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Müllers Leistung gegen Piräus: Weder Fisch noch Fleisch

Thomas Müller
Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Nach sechs Mal Bank in Folge und zahlreichen öffentlichen Diskussionen stand Thomas Müller beim CL-Auswärtserfolg bei Olympiakos Piräus unter der Woche mal wieder in der Startelf des deutschen Rekordmeisters. Der 30-jährige Stürmer zeigte sich bemüht: Neben zwei Torvorlagen stand am Ende auch ein mitverschuldetes Gegentor zu Buche. Wirklich schlauer dürfte Niko Kovac nach dem Spiel in Sachen Müller jedoch nicht sein.

Ende September hatte Bayern-Cheftrainer Niko Kovac noch ausgeschlossen das Thomas Müller und Philippe Coutinho in absehbarer zusammen in der Startelf stehen werden. Der 48-jährige bezeichnete diese Variante als „zu offensiv“. Am Dienstagabend überraschte Kovac dann alle, vermutlich auch sich selbst, als er beim CL-Duell sowohl Müller als auch Coutinho im offensiven Mittelfeld von Anfang an brachte. Während der Brasilianer auf seiner „favorisierten“ Position hinter Robert Lewandowski ran durfte, blieb für Müller die „ungeliebte“ rechte Seite.

Drei Tage nach dem knappen 3:2-Erfolg sind sich die Experten, Medien und Fans immer noch nicht einig, ob Müller seine Chance genutzt hat. Mit zwei Torvorlagen war der Angreifer indirekt am Sieg beteiligt, fehlerfrei war seine Leistung jedoch bei weitem nicht.

Welche Schlüsse zieht Kovac nach dem Piräus-Spiel in Sachen Thomas Müller?

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87 Minuten durfte Thomas Müller gegen Olympiakos Piräus spielen, bis er durch Ivan Perisic ersetzte. 25 davon quälte er sich auf dem rechten Flügel, ehe Niko Kovac erbarmen hatte und in der Offensive einmal durchrochierte: Müller in die Mitte, Coutinho nach links und Serge Gnabry nach rechts.

Hinter Robert Lewandowski fühlte sich Müller sichtlich wohler und keine zehn Minuten später bereitete er mit einem typischen Müller-Abschluss das 1:1 durch den Polen vor. Auch beim zweiten Treffer von Lewandowski war Müller maßgeblich beteiligt: Nach einer Ecke steckte er gedankenschnell zu eben jenem Lewandowski durch, der das 2:1 erzielte und die Bayern damit auf die Siegerstraße brachte.

Während die beiden Assists für Müller sprechen, sieht es bei den Zahlen, Daten, Fakten deutlich anders aus: Insgesamt 16 Zweikämpfe führte der Angreifer am Dienstagabend, die meisten aller Bayern-Spieler, gewann davon aber nur 31 Prozent – der drittschlechteste Wert seiner Mannschaft. Auch seine Passquote von nur etwa 72 Prozent war unterdurchschnittlich, um genauer zu sein – die zweitschlechteste der Bayern an diesem Abend. Zudem verlor Müller vor dem 0:1 den entscheidenden Zweikampf gegen Konstantinos Tsimikas und ließ sich anschließend überspielen.

Ob er sich für weitere Startelf-Einsätze empfohlen hat wird sich spätestens am Samstagnachmittag beim Bundesliga-Spiel gegen Union Berlin zeigen. Fakt ist, auch sein „Hauptkonkurrent“ Coutinho hat an diesem Abend keinen Gala-Auftritt hingelegt, weder in der Mitte noch links.

Kovac bleibt wortkarg, Mitspieler loben Müller

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Nach dem Spiel war die meist gestellte Frage wie Niko Kovac die Leistung von Thomas Müller gesehen hat, der Kroate blieb jedoch relativ wortkarg: „Das sollen andere bewerten.“ Auch Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic war sichtlich bemüht nichts falsches bzw. wertendes über Thomas Müller zu sagen: „Jedes Mal auf dieser Personalie herumzuhacken ist ein bisschen zu viel. Es war heute eine Mannschaftsleistung.“

Während sich die Verantwortlichen zurückhielten, lobten seine Mitspieler die Leistung von Müller. Kapitän Manuel Neuer zog nach dem Spiel ein positives Urteil über seinen Teamkollegen: „Er organisiert viel vorne, macht Räume auf, geht in die richtigen Positionen. Durch seine Cleverness und klugen Ideen verschafft er uns Situationen, in denen wir zweimal die Tore machen können.“ Auch David Alaba ließ es sich nicht Müller nach dem Spiel öffentlich zu loben: „Der Thomas ist einer, der sehr viel arbeitet, sehr viele Laufwege macht. Das macht ihn aus, da macht er den Unterschied.“

Müller selbst trat etwas überraschend in der Mixed Zone vor die Mikrofone, wirkte dabei jedoch weder besonders gut gelaunt noch verärgert. Der 30-jährige betonte, dass er sich „aufs Fussball spielen konzentrieren möchte“ und die Debatten um seine Person „langsam mal zu Ende gehen können“. Seine eigene Leistung wollte er indes nicht kommentieren: „Ich bin nicht derjenige, der hier die großen Analysen anschwingt.“