entsprechend an, half seiner Mannschaft damit umgehend und fand einen völlig neuen und besseren Zugang zum Spiel seiner Mannschaftskollegen. Mats Hummels sprach unlängst von den „Künstlern und Arbeitern“ im Kader des BVB. Thiago verkörpert bei den Bayern momentan beides. Er sorgt für Antrieb in der Offensive, doch auch defensiv hat er sich eklatant verbessert. Dass das so ist, zeigen auch die Statistiken.

Unter Kovac gewann Thiago 58,7, unter Flick 65,4 Prozent seiner Zweikämpfe. Zudem gewann er seit dem Trainerwechsel zehn Prozent mehr Kopfballduelle. Seine neu gewonnene Spielfreude spiegelt sich auch an den Offensiv-Statistiken wider: zehn Torbeteiligungen statt zuvor vier unter Kovac, dabei sind neben Toren und Vorlagen auch die vorletzten Pässe mitberücksichtigt. Dass Thiago im Mittelfeld brillieren kann, liegt aber auch an Joshua Kimmich, der seinen Teamkollegen als Sechser und „Ausputzer“ absichern kann, sodass sich Thiago freier im letzten Drittel bewegt. „Thiago oder nix“ heißt es derzeit beim Rekordmeister. Dem FCB wäre es zu wünschen, dass er seine Form auch nach der Corona-Pause bestätigen kann.