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Das FC Bayern-Saisonzeugnis 2020/21: Das Mittelfeld

Joshua Kimmich und Leon Goretzka
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Nachdem wir uns im ersten Teil mit der Bayern-Defensive und den Leistungen der einzelnen Spieler beschäftigt haben, folgt nun das Mittelfeld im zweiten Teil vom FC Bayern-Saisonzeugnis 2020/21.



Joshua Kimmich: 2,0

Mr. Zuverlässig lieferte auch nach dem Triplejahr wieder ab. 20 Torbeteiligungen (6 Tore, 14 Assists) in 39 Pflichtspielen für einen defensiven Mittelfeldspieler sprechen für sich. Die Kehrseite ist vielleicht, dass tatsächlich die Defensivarbeit ein bisschen darunter litt. Aber das ist Kimmichs Spiel und wird es auch bleiben, bis der FC Bayern ihm jemanden an die Seite stellt, der sich ausschließlich um die „Drecksarbeit“ kümmert (wie früher Martínez, van Bommel, Jeremies).

Leon Goretzka: 2,5

Dasselbe gilt auch für Goretzka. Trotz vieler kleiner Verletzungspausen (inkl. Corona-Infektion) hat der Box-to-Box-Player eine starke Saison gespielt. Acht Tore und neun Assists gelangen dem Nationalspieler in nur 32 Pflichtspielen in 20/21. Hervorzuheben sind vor allem seine wichtigen Treffer in der Rückrunde gegen Dortmund und Leipzig, die in beiden Fällen zum Sieg führten. Wann die Nationalmannschaft bei der EURO auf seine Dienste zurückgreifen kann, bleibt abzuwarten. Aktuell laboriert er noch an einem Faserriss, den er sich am 32. Spieltag gegen M’gladbach zugezogen hat.

Jamal Musiala: 2,5

Jamal Musiala
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Musiala ist natürlich die Entdeckung der Saison! Jüngster BL-Debütant für den FC Bayern. Jüngster BL-Torschütze für den FC Bayern. Jüngster CL-Torschütze für den FC Bayern. Nach Lewandowski (41), Müller (11) und Gnabry (10) erzielte Musiala (6) die meisten Tore in der abgelaufenen BL-Saison. Und das alles mit 17 bzw. 18 Jahren. Mit seinen frechen, aber trotzdem meistens zielführenden Dribblings stellte er so manche Abwehr vor große Probleme.

Logische Konsequenz: Jogi nimmt ihn mit zur Europameisterschaft, nachdem sich Musiala nach langem Hin und Her gegen England und für Deutschland entschieden hatte.

Javi Martínez: 3,0

Was Hansi Flick verspricht, das hält er auch! Vor der Saison wollte er unbedingt, dass Martínez dem FC Bayern mindestens noch ein Jahr erhalten bleibt. Zwar offerierte Flick Martínez nur eine untergeordnete, aber wichtige Rolle im Bayern-Kader. Und so kam es auch: Die Startelfeinsätze des Spaniers hielten sich in Grenzen, doch gehörte fast immer zu den Einwechselspielern. Ganz am Anfang der Saison belohnte sich Mr. Supercup dann auch noch selbst. Mit seinem zweiten Treffer in einem europäischen Supercup-Finale sicherte sich die Münchner gegen den FC Sevilla den 5. Titel im Jahr 2020. Ein weiterer sollte bekanntlich noch folgen.

Marc Roca: 4,0

Wie Bouna Sarr wurde auch Marc Roca auf den letzten Drücker im Oktober von Espanyol Barcelona verpflichtet. Doch die Voraussetzungen waren trotzdem ganz andere. Roca war schon in den Jahren davor immer wieder ein Thema und durch den Abstieg von Espanyol senkte sich seine Ablöse von 40 auf 9 Mio. Euro.

Das der Spanier in seiner Premieren-Saison nur schwer Fuß fassen konnte, lag auch an der brutalen Konkurrenz im Mittelfeld-Zentrum. Trotzdem waren seine sporadischen Einsätze meist unglücklich (inkl. Platzverweis gegen Salzburg). Er selber betont: „Wäre nicht richtig, wenn ich jetzt aufgeben würde“. Roca fühlt sich trotzdem wohl beim FC Bayern, was auch seine exzellenten Deutschkenntnisse bestätigen und vielleicht wird er in der kommenden Saison seinen Platz finden.

Corentin Tolisso: 4,5

Corentin Tolisso
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Wie einst WM-Held Andi Brehme sagte: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“

Die Aussage trifft wohl voll und ganz auf Corentin Tolisso zu. Der Franzose, der es unter Flick sowieso immer schwer hatte, wurde in der Hinrunde durch kleinere Blessuren immer wieder zurückgeworfen. Eine Rote Karte (gegen Bielefeld) und längere Sperre in der Bundesliga besorgte ihr Übriges.

Nach seinem ersten Einsatz über 90 Minuten im Rückspiel gegen Bielefeld riss sich der 2018-Weltmeister im Training eine Sehne und fiel fortan drei Monate aus. Man wünscht dem torgefährlichen Mittelfeldspieler mal eine mehrmonatige Periode ohne Verletzung, doch die gab es kaum seit er 2017 von Lyon an die Isar wechselte.

Thomas Müller: 1,5

„Müller spielt immer!“

Was für van Gaal im Frühling von Müllers Karriere galt, hat auch im Herbst unter Flick immer noch Bestand. Nur drei Pflichtspiele verpasste der Oberbayer in dieser Saison aufgrund einer Corona-Infektion, die er sich in Katar bei der FIFA-Klub-WM eingefangen hatte. Dieses Vertrauen des Trainers zahlte der Offensiv-Mann mit bärenstarken Leistungen zurück.

Unglaubliche 15 Tore und 24 Assists sammelte der „Neu“-Nationalspieler in der abgelaufenen Saison. In der Bundesliga kommt er auf 32 Torbeteiligungen – persönlicher Rekord! Dazu konnte man als Fernsehzuschauer deutlich hören, wer auf dem Platz im Bayern-Kader das Kommando hat. Radio Müller war geboren.

Nicht mal mehr Jogi Löw konnte diese Auftritte ignorieren und nominierte Müller nach 2,5 Jahren Abstinenz wieder in den DFB-Kader, inkl. Ticket für die Euro 2021.