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Flick über Taktik-Experimente: „Wir müssen kreativ sein“

Hansi Flick
Foto: imago images

GMit dem 2:1 Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg halten die Bayern Kontakt zu Tabellenführer Leverkusen und können diesen bereits am morgigen Samstag wieder überholen. Doch wie bereits in den letzten Wochen war der Sieg der Münchner erneut schwere Kost. Da stellt sich konsequenterweise die Frage, ob Flick bei seinen taktischen Experimenten den richtigen Plan im Petto hat.

Während der ehemalige Bayern-Coach Pep Guardiola bekannt dafür ist, am liebsten nur Mittelfeldspieler aufstellen zu wollen, sieht Hansi Flick dies augenscheinlich anders. So schickte er gegen Wolfsburg, streng genommen, vier etatmäßige Innenverteidiger, einen Mittelfeldspieler und fünf Angreifer ins Rennen. Nach der Partie erklärte der Bayern-Coach seine Pläne, wie folgt: „Wir wollten mit einem Dreier-Aufbau agieren, mit Süle, Boateng und Alaba. Hernandez haben wir auf der linken Seite etwas hochgezogen“, verrät er. Auf der derzeit größten Baustelle, im zentralen Mittelfeld, agierte Corentin Tolisso gemeinsam mit Thomas Müller. „Müller sollte als Sechser mit Drang nach vorne spielen. Wir müssen etwas kreativ sein, deswegen die Asymmetrie“, berichtet Flick. Demnach sollte also Corentin Tolisso die Rolle von Kimmich als Ballverteiler ausfüllen und Müller als Gortzka-Ersatz als „Box-to-Box-Spieler“ agieren.

Betrachtet man rein das Ergebnis, so ist das Experiment von Hansi Flick aufgegangen. So sammelten die Münchner, trotz Rückstand, drei wichtige Punkte gegen einen unangenehmen Gegner. Die ungewöhnliche Anordnung in der Abwehr ist jedenfalls zumindest in Teilen aufgegangen. Allerdings agierte der laut Flick vorgezogene Hernandez nicht offensiver als ein gewöhnlicher Außenverteidiger. Jedoch war dies aufgrund der zahlreichen Offensivspieler auf dem Platz auch gar nicht nötig.

Tolisso als Kimmich-Vertreter überfordert und alleine gelassen

Allerdings sprechen 11:17 Schüsse dafür, dass beim Bayern-Spiel doch auch einiges im Argen lag. Dies gilt vor allem für das Mittelfeld. So gelang es Corentin Tolisso genauso wenig wie Leon Goretzka zuvor, Joshua Kimmich auf der Sechs zu ersetzen. In 70 Minuten gelangen dem Franzosen nur 34 Pässe zum Mitspieler und ein gewonnener Zweikampf, was weit unter dem Niveau Kimmichs liegt.

Gerade bei Punkt eins, kann man den 26-jährigen jedoch nur bedingt einen Vorwurf machen. So bildete sich in der Mitte des Spielfeldes regelrecht ein Vakuum, sodass Tolisso meist auf sich alleine gestellt war. Kurzpassspiel und Kombinationen im Mittelfeld, wie man es von Spitzenmannschaften gewöhnt ist, fanden beinahe gar nicht statt. Thomas Müller war zwar erneut überall zu finden, trat jedoch selten an der Seite des Franzosen in Erscheinung. 31 angekommenen Pässen und eine Passquote von 75 Prozent belegen, dass er in Punkto Spielgestaltung kaum eine Hilfe für Tolisso war. Dies entspricht jedoch auch nicht seinen Qualitäten und Aufgaben bei den Bayern.

Bayern benötigen Struktur im Mittelfeld: Kann Marc Roca helfen?

Ein Mann der hier vermutlich geholfen hätte wäre Marc Roca. Dieser gilt als hervorragender Stratege und Ballverteiler und hätte dem Bayernspiel im Verbund mit Tolisso Struktur verleihen können. Nach seiner Einwechslung strahlte der Spanier mit einer Passquote von 100 Prozent erneut große Sicherheit aus. Diese könnten die Münchner auch von Beginn an brauchen. Es ist nämlich kein Zufall, dass die Bayern gegen Wolfsburg zum sechsten Mal infolge in Rückstand geraten sind. Ein solides Grundgerüst im Mittelfeld ist im Fußball von elementarer Bedeutung. So liegt es auch an einer funktionierenden Schaltzentrale, die ganze Power der Offensivspieler Sane, Gnabry oder Coman zu entfachen.

Den Sieg gegen Wolfsburg haben die Bayern in erster Linie drei Spielern zu bedanken: Da wäre der zweifache Torschütze Lewandowski, der kaum zu stoppende Coman und zu guter Letzt auch Manuel Neuer, der den Sieg mit zwei glänzenden Paraden festhielt. Dennoch wurde einmal mehr deutlich, dass Joshua Kimmich, gerade durch den Abgang von Thiago, eine immense Wichtigkeit besitzt. Nur gut, dass der 25-jährige im neuen Jahr wieder fit sein wird. Gegen Leverkusen wird jedoch noch einmal taktisches Geschick von Hansi Flick nötig sein. Eine Leistung, wie gegen Wolfsburg, könnte gegen den Tabellenführer zu wenig sein.