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Das Transfer-Zeugnis der Bayern – Sie waren stets bemüht

Hasan Salihamidzic
Foto: IMAGO

Schluss, aus und vorbei. Das Sommer-Transferfenster in der Fußball Bundesliga ist seit gestern Abend geschlossen und in München dürfte man heilfroh sein, dass die zahlreichen Spekulationen und Diskussionen vorerst ein Ende nehmen werden. Der FC Bayern hat sich diesen Sommer, auf den ersten Blick, dezent zurückgehalten auf dem Transfermarkt. Wir bewerten die Aktivitäten von Hasan Salihamidzic & Co. in unserem Transfer-Zeugnis.



Für die Bayern war es, im Vergleich zu anderen europäischen Top-Klubs, sicherlich nicht das aufregendste Transferfenster in den vergangenen Jahren. Dies spiegelt sich nicht nur an der Anzahl der verpflichteten Spieler wider, sondern vor allem an den Ausgaben. Für vier Neuzugänge haben die Bayern „nur“ 57,5 Mio. Euro ausgegeben. Mit 42,5 Mio. Euro hat Dayot Upamecano einen Großteil davon verursacht. Weitere 15 Mio. Euro wurden für Marcel Sabitzer fällig. Omar Richards und Sven Ulreich wechselten jeweils ablösefrei zum Rekordmeister.

Der vermutliche spektakulärste Transfer im vergangenen Sommer war vermutlich Julian Nagelsmann. Gerüchten zufolge haben die Bayern mehr als 20 Mio. Euro für ihren Wunschtrainer ausgegeben und dementsprechend hat der 34-jährige, in bester Spieler-Manier, auch einen 5-Jahresvertrag erhalten. Nagelsmann ist zwar nicht der Star der Mannschaft, dennoch ist die Erwartungshaltung in München immens. Der Jungtrainer ist mit ein Grund, warum man auf teure Neuzugänge verzichtet hat. Die Bayern-Bosse hoffen darauf, dass ihr neuer Cheftrainer in Zukunft wieder mehr Campus-Talente zu Stars formt. Als Blaupause dient dabei Jamal Musiala, der sich in den vergangenen Monaten unter Hansi Flick ins Rampenlicht gespielt hat und auch unter Nagelsmann groß aufspielt. Mit Josip Stanisic scheint der FCB-Coach bereits einen potenziellen Kandidaten gefunden zu haben.

Der 80 Mio. Euro-Sparkurs der Bayern

Interessant ist: Die Bayern-Verantwortlichen haben zuletzt immer wieder betont, dass man Corona-bedingt nicht zu viel Geld für neue Spieler ausgeben möchte. Zusammen mit der Ablöse für Nagelsmann kommt der FCB auf knapp 80 Mio. Euro Ausgaben diesen Sommer. Damit ist faktisch relativ wenig übrig geblieben vom selbst auferlegten Sparkurs. In den vergangenen zehn Jahren hat man nur zwei Mal mehr Geld in die Hand genommen auf dem Transfermarkt: Im Sommer 2019 waren es satte 140 Mio. Euro, 2017 knapp 116 Mio. Euro.

Die Neuzugänge

Dayot Upamcano und Marcel Sabitzer
Foto: IMAGO

Nach der abgelaufenen Saison wurde die rechte Abwehrseite, das zentrale Mittelfeld und die offensiven Flügelpositionen als „größte Baustellen“ im Kader identifiziert. Diesen konnten teilweise mit den Neuzugängen geschlossen werden.

Dayot Upamecano: Der 22-jährige Franzose wurde als Ersatz für David Alaba bzw. Jerome Boateng verpflichtet. In seinen ersten Pflichtspielen für die Bayern hat der Innenverteidiger viel Licht und Schatten gezeigt. Beim 1:1-Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach gehörte er zu den schlechtesten Bayern-Spielern auf dem Platz. Im DFL Supercup gegen Dortmund hingegen zu den besten. Solche Schwankungen sind für einen jungen Spieler ganz normal. Zudem hat Upamecano bereits in Leipzig bewiesen, dass er auch konstant auf Top-Niveau spielen kann. Der Innenverteidiger ist zweifelsfrei eine echte Verstärkung für die Bayern und es braucht schlichtweg noch mehr Zeit bis die Automatismen greifen.

Note: 1

Omar Richards: Der Wechsel von Richards hat sich schon seit Monaten angedeutet. Der 23-jährige Linksverteidiger wurde als Backup für Alphonso Davies geholt. Wirklich präsentieren konnte sich Richards bisher nicht. Die Leistungen in den Testspielen waren durchwachsen. Auch im Pokalspiel gegen den Bremer SV, wo er 90 Minuten ran durfte, blieb er eher unauffällig. Der Engländer ist, stand heute, ein „Kaderspieler“ der Davies entlasten soll. Vielmehr kann man von einem Spieler, der aus der zweiten englischen Liga, zum FCB gewechselt ist vorerst auch nicht erwarten.

Note: 3,5

Sven Ulreich: Das Comeback von Sven Ulreich hat nicht nur die Fans beim FC Bayern gefreut, auch die Verantwortlichen wissen ganz genau was sie mit „Ulle“ erhalten: Einen souveränen Backup für Manuel Neuer, der zur Stelle ist, wenn er gebraucht wird. Der 33-jährige wurde zudem als Nübel-Ersatz verpflichtet. Allein die Tatsache, dass die Bayern mit Ulreich das Dauerthema rund um Nübel (vor erst) beendet haben und dieser ablösefrei verpflichtet wurde spricht ganz klar für den Transfer.

Note: 2

Marcel Sabitzer: Der 27-jährige Österreicher ist der diesjährige als „Last Minute-Deal“ der Bayern. Da Sabitzer noch kein Spiel im Bayern-Trikot absolviert hat, ist es schwer eine entsprechende Note zu verteilen. Der Offensiv-Allrounder hat jedoch, wie Upamecano, in Leipzig bereits gezeigt, dass er kein Spieler für die Kaderbreite ist, sondern auch qualitativ einiges mitbringt.

Sabitzer ist der Wunschspieler von Julian Nagelsmann. Die beiden kennen sich bestens aus gemeinsamen Zeiten bei RB. Neben seiner immensen Erfahrung gehören auch seine Torgefahr und Flexibilität zu den größten Stärken. Gepaart mit der Tatsache, dass die Bayern „nur“ 15 Mio. Euro Ablöse gezahlt haben für einen Spieler, der einen kolportierten Marktwert von 42 Mio. Euro hat, kann man schon fast von einem Transfer-Coup sprechen.

Note: 1,5

Die Abgänge

In Sachen Abgänge war in den letzten Wochen und Tagen einiges los. Lässt man die bereits bekannten Abschiede von David Alaba, Jerome Boateng und Javi Martinez außen vor (auslaufende Verträge), haben die Bayern jedoch fast nur Nachwuchsspieler abgegeben, die wenig bis gar keine Perspektive unter Julian Nagelsmann hatten.

Hierzu gehören Spieler wie Joshua Zirkzee, Adrian Fein, Lars Lukas Mai und Ron-Thorben Hoffman. Alle vier haben den FCB auf Leihbasis verlassen und sollen bei ihren neuen Klubs mehr Spielzeiten erhalten als beim Rekordmeister. Wie es langfristig mit dem Quartett in München weitergeht ist offen.

Chris Richards
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Auch Chris Richards hat die Bayern am Deadline Day per Leihe in Richtung Hoffenheim verlassen. Die Vertragsverlängerung bis 2025 ist jedoch ein klares Indiz dafür, dass die Verantwortlichen langfristig mit dem US-Amerikaner planen. Aber auch bei Richards stand das Thema regelmäßige Einsatzzeiten im Vordergrund. Zudem hat der Spieler selbst auf eine Leihe gedrängt. Bei der TSG Hoffenheim hat er ideale Voraussetzungen den nächsten Schritt in seiner Entwicklung zu gehen, so wie einst David Alaba und Serge Gnabry.

An dieser Stelle sei jedoch auch erwähnt, dass die Bayern keinen einzigen echten Verkaufskandidaten losgeworden sind. Hierzu gehört vor allem das französische Trio und um Bouna Sarr, Corentin Tolisso und Michael Cuisance. Während Cuisance und Sarr sportlich (überhaupt) keine Rolle unter Nagelsmann spielen, wird man Tolisso kommenden Sommer aller Voraussicht nach ablösefreie ziehen lassen müssen.

Fazit

Laut Präsident Herbert Hainer haben die Bayern „ihre Hausaufgaben früh erledigt“ in Sachen Sommer-Transfers. Mit Marcel Sabitzer hat man sich zudem kurz vor dem Ende der Wechselperiode nochmals eine echte Verstärkung gesichert. Und auch wenn der FCB im Vergleich zu PSG, Manchester United und dem FC Chelsea diesmal auf die ganz großen Namen und Summen verzichtet hat, verfügt man über eine „gute Bande“ wie Joshua Kimmich zuletzt treffend festgestellt hat.

National werden die Bayern auch mit diesem Kader erneut das Maß aller Dinge sein. Auch wenn es den einen oder anderen Experten gibt, der die Qualität des Kaders anzweifelt, sind die Roten in der Spitze auf den ersten 13-14 Positionen absolut top besetzt. Auf vielen Positionen sogar Weltklasse.

International hingegen wird sich erst im Frühjahr des kommenden Jahres zeigen, wie belastbar der aktuelle Kader wirklich ist.