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DFB-Comeback: Müller hat gute Chancen, für Boateng wird es eng

Thomas Müller und Jerome Boateng
Foto: imago images

Zwei Jahre ist es her, dass Bundestrainer Joachim Löw (61) das Weltmeister Trio Thomas Müller (31), Jerome Boateng (32) und Mats Hummels (32) aus der deutschen Nationalmannschaft warf. Doch nun öffnete der Bundestrainer wieder die Tür, nachdem der öffentliche Druck immer größer wurde. Wer hat die besten Karten?



Am Faschingsdienstag 2019 kam eine Delegation des DFB um Bundestrainer Joachim Löw an die Säbener Straße, um Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels mitzuteilen, dass sie nicht mehr Teil der deutschen Nationalelf sein würden. Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. In der Presse wurde das Trio zum Sündenbock für das peinliche WM-Aus im Sommer 2018 in Russland gemacht.

In der Folge rumpelte sich die deutsche Nationalmannschaft durch die UEFA Nations League und konnte auch in der EM-Qualifikation nur selten überzeugen. Der traurige Tiefpunkt war das deftige 0:6 in Spanien, in dem sogar ein Zweiklassenunterschied offenbar wurde.

Doch Bundestrainer Löw durfte einen Job behalten. In der Öffentlichkeit wurde immer heftiger eine Rückkehr von Müller, Boateng und Hummels gefordert. Und tatsächlich erlebten die Ex-Nationalspieler eine Renaissance und spielten zum Teil groß auf. Allen voran Thomas Müller, der aktuell wieder zu den besten Bundesligaspielern zählt und in Bayerns letztjähriger Triple-Saison einer der ganz großen Leistungsträger war. Zuletzt öffnete Löw die Tür wieder einen Spalt breit.

Seit der Ausmusterung der Abwehrspieler Boateng und Hummels rückten Niklas Süle (FC Bayern München, 13 Einsätze), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach, 12 Einsätze), Jonathan Tah (Bayer 04 Leverkusen, 9 Einsätze), Emre Can (Borussia Dortmund (Borussia Dortmund, 9 Einsätze), Antonio Rüdiger (FC Chelsea, 8 Einsätze), Robin Koch (mittlerweile Leeds United, 7 Einsätze) als Innenverteidiger in den Fokus – und überzeugten nur selten. Boateng und Hummels sind beim FC Bayern bzw. Borussia Dortmund feste Größen und könnten in Topform sicher auch wieder der deutschen Nationalmannschaft helfen – trotz ihres fortgeschrittenen Alters.

Dennoch erscheint es nicht allzu wahrscheinlich, dass Bundestrainer Löw die beiden Abwehrspieler zurückholen wird wie der „kicker“ berichtet. Vor allem Ginter, Rüdiger und Süle lobte der 61-Jährige zuletzt ausdrücklich. Die letzten Länderspiele offenbarten allerdings enorme Defizite in der Abwehrarbeit.

Thomas Müller seit zwei Jahren auf überragendem Level

Thomas Müller agiert seit der Amtsübernahme von Trainer Hansi Flick (56) beim FC Bayern in rund 80 Prozent der Partien in der offensiven Zentrale. In den vergangenen zwei Jahren erzielte der Urbayer 30 Tore in 95 Spielen. Auf der offensiven Position hat Müller in der Theorie deutliche Vorteile gegenüber den Konkurrenten. Kai Havertz (21) kommt beim FC Chelsea noch nicht auf die Füße. Julian Brandt (24) kriselt seit Monaten in Dortmund. Julian Draxlers (27) Glanzauftritte haben extremen Seltenheitscharakter.

Doch Müller spielte in der deutschen Nationalelf meist auf dem rechten Flügel – und dies durchaus erfolgreich, was 31 Tore und 30 Assists in 69 Spielen beweisen. Im zentralen offensiven Mittelfeld tat er sich in sieben Auftritten häufig schwer (kein Tor, eine Vorlage). „Bei uns hat er überwiegend auf der rechten Seite gespielt, das war viele Jahre auch die beste Position für ihn“, so Löw gegenüber dem „kicker“. Der folgende Satz dürfte noch nachhallen: „Im Moment ist die Zehnerposition besser für ihn.“ Klingt durchaus nach einem Comeback für Deutschland.

Löw muss zugute gehalten werden, dass Müller, Boateng und Hummels zum Zeitpunkt der Ausbootung tatsächlich im Formloch steckten. Beim deutschen Rekordmeister schien Müllers Zeit sogar schon abgelaufen zu sein, als Niko Kovac (49) noch an der Seitenlinie stand. Doch als Flick kam, erlebte der 30-Jährige eine Leistungsexplosion.

Beim FC Bayern beeindruckt Müller seit zwei Jahren nicht nur mit Toren und Vorlagen, sondern auch als lautstarker Anführer auf dem Feld, der seine Gegenspieler motiviert und animiert. Wie kaum ein zweiter Spieler stellt sich der langjährige Profi in den Dienst der Mannschaft. Spieler wie er und Hummels würden „andere in der Führung zulassen und nicht unterdrücken“, so Löw, der Boateng in diesem Zusammenhang nicht erwähnte.

Im März wird die DFB-Elf gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien in der WM-Qualifikation für Katar 2022 antreten. Müller, Boateng und Hummels werden noch nicht wieder zum Kader gehören, wie der Bundestrainer feststellte. Bis Mai solle die weitere Entwicklung verfolgt werden, so der Bundestrainer. Derzeit zeichnet sich ab, dass Löw gerne auf seine Lieblingsabwehrspieler setzen und am liebsten ohne Boateng und Hummels auskommen möchte. Dass Thomas Müller die EM 2021 zurückkehren wird, erscheint derweil als durchaus wahrscheinlich.

Noch steht Müller bei exakt 100 Länderspielen, 38 Toren und 36 Assists. Boateng zählt 76 Einsätze, ein Tor und fünf Vorlagen. Hummels kommt auf 70 Länderspiele, fünf Tore und fünf Assists.

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