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Kommentar: So ein Verhalten hat Jerome Boateng nicht verdient

Jerome Boateng
Foto: Handout/FC Bayern via Getty Images

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wird Jerome Boateng den FC Bayern am Ende der Saison nach zehn Jahren verlassen. Das Verhalten gegenüber dem 32-jährigen Innenverteidiger an der Säbener Straße ist schon seit Jahren fragwürdig. Die gesamte Führungsriege beim deutschen Rekordmeister hat in den vergangenen Monaten kein gutes Bild im Umgang mit dem verdienten Bayern-Profi abgegeben.



Wie der „kicker“ am späten Sonntagabend via „Eilmeldung“ bekannt gab, haben die Bayern den finalen Beschluss gefasst den auslaufenden Vertrag von Jerome Boateng nicht zu verlängern. Das Fachblatt beruft sich dabei auf Informationen aus dem Aufsichtsrat der Münchner. Zuvor hatten bereits mehrere Medien übereinstimmend berichtet, dass der Abwehrspieler keine sportliche Zukunft mehr beim FC Bayern hat und sich die Wege kommenden Sommer trennen werden.

Unabhängig von der Tatsache, dass diese Entscheidung aus sportlicher Sicht durchaus fragwürdig ist, haben die Verantwortlichen an der Isar bei der Causa Boateng in den vergangenen Monaten nahezu alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Der Umgang mit solch einem verdienter Spieler wirft kein gutes Licht auf die Bayern.

Rummenigge läutete den Abgesang auf Boateng bereits 2016 ein

Jerome Boateng hat in den vergangenen knapp zehn Jahren viele Höhen und Tiefen beim FC Bayern erlebt. Schaut man sich die zahlreichen internationalen und nationalen Titelerfolge an, kann der Innenverteidiger jedoch auf eine äußerst erfolgreiche Zeit zurückblicken. Kurioserweise stand Boateng, im Vergleich zu Spielern wie Thomas Müller, David Alaba oder Robert Lewandowski, dennoch nie wirklich hoch im Kurs bei den Bayern-Bossen. Bereits im Herbst 2016, als Boateng frisch zu Deutschlands Fußballer des Jahres gekürt wurde, folgte die erste „öffentliche Ansage“ aus der Führungsriege der Münchner. Klubchef Karl-Heinz Rummenigge kritisierte den Abwehrspieler damals, nach einer 2:3-Niederlage gegen Rostow in der Champions League, überraschend scharf: „Ich glaube es fällt auf, dass Jerome wieder ein bisschen zur Ruhe kommen muss. Seit dem letzten Sommer ist mir das ein bisschen zu viel. Es wäre im Sinne von ihm und auch vom ganzen Klub, wenn er wieder ein bisschen ‚back to earth‘ runterkommt.“

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die vielen Aktivitäten von Boateng fernab des Platzes, den Verantwortlichen stets ein Dorn im Auge waren. Im September 2018 beklagte sich dieser erstmals selbst über die fehlende Unterstützung und mangelnde Wertschätzung an der Säbener Straße. Boateng stand nach dem desaströsen Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2018 im Mittelpunkt der Kritik von Fans und Medien. Öffentliche Rückendung von Rummenigge & Co. gab es nicht, im Gegenteil, der Vorstandsboss bezeichnete Boateng damals „als bunten Vogel“ und schob dem DFB die Schuld für die Kritik an dem Bayern-Profi zu.

Hoeneß und sein „freundschaftlicher“ Rat an Boateng

Wenige Monate später schien es so, als sei das Kapitel Boateng beim FC Bayern endgültig beendet, als Uli Hoeneß den Abwehrspieler öffentlich dazu aufforderte den Verein zu verlassen. Im Rahmen der Bayern-Meisterfeier Im Mai 2019 nahm der damalige Präsident kein Blatt vor den Mund: „Ich würde ihm als Freund empfehlen, den Verein zu verlassen. Er braucht eine neue Herausforderung, er wirkt wie ein Fremdkörper.“

Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits einen gescheiterten Versuch seitens der Bayern Boateng zu verkaufen. Im Sommer 2018 scheiterte ein sicher geglaubter Deal mit Paris Saint-Germain an den Ablöseforderungen des FCB. Ein Jahr später platzte ein weiterer Transfer zu Juventus Turin.

Mit der Entlassung von Niko Kovac und der neuen Ära von Hansi Flick folgte dann die unerwartete Kehrtwende. Flick formte den „Fremdkörper“ Boateng binnen weniger Monate erneut zu einem Stammspieler und Leistungsträger. Immer wieder stärkte der Bayern-Cheftrainer dem erfahrenen Spieler öffentlich den Rücken. Boateng dankte es ihm mit starken Leistungen, die aus Sicht von Flick maßgeblich dafür verantwortlichen waren, dass die Münchner im Vorjahr das Triple gewonnen haben.

Boateng hat einen würdigen Abschied verdient

Mit Blick auf die jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß und Oliver Kahn spürt man jedoch wenig Dankbarkeit und Anerkennung für Boateng und dessen „Comeback“. Hoeneß verkündete vergangene Woche live im TV, dass er lieber Hummels als Boateng zur Fußball-Europameisterschaft 2021 mitnehmen würde. Konkrete Gründe für seine „Expertenmeinung“ lieferte Hoeneß nicht. Nicht nur die eigenen Fans waren von dieser Ansage überrascht, auch Hansi Flick zeigte sich erstaunt darüber, dass der Ehrenpräsident der Bayern sich zu solch einer Aussage hat hinreißen lassen und betonte, dass er solch ein Verhalten nicht gewohnt sei beim FCB.

Vergangenen Samstag legte Rummenigge-Nachfolger Kahn nach und betonte gegenüber „Sky“, dass sich der Innenverteidiger nicht zu sehr auf die Nationalmannschaft konzentrieren sollte und verwies auf die „körperlichen Probleme“ von Boateng.

Es ist schon erstaunlich, wie oft sich die Bayern-Bosse in den vergangenen Monaten öffentlich über Boateng geäußert haben und wie wenig Wertschätzung dabei für den zweifachen Triple-Sieger erkennbar war. Auch die Tatsache, dass man schon seit Monaten auf bevorstehende Gespräche hinweist, man aber erneut aus den Medien mehr Informationen erhält als von den Verantwortlichen selbst ist bezeichnend.

Es steht außer Frage, dass Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic & Co. selbst darüber entscheiden auf welche Spieler sie in Zukunft setzen möchten. Dennoch: Das Verhalten gegenüber Boateng ist schon seit Jahren fragwürdig. Es ist schade zu sehen, dass so ein verdienter Bayern-Spieler allen Anschein nach keinen würdigen Abschied erhalten wird.