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Sandro Wagner beendet Karriere und will Profifußball erhalten bleiben

Sandro Wagner
Foto: Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Es ist der Sommer der Abschiede von Ex-Nationalspielern von der großen Fußballbühne. Dass Mario Gomez (35) seine Karriere nach dem Stuttgarter Aufstieg beenden würde, war schon länger bekannt. Anschließend folgten ihm mit Andre Schürrle (29!) und Benedikt Höwedes (32) zwei noch recht junge Weltmeister von 2014, die nach Stationen in Russland die Fußballschuhe an den Nagel hängten. Ihnen tut es der ebenfalls erst 32-jährige frühere FC Bayern Stürmer Sandro Wagner gleich. Im selben Atemzug wie sein Karriereende verkündet der extrovertierte Angreifer aber den Beginn seiner Trainerkarriere.

1995 kam Sandro Wagner im Alter von sieben Jahren zum FC Bayern München. Nun, 25 Jahre später, beendet er als deutscher Nationalspieler, deutscher Meister und Pokalsieger seine Karriere. „Ich bin unglaublich dankbar, dass mir der Fußball ein wunderbares Leben ermöglicht hat. Ich habe all meine Ziele und Träume verwirklichen können. Das Nationaltrikot zu tragen hat mich mit besonderem Stolz erfüllt“, blickt der immer meinungsstarke, teils polarisierende Wagner auf seine Laufbahn zurück. Gerade in besagtem Trikot der deutschen Nationalmannschaft zeigte sich Wagner unheimlich Effizient. Acht Einsätze und fünf Tore in der U21 führten zum U21-EM-Titel 2009. Acht Spiele und vier Treffer in der A-Nationalmannschaft machten ihn zum Confederations Cup Sieger.

Seine illustre Karriere hätte noch nicht unbedingt enden müssen. Interessierte Vereine, Wagner nach seiner Auslandsstation in bei Tianjin Teda in die Bundesliga zurückzuholen, gab es nach Angaben des großgewachsenen Stürmers genug. „Die vielen Anrufe in den vergangenen Tagen von Bundesliga-Vereinen und aus dem Ausland haben mich echt gefreut, aber mein Entschluss steht.“ Doch das nächste Kapitel in der Fußballkarriere wartet auf Sandro Wagner bereits, nicht mehr auf dem Platz, sondern an der Seitenlinie. „Im September starte ich meine Trainer-Ausbildung in einem DFB-Sonderkurs. Mein Plan ist es, im kommenden Sommer in den Trainer-Bereich einzusteigen. Ich mache nun ein Jahr Pause und genieße die Zeit mit meiner Familie, der ich am meisten danken möchte. Dafür, dass sie immer für mich da war – obwohl ich in der Profizeit nicht immer bei meiner Frau und meinen Kindern sein konnte.“

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Zwei Mal FC Bayern – die wechselhafte Karriere des Sandro Wagner

In seiner Kinder- und Jugendzeit durchlief Sando Wagner sämtliche U-Mannschaften des FC Bayern bis er im Seniorenbereich in der Reservemannschaft des deutschen Rekordmeisters ankam. Von dort wechselste er im Januar 2010 zum MSV Duisburg (39 Einsätze, 14 Tore, zehn Vorlagen). Zwei Jahre später ging es ebenfalls im Januar weiter zu Werder Bremen. Weder an der Weser (36 Einsätze, fünf Tore), noch bei einer Leihsaison in Kaiserslautern (elf Einsätze, kein Tor, eine Vorlage) oder seinem nächsten dauerhaften Engagement bei Hertha BSC (75 Einsätze, acht Tore, zwei Vorlagen) konnte Wagner seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis stellen.

Aufblühen sollte die Karriere des Spätstarters erst in Darmstadt wieder. Für die Lilien erzielte der 1,94 Meter große Mittelstürmer 15 Tore in 34 Einsätzen, was die TSG Hoffenheim auf ihn aufmerksam machte. Nach eineinhalb erfolgreichen Jahren im Kraichgau (18 Tore, acht Vorlagen) holte der FC Bayern München seinen ehemaligen Jugendspieler für stolze 13 Millionen Euro zurück an die Säbener Straße. Die Ersatzrolle als Back Up für Robert Lewandowski behagte Sandro Wagner aber nicht wirklich. Ein Jahr später, wieder im Januar, wechselte der Wandervogel zum ersten Mal ins Ausland. Fünf Mio. Euro zahlte Tianjin Teda, um Wagner in die chinesische Super League zu holen – und sicherlich ein Jahresgehalt, dass Fußballprofis selbst in Wagners Augen nicht mehr als unterbezahlt dastehen ließ.

Aufgrund der Corona-Pandemie kündigte Wagner seinen Vertrag mit TJ Teda nach 26 Einsätzen und zwölf Treffern einseitig. Die damit einhergehende halbjährige Sperre für einen Wechsel kann Wagner nach seinem Karriereende nun egal sein. Was neben drei Deutschen Meisterschaften und zwei DFB-Pokalsiegen bleibt ist große Dankbarkeit und überraschend demütige Töne: „Ich habe die lange Reise sehr genossen und möchte mich einfach nur bedanken: Danke an alle meine Trainer und Mitspieler. Danke an alle Fans. Wir haben in Deutschland die tollsten Stadien und die besten Fans der Welt.“