Jürgen Klopp startet mit einem XXL-Kader in seine Amtszeit als Bundestrainer. Für die Bayern-Stars ergeben sich dabei ganz unterschiedliche Chancen.
Jürgen Klopp macht bei seinem Start als Bundestrainer deutlich, dass er sich nicht auf alte Hierarchien verlassen möchte. Insgesamt 44 Spieler hat der 59-Jährige für die außergewöhnlich lange Länderspielphase nominiert und auf zwei Gruppen verteilt. Darunter befinden sich neun Profis des FC Bayern.
Für die Münchner werden die Karten neu gemischt. Während etablierte Nationalspieler ihre Position festigen können, bietet sich insbesondere für die junge Bayern-Generation die Gelegenheit, unter Klopp an Bedeutung zu gewinnen.
Joshua Kimmich startet mit einer starken Ausgangsposition. Klopp hält am 31-Jährigen als Kapitän fest und hat zugleich die Positionsdiskussion beendet. Nachdem Kimmich bei der Weltmeisterschaft noch als Rechtsverteidiger aushelfen musste, soll er wieder das DFB-Mittelfeld organisieren.
„Wir sehen ihn als Mittelfeldspieler“, stellte Klopp klar. „Wir hatten nicht ein Gespräch, in dem wir von ihm als Rechtsverteidiger gesprochen haben.“
Damit bekommt Kimmich beim DFB jene Rolle, die er auch beim FC Bayern unter Vincent Kompany ausfüllt. Gleichzeitig wird vom Kapitän erwartet, beim Aufbau einer neuen Hierarchie voranzugehen.
Musiala könnte sofort zum X-Faktor werden
Auch für Jamal Musiala könnte der Neustart zum richtigen Zeitpunkt kommen. Der 23-Jährige hat sich beim FC Bayern nach seinen gesundheitlichen Problemen zurückgekämpft. Beim 7:0 gegen Union Berlin absolvierte er erstmals wieder die kompletten 90 Minuten, traf selbst und bereitete einen Treffer von Michael Olise vor.
Nach Informationen von Sky fühlt sich Musiala inzwischen sogar bereit für einen Startelfeinsatz gegen die Niederlande. Klopp könnte damit früher als erwartet wieder auf einen seiner außergewöhnlichsten Offensivspieler zurückgreifen.
Serge Gnabry bekommt ebenfalls eine neue Chance. Der 31-Jährige hat nach langer Verletzungspause gerade erst sein Bayern-Comeback gefeiert. Klopp möchte ihm während des Lehrgangs gezielt Rhythmus verschaffen. Für Gnabry bietet sich damit die Möglichkeit, sich direkt wieder als ernsthafte DFB-Option zu empfehlen.
Bei Jonathan Tah sieht die Situation etwas anders aus. Der 30-Jährige ist beim FC Bayern gesetzt und geht auch beim DFB mit guten Karten in die Klopp-Ära. Lothar Matthäus erklärte gegenüber Sky: „In der Abwehr sehe ich Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck als gesetzt.“
Ein Selbstläufer dürfte es trotzdem nicht werden. Vor allem Waldemar Anton präsentiert sich bei Borussia Dortmund in starker Form. Hinzu kommen jüngere Kandidaten wie Finn Jeltsch. Tah kann seinen Status festigen, muss ihn aber gegen neue Konkurrenz verteidigen.
Nathaniel Brown könnte dagegen vom Neustart profitieren. Der 23-Jährige ist eine Option auf der linken Abwehrseite. Dass Klopp sich mit ihm beschäftigt, zeigte sein Austausch mit Kompany. Mit Blick auf Browns zwischenzeitliche Rolle als Zehner scherzte Klopp: „Jetzt haben wir endlich mal wieder einen deutschen Linksverteidiger – und dann stellst du ihn auf der Zehn auf.“
Welche Rolle spielt Karl?
Beim FC Bayern ist Alphonso Davies aktuell wieder an Brown vorbeigezogen. Beim DFB bietet sich dem Sommer-Neuzugang dagegen die Gelegenheit, sich in der neuen Hierarchie zu etablieren.
Aleksandar Pavlovic kann sich unter Klopp als langfristige Lösung im zentralen Mittelfeld empfehlen. Der 22-Jährige ist beim FC Bayern längst eine wichtige Größe und könnte sich nun auch beim DFB dauerhaft neben Kimmich positionieren.
Tom Bischof bekommt einen besonderen Plan. Der 21-Jährige bleibt zunächst als Kapitän bei der U21 und stößt anschließend zur A-Nationalmannschaft. Bischof besitzt bereits ein Länderspiel und könnte sich nun dauerhaft im Kreis der DFB-Elf etablieren. Sein Timing passt: Beim 7:0 gegen Union setzte er mit zwei Vorlagen nach seiner Einwechslung ein Ausrufezeichen.

Besonders spannend wird der Lehrgang für Lennart Karl. Der 18-Jährige wurde von Klopp direkt in dessen erstes XXL-Aufgebot berufen. Inzwischen wurde sein Einsatz aus Gründen der Belastungssteuerung in die zweite Gruppe verschoben.
An Klopps Wertschätzung ändert das nichts. „Als ich Lennart das erste Mal live gesehen und seine Hand geschüttelt habe, habe ich gemerkt: Der Junge ist bereit. Richtiges Kraftpaket und sehr selbstbewusst, hat eine sehr angenehme Art. Er ist auch frech, das mag ich auch. Er hat herausragende Momente gehabt vor seiner Verletzung. Ganz doofer Zeitpunkt für die Verletzung gewesen.“
Auch Jonas Urbig gehört zu den jungen Bayern-Spielern, die Klopp kennenlernen möchte. Der 23-jährige Torhüter stößt im zweiten Teil der Länderspielphase dazu und bekommt damit frühzeitig die Gelegenheit, sich für die Zukunft zu positionieren.
Kimmich erhält unter Klopp seine bevorzugte Position zurück, Musiala könnte sofort zum offensiven Unterschiedsspieler werden und Gnabry wichtige Spielpraxis sammeln. Tah bekommt dagegen neue Konkurrenz. Für Pavlovic, Brown, Bischof, Karl und Urbig geht es vor allem darum, die neue Offenheit im DFB-Team zu nutzen.

