
Drei Erkenntnisse nach Magdeburg: Ein Bayern-Star gerät unter Druck
Der FC Bayern zieht mit einem 6:1 gegen Magdeburg ins Achtelfinale des DFB-Pokals ein. FCBinside liefert drei Erkenntnisse zum Spiel.
Der FC Bayern hat seine Pflichtaufgabe im DFB-Pokal souverän erledigt. Beim 6:1 gegen den 1. FC Magdeburg musste die Mannschaft von Aaron Danks nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich zwar kurz reagieren, setzte sich am Ende aber deutlich durch und steht im Achtelfinale.
Das Spiel lieferte folgende Erkenntnisse:
1. Karl gibt Antwort auf die Kritik
Lennart Karl stand zuletzt so stark unter Beobachtung wie wohl noch nie in seiner jungen Karriere. Nach seinen starken Auftritten in der vergangenen Saison waren die Erwartungen an den 18-Jährigen enorm gestiegen. Nach seinem Muskelbündelriss und rund zwölf Wochen Pause fand Karl seit seiner Rückkehr Ende August aber bislang nicht wieder zu seiner alten Leichtigkeit.
Das zeigte sich auch in den Zahlen. Vor dem Freiburg-Spiel hatte Karl in dieser Saison weniger als 300 Pflichtspielminuten gesammelt und lediglich einen Scorerpunkt verbucht. In seinen Einsätzen fehlte häufig die Durchschlagskraft aus der Vorsaison: Die Dribblings waren weniger explosiv, Abschlüsse zu ungenau, der Einfluss auf das Bayern-Spiel insgesamt geringer.
Die Kritik daran wurde zuletzt ungewöhnlich deutlich. Max Eberl erklärte nach dem 2:2 gegen Arsenal öffentlich, Karl habe „noch nicht sein Top-Niveau erreicht“. Noch härter fiel das Urteil von Uli Hoeneß aus. „Ich plane, ein ernstes Wort mit ihm zu sprechen. Er ist weit davon entfernt, ein Superstar zu sein. Junge Spieler brauchen Demut. Vergleiche mit Olise tun ihm eindeutig nicht gut, zwischen ihnen liegt immer noch eine Welt der Unterschiede“, erklärte der Bayern-Ehrenpräsident im Interview mit der WELT am Sonntag.
Schon beim anschließenden 3:1 in Freiburg zeigte Karl eine erste Reaktion. Offensiv gelang ihm zwar noch nicht alles, dafür lobte Eberl ausdrücklich seine Arbeit gegen den Ball und seinen Einsatz für die Mannschaft.
Gegen Magdeburg folgte nun auch ein deutliches Ausrufezeichen. Karl suchte wieder konsequent den Weg nach vorne, forderte den Ball und brachte mit seinen Aktionen Tempo ins Bayern-Spiel. Vor dem 1:0 öffnete er mit einem starken Pass in die Tiefe die Defensive der Gäste. Das 4:1 durch Alphonso Davies bereitete Karl später selbst vor.
Vor allem wirkte er wieder deutlich mutiger und unbekümmerter. Genau diese Eigenschaften hatten seinen Durchbruch in der vergangenen Saison geprägt. Natürlich ist ein überzeugender Pokalabend gegen einen Zweitligisten noch kein Beweis dafür, dass Karl sein Formtief endgültig überwunden hat. Nach der deutlichen Kritik der vergangenen Tage gab der Youngster die richtige Antwort auf dem Platz.
2. Saibari nutzt diesmal seine Chance
Auch Ismael Saibari musste zuletzt um eine größere Rolle kämpfen. Der Sommer-Neuzugang bekam immer wieder Gelegenheiten, sich in der offensiven Zentrale festzuspielen, ließ diese aber zu häufig ungenutzt. Besonders beim Sieg in Freiburg hatte er mehrere Situationen, in denen er das Spiel hätte entscheiden oder sich zumindest deutlicher empfehlen können.
Gegen Magdeburg war das anders. Saibari bereitete zunächst das 1:0 von Michael Olise vor und erzielte das 2:1 selbst mit einem sehenswerten Lupfer. Auch vor dem Elfmeter zum 3:1 hatte er seine Füße im Spiel: Sein Steckpass schickte Alphonso Davies in den Strafraum, wo der Kanadier nur noch per Foul gestoppt werden konnte.
Damit machte Saibari diesmal aus seiner Präsenz auch etwas Zählbares. Genau das hatte ihm zuletzt gefehlt. Er tauchte zwar immer wieder in gefährlichen Räumen auf, belohnte sich und die Mannschaft dafür aber zu selten. Gegen Magdeburg wirkte er zielstrebiger und vor allem konsequenter im letzten Drittel.
Ein überzeugender Abend gegen einen Zweitligisten macht Saibari noch nicht automatisch zum Stammspieler. Doch durch die Personallage – etwa das Fehlen von Jamal Musiala – bieten sich ihm Chancen. Wer dauerhaft eine größere Rolle beanspruchen will, muss gerade solche Spiele nutzen. Gegen Magdeburg hat Saibari das getan.
3. Tah gerät weiter unter Druck
Für Jonathan Tah fällt die Bilanz des Abends deutlich weniger positiv aus. Der Innenverteidiger machte nicht immer einen sicheren Eindruck und sah auch beim zwischenzeitlichen Ausgleich der Magdeburger schlecht aus. Mateusz Zukowski bekam auf der rechten Seite zu viel Raum, bevor sein Abschluss noch von Hiroki Ito abgefälscht wurde.
Interessant wird dieser Auftritt vor allem im Zusammenhang mit der Entwicklung der vergangenen Wochen. Tah war in der vergangenen Saison im Abwehrzentrum nahezu unumstritten und in den wichtigen Spielen neben Dayot Upamecano gesetzt. Inzwischen sieht die Situation anders aus.
Nach seinem schwachen Auftritt beim 3:3 gegen Viking Stavanger folgten die Topspiele gegen RB Leipzig und den FC Arsenal. In beiden Partien erhielt Minjae Kim neben Upamecano den Vorzug. Gegen Magdeburg standen nun Tah und Ito von Beginn an auf dem Platz, während Kim und Upamecano zunächst draußen blieben.
Mit Blick auf die kommenden Aufgaben ist das zumindest auffällig. Am Samstag wartet Borussia Dortmund, wenige Tage später Atlético Madrid. Es spricht einiges dafür, dass Kim und Upamecano derzeit die besseren Karten für diese Topspiele haben könnten.
Nach dem Magdeburg-Spiel wurde Tah selbst auf die neue Situation angesprochen. Von Seiten des Trainerteams sei „nichts anderes kommuniziert“ worden als in der vergangenen Saison. Auf die Frage, ob ihn seine jüngsten Bankplätze überrascht hätten, antwortete der 30-Jährige: „Der Trainer entscheidet, wer anfängt. Viel wichtiger ist, wie ich damit umgehe und dass ich bereit bin.“
Die Aussagen zeigen, dass Tah die neue Konkurrenzsituation zumindest nicht öffentlich zum Thema machen will. Seinen früher nahezu sicheren Platz muss er sich inzwischen aber neu erarbeiten. Kim hat seine Chancen genutzt, Upamecano ist aktuell nicht wegzudenken – und Tah konnte gegen Magdeburg kein starkes Argument liefern, um die Hierarchie wieder zu seinen Gunsten zu verschieben.
Tah steht jetzt unter Druck. Sein Stammplatz in den großen Spielen ist derzeit alles andere als sicher.
