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Katar-Kritik, gescheiterte Anträge und Pfeifkonzert – So chaotisch lief die Bayern-JHV ab

FC Bayern JHV
Foto: IMAGO

Die gestrige Jahreshauptversammlung beim FC Bayern wurde mit großer Spannung erwartet. Auch wenn der viel diskutierte „Katar-Antrag“ offiziell nicht zugelassen wurde, war dieses Thema omnipräsent im Audi Dome. Die FCB-Verantwortlichen mussten am Ende nicht nur eine bittere Niederlage hinnehmen, sondern wurden zu allem Überfluss noch auch von den eigenen Mitgliedern ausgepfiffen. 



Bevor es am Donnerstagabend richtig zur Sache ging, wurde zunächst die verstorbene Bayern-Legende Gerd Müller mit einer Schweigeminute gebührend geehrt. Im Anschluss folgte eine kurze Rückschau auf die historische Sextuple-Saison, bei der alle Trophäen auf die Bühne gebracht wurden. Nach dem Schaulaufen wurde es erstmals laut und ungemütlich.

Hainer erhält Buhrufe für Katar-Statement

Präsident Herbert Hainer eröffnete den inhaltlichen Teil der JHV mit seiner Rede. Der 67-jährige machte dabei deutlich, dass „der FC Bayern niemals ein kickender Konzern werde“. Zeitgleich konnte sich dieser einen kleinen Seitenhieb in Richtung anderer Großklubs nicht verkneifen: „Viele europäische Top-Klubs haben massive Schulden…Der FC Barcelona hat 1,3 Milliarden Euro Schulden. Auch Juventus Turin musste zuletzt Horrorbilanzen veröffentlichen. Davon sind wir weit, weit weg.“

Hainer nahm zudem kurz Stellung zur anhaltenden Katar-Kritik: „Wir als Verein stellen uns jedem Diskurs, auch Kritik darf natürlich sein. Aber die Kritik soll immer sachlich und auf nüchterner Basis erfolgen. Eine Wortwahl wie ’niederträchtig und perfide‘ gehört nicht zum Ton des Vereins. Fachlich und sachliche Argumente müssen die Basis für jede Diskussion sein. Nur so ist ein vernünftiger Austausch möglich. Wir alle sind der FC Bayern.“

Die Ausführungen stießen bei den anwesenden Mitgliedern auf wenig Zuspruch. Im Gegenteil: Die Mitglieder quittierten diese mit einem lauten Pfeifkonzert und mit wütenden Zwischenrufen.

„Beim FC Bayern stehen die Fans immer im Mittelpunkt“

Kurze Zeit nach Hainer betrat auch Oliver Kahn erstmals das Rednerpult. Der 52-jährige feiert als neuer Klubchef sein Debüt auf der JHV. Kahn blickte dabei auf die jüngsten Erfolge der Bayern zurück und erteilte dem anwesenden Julian Nagelsmann ein positives Zwischenzeugnis. Zeitgleich formulierte dieser aber auch klare Ziele für die laufende Saison: „Wir haben in dieser Saison die Chance, die Champions League zu gewinnen und zum 10. Mal die Meisterschaft in Folge zu gewinnen. In den europäischen Top-Ligen gibt es keine Mannschaft, die das je erreicht hat. Dafür müssen wir weiterhin alles geben

Kahn betonte zudem, dass die eigenen Fans beim FC Bayern stets im Fokus stehen: „Die starke Klub-Identität zeichnet den FC Bayern aus. Dafür lieben uns unsere Fans, darauf können wir stolz sein. Beim FC Bayern stehen die Fans immer im Mittelpunkt.“

Auffällig: Während der Vorstandsboss sich zwischendurch zur Impfdebatte rund um Joshua Kimmich äußerte, ließ er das Thema Katar komplett unkommentiert.

Trotz Corona-Einbußen: Bayern erwirtschaftet einen Gewinn

Nach der Rede von Kahn präsentierte Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen die Geschäftszahlen für die Saison 2020/21: Nach dem Rekord-Umsatz im Jahr 2019 in Höhe von 750,4 Mio. Euro, ist dieser im Vorjahr um mehr als 100 Millionen Euro auf 643,9 Millionen geschrumpft. Dennoch hat es der FCB geschafft einen (minimalen) Gewinn von auf 1,9 Millionen Euro nach Steuern zu erzielen (2019: 52,5 Millionen Euro).

Wie bereits zu vermuten war, wurden die Auswirkungen der Corona-Pandemie als ausschlaggebender Grund für diese Entwicklung angeführt.

Mitglieder stellen Katar-Kritik in den Fokus und lehnen Satzungsänderung ab

Im Anschluss folgten die ersten Redebeiträge der Mitglieder zu ihren jeweiligen Anträgen. Auch Michael Ott, der Initiator des sog. „Katar-Antrags“, trat vor das Mikrofon. Der 28-jährige versuchte immer wieder das Thema Katar zu adressieren, wurde jedoch von Prof. Dr. Dieter Mayer, dem 1. Vizepräsidenten des FC Bayern München eV, mehrmals ermahnt dies zu unterlassen, mit dem Hinweis, dass der „Katar-Antrag“ nicht Teil der Tagesordnung sei. Mayer verwies dabei unter anderem auf ein Urteil des LG München, welches den Antrag wenige Stunden zuvor abgelehnt hatte mit der Begründung, dass der FC Bayern München eV nicht über die operativen Entscheidungen der FC Bayern München AG bestimmen kann.

Ott ließ sich jedoch nicht abbringen. Als dessen ursprünglicher Antrag abgelehnt wurde, legte dieser einen zweiten nach. Diesmal ging es um eine Satzungsänderung, die besagt, dass der Verein weiterhin 75 Prozent statt 70 Prozent an der FC Bayern München AG halten soll, damit Investoren nicht zu viel Einfluss bekommen.

Kurz darauf wurde über die einzelnen Anträge abgestimmt, sowohl über jene der Mitglieder als auch des Präsidiums. Die erste Abstimmung endete direkt in einem Debakel für den FC Bayern. Die Modernisierung der Klubsatzung, welche vom Präsidium vorgeschlagen und vom Vorstand begrüßt wurde, erhielt nicht die erforderliche Mehrheit: 503 hatten gegen den Antrag gestimmt, nur 268 dafür. Besonders bitter: Laut Mayer hat der Klub knapp 1,5 Jahren an den zahlreichen Satzungsänderungen gearbeitet.

Der Ott-Antrag, welcher einen Anteilsverkauf verhindern soll, erhielt im Anschluss zwar eine deutliche Stimmmehrheit (473:236). Aber auch dieser scheiterte, weil keine Dreiviertelmehrheit gewährleistet war.

JHV endet mit „Hainer raus“-Rufen

Als die Mitglieder am Ende der Veranstaltung nochmals die Möglichkeit hatten, sich zu verschiedenen Themen zu äußern, wurde es nochmals richtig chaotisch. Herbert Hainer wirkte sichtlich genervt von den ausufernden Redebeiträgen der Mitglieder und beendete kurz nach Mitternacht sehr abrupt die Versammlung, obwohl es noch offene Redebeiträge ab. Die Reaktion der Mitglieder? „Hainer raus!“ Und: „Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt.“ Und: „Wir sind Bayern – und ihr nicht!“. Die Verantwortlichen wurden mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedet.

Der traurige Schlusspunkt der JHV war ein Versuch von Ehrenpräsident Uli Hoeneß die Stimmung nochmals zu beruhigen. Der 69-jährige trat kurz ans Rednerpult, verließ dieses jedoch nach wenigen Sekunden wieder, als er merkte, dass die Stimmung nicht mehr zu retten war.