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Vertrags-Zoff zwischen FIFA und den Klubs droht zu eskalieren

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Foto: FABRICE COFFRINI/AFP via Getty Images

Die Corona-Krise stellt ganz Fussball-Europa vor immense Herausforderungen, vor allem mit Blick auf die finanziellen Auswirkungen. Aktuellen Medienberichten zufolge könnte es zu einem Vertrags-Zoff zwischen der FIFA und den Vereinen kommen. Demnach weigern sich immer mehr Klubs die Richtlinie des Weltverbands in Sachen Vertragslaufzeiten einzuhalten.

Der 30. Juni ist einer der wichtigsten Stichtage im internationalen Fussball, an diesem Datum laufen die meisten Spielerverträge aus. Mit Blick auf die anhaltende Corona-Krise und die Tatsache, dass viele europäischen Ligen auch nach Ende Juni die laufende Saison beenden möchten, droht den Vereinen nun ein echtes Vertrags-Chaos.

Der Fussball-Weltverband FIFA hat vor kurzem eine Richtlinie herausgegeben, wonach die auslaufenden Verträge auch über den 30. Juni gelten sollen, solange bis die aktuelle Saison beendet ist. Diese Richtlinie könnte nun zu einem Millionen-Streit zwischen der FIFA und den Klubs führen.

Ligen prüfen FIFA-Richtlinie

Offiziell handelt es sich bei der FIFA-Richtlinie um eine Empfehlung für alle Vereine weltweit. Der Fussball-Weltverband geht davon aus, dass diese von allen eingehalten wird. Rein rechtlich betrachtet sind dem Dachverband jedoch die Hände gebunden, wie die Tageszeitung „Blick“ berichtet. Demnach hat die Schweizer Liga ein Rechtsgutachten erstellen lassen, welches die Wirksamkeit der Richtlinie überprüft hat. Das Ergebnis ist eindeutig: die Empfehlung der FIFA steht nicht über dem nationalen Arbeitsrecht.

Liga-Chef Claudius Schäfer äußerte sich wie folgt dazu: „Es ist eine Empfehlung, Schweizer Recht steht über dem Rat der FIFA. Das heißt, die Klubs können nicht gezwungen werden, die Verträge zu verlängern. Umgekehrt müssen auch die Spieler nicht verlängern, wenn sie nicht wollen“. Laut Schäfer entsteht den Vereinen ein großer finanzieller Schaden, sollte man auslaufende Verträge von Spielern über den 30. Juni weiterhin bedienen müssen. Viele Klubs sind demnach nicht bereit die Gehälter nach Ablauf des Datums weiterhin zu bezahlen.

Auch wenn es für die Fussball Bundesliga bis dato noch kein vergleichbares Rechtsgutachten gibt, haben zahlreiche Experten bereits angedeutet, dass die FIFA-Vorgaben auch gegen deutsches Arbeitsrecht verstoßen. Gregor Reiter, Geschäftsführer der Deutschen Fussballspieler-Vermittler Vereinigung, kritisierte die FIFA-Vorgaben zuletzt deutlich: „Die Empfehlung ist aus meiner Sicht purer Aktionismus“.

Was passiert mit Leihspielern und ablösefreien Transfers?

Kritisch sind vor allem jene Fälle bei Spielern die bereits neue Verträge bei anderen Vereinen unterschrieben haben. Hierzu zählt unter anderem auch Alexander Nübel. Der 23-jährige Torhüter steht offiziell ab dem 1. Juli beim FC Bayern unter Vertrag und verdient dort ein Mehrfaches wie beim FC Schalke 04. Ob und wie die Bayern und Schalke mit dem Transfer umgehen werden ist bis dato offen. Beide Klubs hoffen, dass die laufende Saison bis zum 30. Juni beendet ist und sich das Problem „von alleine“ löst.

Es gibt jedoch zahlreiche europäische Ligen wie z.B. die englische Premier League oder die spanische La Liga, die deutlich über den 30. Juni hinausgehen werden. So stellt sich z.B. auch die Frage was mit Leihspielern wie Philippe Coutinho und Ivan Perisic passiert, die faktisch ab dem 1. Juli zu ihren Vereinen zurückkehren müssen. Dürfen diese in Spanien und Italien dann nochmals eingesetzt werden oder führt dies zu einer Wettbewerbsverzerrung?

Auch Bayern-Klubchef Karl-Heinz Rummenigge betonte zuletzt, dass die FIFA-Empfehlung noch einige Frage offen lässt: „Was passiert, wenn die Bundesliga am 30. Juni nicht beendet wurde? Und wenn die Champions League erst hinterher endet? Können wir Coutinho dann aufstellen?“

Die FIFA selbst ist dieses Problem bereits bekannt wie Vizepräsident Victor Montagliani vor kurzem verriet: „Wir sind uns völlig im Klaren, dass es einzelne Umstände in unterschiedlichen Rechtsordnungen geben kann, die Fragen aufwerfen oder eine Herausforderung darstellen“. Demnach hofft der Weltverband, dass sich die Spieler und Vereine außergerichtlich einigen werden, ohne Streitigkeiten vor Gerichten.