Jonas Urbig durfte beim 2:1-Erfolg des FC Bayern bei der SV Elversberg endlich wieder von Beginn an ran. Für den 22-Jährigen war es der erste Bundesliga-Einsatz der neuen Saison. Mit Blick auf seine Ambitionen in der deutschen Nationalmannschaft könnten solche Bewährungsproben enorm wichtig werden.
Denn Urbigs grundsätzliches Problem bleibt bestehen: Beim deutschen Rekordmeister ist Manuel Neuer weiterhin die klare Nummer 1. Der 40-Jährige hat sich entschieden, seine Karriere mindestens bis 2027 fortzusetzen. Solange Neuer fit ist, dürfte Urbig deshalb nur sporadisch zum Einsatz kommen.
Genau darin sieht Stefan Effenberg eine mögliche Gefahr für Urbigs DFB-Karriere. Der frühere Bayern-Kapitän ist der Meinung, dass der Youngster dringend regelmäßige Spielpraxis benötigt, wenn er sich für die Nationalmannschaft empfehlen möchte.
Vor dem Elversberg-Spiel hatte Effenberg sogar eine klare Forderung formuliert. „Wenn das nicht der Fall ist, sollte man ihn nicht nominieren“, erklärte der 56-Jährige im SPORT1-Doppelpass mit Blick auf einen möglichen Einsatz Urbigs.
Urbig bekommt seine Chance – aber reicht das?
Vincent Kompany erfüllte Effenbergs Bedingung zumindest für dieses Wochenende. Im Zuge seiner Rotation setzte der Bayern-Coach gegen Elversberg auf Urbig und gönnte Neuer eine Pause.
Für den ehemaligen Kölner war es eine wichtige Gelegenheit, sich unter Wettkampfbedingungen zu präsentieren. Am grundsätzlichen Problem ändert ein einzelner Bundesliga-Einsatz allerdings wenig.
Mit Marc-André ter Stegen, Oliver Baumann und Alexander Nübel gibt es mehrere Konkurrenten, die bei ihren Klubs regelmäßig zwischen den Pfosten stehen. Gerade im Kampf um einen Platz im ersten Aufgebot von Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp könnte dieser Faktor eine wichtige Rolle spielen.
Klopp wird seinen ersten DFB-Kader am 17. September bekannt geben. Ob Urbig nach seinem Einsatz in Elversberg dabei sein wird, bleibt abzuwarten.
Effenberg fordert regelmäßige Spielpraxis

Dass Effenberg grundsätzlich große Stücke auf Urbig hält, steht dabei nicht zur Debatte. Seine Kritik richtet sich vielmehr gegen die fehlenden Einsatzzeiten. Der ehemalige Nationalspieler hatte bereits vor der Partie betont: „Urbig braucht Spiele. Er hat das ein oder andere Spiel gehabt“.
Genau hier befindet sich der 22-Jährige in einem Dilemma. Bei Bayern kann er täglich auf höchstem Niveau trainieren und von einem der erfolgreichsten Torhüter der Fußballgeschichte lernen. Gleichzeitig fehlt ihm durch Neuers Sonderstellung die regelmäßige Spielpraxis, die andere DFB-Kandidaten vorweisen können.
Auch Loris Karius könnte perspektivisch in den Konkurrenzkampf eingreifen. Der Schalke-Keeper hat mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Eine sofortige Berufung hält Effenberg jedoch für verfrüht: „Bei Karius würde ich sagen: Bring das auf Strecke, dann kann er noch einmal zu der Gelegenheit kommen.“
Für Urbig wird deshalb entscheidend sein, wie häufig Kompany ihm in den kommenden Monaten Einsatzzeiten ermöglicht. Das Spiel in Elversberg war ein Anfang. Will sich der Bayern-Keeper dauerhaft im DFB-Kreis etablieren, dürften einzelne Einsätze auf Dauer aber kaum ausreichen.

