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Der Kaiser – 75 Jahre kultige Sprüche und unschlagbare Fußball-Weisheiten

Franz Beckenbauer
Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Der Kaiser wird 75. Mit seinen Weltmeistertiteln als Spieler und Trainer ist er nicht nur in die Geschichte des Fußballes eingegangen, sondern auch zur absoluten Kult-Figur aufgestiegen. Genauso legendär, wie seine fantastischen Leistungen auf dem Feld waren auch seine schlagfertigen Sprüche und Anekdoten.

Ohne Franz Beckenbauer hätte dem Fußball definitiv was gefehlt. Wofür manche unzählige Erklärungen und Analysen brauchen, benötigt der Kaiser einen kernigen Satz mit dem alles nötige gesagt wird. So wie beim Weltmeister-Titel 1990, als er sein Team mit den Worten „Geht´s raus und spielt´s Fußball“ heiß machte. Weitere Kostprobe gefällig? „Die Schweden sind keine Holländer, das hat man ganz genau gesehen“, so die messerscharfe Analyse. Auch das heute doch verwendete Zitat „Abseits ist, wenn der Schiedsrichter pfeift“, ist typische Kaiser-Logik. Beckenbauer selbst sagte einst: „Ich habe noch nie eine große Rede gehalten. Ich habe immer nur das gesagt, was mir gerade eingefallen ist.“ Es ist gerade die Authentizität und Offenheit in seinen Aussagen, die den Kaiser schon immer viel Sympathie entgegengebracht hat. Er ist eben ein echtes Original, das auf seiner Weise einmalig ist.

Ob Fehltritt oder nicht: Beim Kaiser ist alles „halb so schlimm“

Gerade deswegen sieht man ihm auch den ein oder anderen Fehltritt nach. Selbst als es in den letzten Jahren vermehrt zu Korruptionsvorwürfen kam, war Beckenbauer für viele die unschuldige Figur in der „FIFA-Mafia“. Kaum ein Fußball-Fan wollte den sympathischen und kultigen Franz Beckenbauer, der uns das Sommermärchen bescherte, wirklich fallen sehen. Mit seinen gesundheitlichen Problemen hat er es ja schließlich schwer genug. Franz Beckenbauer korrupt? Die heile Welt des Fußballs wäre für viele endgültig zerstört. Dabei ist der 75-Jährige durchaus einer, der auch austeilen kann. Beispiel gefällig? „Ja mei, der Dante. Der braucht den Ball nur zu stoppen als Brasilianer. Wenn das jetzt ein Isländer wäre oder er vom Nordpol kommt, dann würde ich sagen, gut, der hat seine Skistiefel noch an. Aber so: fürchterlich“. Einige fühlen sich dabei vielleicht an die Wut-Rede von Uli Hoeneß über Juan Bernat erinnert. Während man Hoeneß solche Ausbrüche oft übel nimmt, ist das bei Beckenbauer etwas anderes. Man kann ihm einfach nicht böse sein. Es ist eben der gewisse Charme und Witz, der eine solche Bemerkung gleich ganz anders wirken lässt. Dabei zögert Beckenbauer auch nicht damit, die ganze Mannschaft mit ins Boot zu nehmen. „Ich überlege noch immer, welche Sportart meine Mannschaft an diesem Abend ausgeübt hat. Fußball war es mit Sicherheit nicht“, so die unbarmherzige Analyse der Bayern-Legende.

Franz Beckenbauer und seine Sprüche: 75 Jahre rhetorische Spitzenklasse

Selbstverständlich sind Übertreibung und verblüffende Logiken kennzeichnende Stilmerkmale in der Rhetorik des Kaisers. Sprüche, wie „Ich habe in einem Jahr mal 15 Monate durchgespielt“, machen klar, dass selbst festgeschriebene Jahres-Daten nicht vor der Fußball-Legende sicher sind. Über die schnelle Genesung seiner Spieler Giovanni Elber und Jens Jeremis vor dem Champions-Legaue-Halbfinale gegen Madrid meinte er nur: „Das ist der Kunst der Ärzte zu verdanken. Zu meiner Zeit wäre wohl noch eine Amputation nötig gewesen.“ Zwar lebt die schillernde Lichtgestalt Beckenbauer bereits ein viertel Jahrhundert, so wären die Chancen der Ärzte wohl selbst in den 50er Jahren verblüffend hoch gewesen die Verletzungen erfolgreich zu behandeln. In all der Zeit erwachte auch regelmäßig der Philosoph in ihm zum Leben. „Erfolg ist ein scheues Reh. Der Wind muss stimmen, die Sterne und der Mond“, erklärte er mit all seiner Weisheit. Sein Leben stand jedenfalls unter einem guten Stern, selbst wenn ihm mittlerweile gesundheitliche Probleme den Alltag erschweren. „Ich hatte ein gutes Leben“ so Beckenbauer erst kürzlich gegenüber der Bild, wenngleich er an einem Vorhaben grandios scheiterte. „Mit Fußball will ich später nichts mehr zu tun haben“, so der Ehrenpräsident der Bayern. Doch auf die schönste Nebensache der Welt zu verzichten, ist halt auch für den Franz unmöglich. Wie viel Freude und Spaß er bringen kann, merkt man vielleicht manchmal erst, wenn der ganz große Druck vorbei ist. „Fußball ist und bleibt ein Spiel und das wird von vielen meist übersehen“, so ein sehr wahres Zitat von ihm. Dabei erkennt man auch gleich eine verblüffende Parallele zwischen Beckenbauer und dem Fußball. Wie den Fußball sollte man die Sprüche des Kaisers nicht zu ernst nehmen und lieber einfach genießen, was man zu sehen und zu hören bekommt.